Entscheider mit Entscheidungsschwächen 
Donnerstag, 10. Juni 2010 - Studien
Das Beratungsunternehmen ComTeam untersuchte in einer Umfrage mit 233 Unternehmensangehörigen - darunter überwiegend Führungskräfte - die Entscheidungskultur in Unternehmen. Ernüchterndes Ergebnis: Nur 30 Prozent der Befragten sind mit dieser zufrieden, 45 Prozent hingegen unzufrieden bis sehr unzufrieden. Die Probleme sind augenscheinlich. So finden zwei Drittel der Befragten, dass ihre Vorgesetzten meist schon eine Lösung im Kopf haben und diese schlicht durchdrücken wollen. Immerhin stehen 50 Prozent der Chefs dann auch voll hinter den von ihnen getroffenen Entscheidungen und treiben deren Umsetzung persönlich voran. Knapp 40 Prozent erleben eine Mitarbeiterbeteiligung im Entscheidungsfindungsprozess eher als Farce, da das Ergebnis ohnehin schon feststehe. Die Kompetenzen der Entscheider kommen in der Umfrage denkbar schlecht weg. So glauben jeweils nur gut fünf Prozent der Befragten, dass ihre Vorgesetzten sehr gut die Komplexität zu lösender Probleme richtig einschätzen und daraus passende Schlüsse für das weitere Vorgehen ziehen sowie die richtigen Stakeholder in sinnvoller Weise einbinden. Nimmt man die Befragten hinzu, die hier ein "gut" vergeben, erreichen die Werte knapp 40 Prozent.
ComTeam-Studie zur Entscheidungskultur

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Meditation - weniger Stress, bessere Denkfähigkeit 
Mittwoch, 9. Juni 2010 - Wissenschaft
Meditation ist gut fürs Gehirn - stellt die Welt in einem Beitrag fest, der aktuelle Forschungsprojekte zum Thema vorstellt. Dass Achtsamkeitsübungen beispielsweise den Blutdruck stabilisieren können, ist bereits länger klar, doch die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung legen noch eins drauf. So zeigen verschiedene Studien, das Meditierer sich besser konzentrieren können und regelmäßige Praxis einer altersbedingten Ausdünnung der Hirnrinde entgegenwirkt. "Meditation ist ein physiologisches Herunterfahren des Körpers. Sie funktioniert wie eine Reset-Taste am Computer in Richtung Lebensstilveränderung und Gesundheit", sagt etwas Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité in Berlin. Die mit der Achtsamkeitsübung verbundene Stärkung der Konzentrationsfähigkeit ist nicht nur unter Leistungsgesichtspunkten interessant - in der Therapie von Patienten mit Depressionen hat sich gezeigt, dass Meditieren die Rückfallquote um bis zu 50 Prozent reduziert - weil es hilft, das negative Gedankenfeuerwerk, unter dem viele Depressive leiden, in Zaum zu halten.
Meditieren verändert das Gehirn, Die Welt 16.5.10

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Warum Männer und Frauen im Job ganz unterschiedlich ticken 
Dienstag, 8. Juni 2010 - Wissenschaft
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung geht in einem Interview mit der amerikanischen Professorin für Neuropsychiatrie Louann Brizendine der Frage nach, warum Frauen und Männer ein völlig unterschiedliches Verständnis von Karriere haben und Frauen deshalb kaum in Führungspositionen gelangen. "Ein wichtiger Grund findet sich in der Struktur der Arbeitswelt. Sie ist von der Funktionsweise männlicher Gehirne geprägt und spiegelt diese. Frauen, die ganz anders denken, passen dort nicht hinein. Das spüren sie intuitiv und fühlen sich dann permanent entmutigt", sagt Brizendine und geht auch gleich auf das Thema Political Correctness im Kontext der Genderfrage ein: "Es ist tatsächlich bis heute politisch nicht korrekt, zu behaupten, dass sich männliche und weibliche Gehirne in ihrer Funktionsweise dramatisch unterscheiden. Obwohl es wissenschaftlich längst erwiesen ist. Es ist wichtig, das endlich zu akzeptieren, um das Potential der Frauen, ihre Intelligenz und Kreativität auch in der Wirtschaft zu nutzen." Korrekt oder nicht, Brizendine weist darauf hin, dass im Gehirn zwei Gefühlssysteme parallel arbeiten und diese von Männern und Frauen ganz unterschiedlich genutzt werden: "Wenn zwei Menschen über ein Problem kommunizieren, wird zunächst bei beiden Geschlechtern das Gefühlssystem aktiv, das uns dazu befähigt, uns in die Gefühlslage des jeweiligen Gegenübers zu versetzen. Bei Männern allerdings nur für kürzere Zeit. Dann schalten ihre Gehirne auf die Problem-Analyse und die Suche nach Lösungen um. Dabei sorgt das männliche Fortpflanzungshormon, also das Testosteron, dafür, dass männliche Gehirne auf diese kognitive Schiene wechseln." Das führt zur von vielen Frauen wahrgenommenen Kaltschnäuzigkeit im Business. Darüber hinaus arbeiten Männerhirne fokussierter, während Frauen eher mehrere Aspekte in den Denkprozess einbeziehen. Für Brizendine läuft es nicht darauf hinaus, dass das eine besser wäre als das andere - für die Wirtschaft liegt ihrer Meinung die große Chance darin, endlich verstärkt beide Perspektiven zu berücksichtigen. Die Neuropsychiaterin gibt jedoch auch zu bedenken, dass sie erst möglich wird, wenn die Führungspositionen selbst auch mehr auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten werden.
Das Gehirn der Männer. Und die Karriere der Frauen. FAS 30.5.10

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GLS Bank wird Bank des Jahres 2010 
Montag, 7. Juni 2010 - sonstiges
Die Bankenkrise scheint zumindest in Teilen der Bevölkerung zu einem Aufwachen geführt zu haben. Bei der Wahl zur beliebtesten Hausbank der Deutschen, zu der der Nachrichtensender n-tv und das Magazin Börse online von März bis Mai aufriefen, beteiligten sich mehr als 33.700 Teilnehmer und kürten die GLS Bank zum Sieger. Die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bank mit den anthroposophischen Wurzeln ließ dabei die etablierte Konkurrenz weit hinter sich - so landete die Deutsche Bank beispielsweise nur auf Platz 21. Zwar ist die GLS mit ihren 80.000 KundInnen noch ein kleiner Fisch - die Deutsche Bank hat mehr als hundertmal mehr Kunden -, doch mit ihrer Ausrichtung punktet sie mächtig. Laut Umfragen möchten bereits mehr als zehn Prozent aller Deutschen, dass ihr Geld "Gutes tut" und nicht zu fragwürdigen Spekulationen verwendet wird. Bei der GLS haben sie die Sicherheit, dass dem so ist - und können sich sogar aussuchen, für welche Projekte ihre Anlage als Kredit ausgezahlt werden soll. Was die Konditionen angeht, rangiert die GLS im Mittelfeld - doch ist das ihren Kunden dennoch die Bestnote wert. So kostet das Girokonto mit Service-Karte und Mastercard pro Jahr 64 Euro - bei der Deutschen Bank sind es sogar knapp 20 Euro mehr. Auf Tagesgeld gibt die GLS gegenwärtig 1,1 Prozent, aufs Sparbuch 1,3 Prozent - das ist Durchschnitt. Die Wahl zeigt: Zwar spielt die GLS gegenwärtig noch in einem Nischenmarkt, doch ihre Fans sind treu.
Die Kleinen triumphieren, n-tv 2.6.10

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Manager an der Belastungsgrenze 
Freitag, 4. Juni 2010 - Studien
Der Handelsblatt Business-Monitor, für den mehr als 760 Manager in Deutschland befragt wurden, zeigt: jeder zweite Manager im besonders durch die Rezession gebeutelten Maschinen- und Fahrzeugbau sieht sich am Rande seiner Belastungsgrenze. 40 Prozent klagen, dass ihnen in Krisenzeiten im Unternehmen deutlich mehr abverlangt werde. Berater gehen ohnehin davon, dass heute in den Führungsetagen das Anforderungsniveau etwas doppelt so hoch ist wie noch vor zehn Jahren. 42 Prozent der Manager konstatieren eine straffere Führung in Krisenzeiten, wobei Experten davon ausgehen, dass gerade der enorme wirtschaftliche Druck es firmenintern erleichtere, auch schmerzhafte Programme ohne große Widerstände durchzusetzen. Trotz aller Schwierigkeiten sehen sich 92 Prozent der Führungskräfte gut gewappnet für die nächste Krise - ein Selbstbewusstsein, dem Personalexperten eher misstrauen, da der eigentliche Prozess nachhaltiger Veränderungen für viele Firmen noch anstehe. Und außerdem: "Die nächste Krise ist immer anders."
Manager stoßen an ihre Grenzen, HB 28.5.10

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Kollegialität und attraktive Aufgaben 
Mittwoch, 2. Juni 2010 - Studien
Was bewegt Absolventen, die in Krisenzeiten auf den Arbeitsmarkt streben? Das Absolventenbarometer 2010, das von dem Beratungsunternehmen Trendence erhoben wurde, zeigt, dass der Nachwuchs durchaus skeptisch ist. Befragt wurden mehr als 21.000 Studierende der Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften, dir kurz vor dem Examen stehen. 73 Prozent der BWLer glauben, dass es ihnen gelingen wird, mit ihrem Beruf einmal den Lebensstandard ihrer Eltern zu erreichen - sieben Prozentpunkte weniger als in der Erhebung des Vorjahres. Für die angehenden Arbeitnehmer zählt bei der Jobsuche nicht zuletzt, was potenzielle Arbeitgeber ihnen im ideellen Bereich zu bieten haben. Ingenieure beispielsweise nennen an erster Stelle die Attraktivität der Arbeitsaufgaben, gefolgt von Kollegialität, persönlicher Entwicklung, Wertschätzung der Mitarbeiter und Weiterbildungsmöglichkeiten. Ähnlichen sehen dies die BWLer, wobei ihnen die Karriereperspektiven im Unternehmen wichtiger sind als Möglichkeiten zur Weiterbildung.
Was Bewerber wirklich wollen, Manager Magazin 25.5.10

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Den Kapitalismus in Frage stellen? 
Dienstag, 1. Juni 2010 - Management
Der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer reflektiert im Interview mit der Zeit über die Wirtschaftskrise und die Rolle der Banken - teilweise durchaus selbstkritisch, aber stellenweise auch aalglatt. "Ist unser angloamerikanisches Kapitalismusmodell überhaupt noch zeitgemäß? Vielleicht haben wir uns zu sehr auf Aktionärsinteressen fokussiert und dabei die Gesellschaft vergessen. Da ist etwas aus den Fugen geraten, und die Menschen spüren das", so Breuer. Einst Verfechter hoher Renditen, wird Breuer im Tonfall nun moderater: "Ich würde hohe Renditen nicht als strategisches Primärziel definieren. Die Stabilität unserer Banken ist wichtig für die Gesellschaft. Wir dürfen nicht wieder in ein Desaster geraten, in dem die Gesellschaft für den Schaden zahlt." Zum großen Banken-Desaster sagt er: "Es war alles legal. Aber deswegen war es noch nicht richtig." Andererseits geht Breuers Selbst- und Systemkritik dann doch nicht so weit, das Bankenwesen in seiner heutigen Form grundsätzlich in Frage zu stellen. So sagt er etwa auch: "Eine Bank kann kein Wasserwerk sein, wo das Geld ankommt und nur weitergeleitet wird wie Trinkwasser." Oder: "Banken müssen mehr tun, als das Geld ihrer Kunden auf Sparkonten zu verzinsen und es zu einem höheren Zins an andere zu verleihen. Manche sehen den Fehler darin, dass wir mehr Geld verleihen, als wir eigentlich haben. Aber indem wir das tun, erzeugen wir einen Wachstumsimpuls für die gesamte Wirtschaft." Unter dem Strich soll also eigentlich alles so bleiben, wie es ist.
"Wir sind der Prügelknabe", Die Zeit 20.4.10

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Zerbrechliche Karrieren 
Montag, 31. Mai 2010 - Arbeit
Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung philosophiert Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger über den Wandel von Karrierewegen in der heutigen Zeit. Vorzeichen, die vor allem Absolventen gegenwärtig zu spüren bekommen: "Die Generation 30 ist reingeraten in eine neue Phase der Ungewissheiten und Unsicherheiten. Früher stand das ungebrochene Wachstum der Wirtschaft außer Frage und damit auch die Karriere der Einzelnen. Heute zeigen die Krisen, wie zerbrechlich die wirtschaftliche Ordnung ist und wie instabil die gesellschaftliche Ordnung. Und wie persönliche Entwicklungen davon betroffen sind." Für Sattelberger sind lineare Karrieremodelle des Aufstiegs und klassische Manager-Karrieren eher Auslaufmodelle - "noch nicht ganz tot", aber irgendwie doch bereits Schnee von gestern. Der Chef-Personaler der Telekom sieht ein neues Lebensunternehmertum am Horizont, worunter er versteht, "Dass die Menschen Unternehmer ihrer eigenen Talente werden. Das hat auch ein freudiges, gestalterisches Element. Unternehmer sein, heißt Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, sich zu fragen: Was wage ich als Nächstes? Wie schärfe ich mein Profil? Wie entwickle ich meine Fähigkeiten?" Dabei wird er auch philosophisch: "Die Hochschulen müssen wieder werden, was sie mal waren, Reflexionsstätten, in denen nachgedacht wird: Was ist der richtige Weg für die Gesellschaft? Jenseits der Ökonomie, jenseits der reinen Fakten, was ist der Sinn des Ganzen? ... Berufliche und geistige Varietät, das ist viel wichtiger als glattgebügelte Lebensläufe. Das Prinzip, immer mehr vom selben, ist nicht gut für die eigene Entwicklung."
"Das Ender der klassischen Karriere ist eingeläutet", FAZ 24.5.10

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