Mitgefühlstraining stärkt Beziehungen im Job 
Donnerstag, 11. Juli 2013 - Studien
Eine amerikanische Studie illustriert, dass Menschen, die sich in der Praxis des Mitgefühls üben, nicht nur ihr persönliches Wohlbefinden verbessern, sondern auch eine bessere Beziehungsqualität in ihrem Arbeitsalltag wahrnehmen. 65 Angestellte der University of North Carolina wurden sechs Wochen lang täglich für eine Viertelstunde in der Liebende-Güte-Meditation trainiert, bei der die Praktizierenden lernen, sich selbst, aber auch anderen Menschen mehr Mitgefühl entgegenzubringen. Die Trainierenden wurden mit einer Wartegruppe verglichen, die keiner besonderen Praxis nachging. In Tagebüchern notierten alle Probanden ihre positiven und negativen Gefühle während des Projekts. Die Mitgefühlsgruppe zeigte dabei deutlich mehr Qualitäten wie Freude, Hoffnung, Dankbarkeit und Dankbarkeit und berichtete über deutlich weniger negative Gefühle. Auch gaben die meditierenden Probanden an, dass sie ihre Beziehungen zu anderen Menschen verbesserten. Eine wichtige Erkenntnis: Die positiven sozialen Wirkungen stellten sich erst ein, nachdem die Übenden eine positive Wirkung auf ihr eigenes Gefühlsleben durch das Training feststellten. Die Forscher schließen daraus, dass die Gestaltung positiver Beziehungen zuallererst auf der individuellen Ebene ansetzen müsse.
Sich gesund meditieren, Wirtschaftspsychologie aktuell 11.6.13


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Gender, Asymmetrie und Macht 
Mittwoch, 10. Juli 2013 - Wissenschaft
Nachdem durch die anhaltende Debatte über die Erhöhung des Anteils weiblicher Führungskräfte die Frage der Unterschiede zwischen den Geschlechtern wieder stärker in den öffentlichen Fokus rückt, gibt es immer mehr Wortmeldungen in der Gender-Diskussion, die zu einer differenzierteren Betrachtung mahnen. Im Gespräch mit der Zeit erklärt die Psychologin Doris Bischof-Köhler einige Ursachen für ganz grundsätzliche Asymmetrien zwischen Männern und Frauen. " Die Entstehung der heute beobachtbaren Geschlechtsunterschiede liegt etwa 400 Millionen Jahre zurück. Unsere tierischen Vorfahren gingen zum Leben an Land über. Samen und Eizellen wurden nicht mehr, wie bei Fischen, dem Meer anvertraut. Die Weibchen übernahmen die Bürde der inneren Befruchtung. Seitdem können sie erheblich weniger Nachkommen in die Welt setzen als die Männchen. Das bedingt eine permanente Konkurrenzsituation zwischen den Letzteren, und die hat einen Selektionsdruck ausgeübt, zu dem es beim weiblichen Geschlecht keine annähernd gleich starke Entsprechung gibt. Alle wesentlichen Geschlechtsunterschiede leiten sich aus dieser Asymmetrie her. Männchen, die Risiken eingehen, die Konkurrenzsituationen nicht nur ertragen, sondern Freude daran haben, die sich von Misserfolgen nicht entmutigen lassen, die Rangordnungen etablieren und unter Bildung von Seilschaften stressfrei ertragen, bis bessere Bedingungen eintreten – solche Männchen hatten größere Chancen, ihre Eigenschaften an ihre Söhne zu vererben, als die weniger robusten Konkurrenten", so Bischof-Köhler. Die Psychologin weist darauf hin, dass letztlich nicht der Unterschied von Bedeutung sei, sondern seine gesellschaftliche Bewertung: "Leider ist die Unterscheidung in der Tat durchaus nicht wertfrei. Das liegt daran, dass die permanente Konkurrenzsituation evolutionsbiologisch auch bewirkt hat, dass Männer Spezialisten in der Selbstdarstellung, im Imponierverhalten sind. Aufgrund uralter wahrnehmungspsychologischer Gesetze erzeugt Aufsehen automatisch Ansehen, Beachtung führt zu Achtung. Imponieren suggeriert Bedeutsamkeit. Ein radschlagender Pfauenhahn macht mehr her als eine tarnfarbene Pfauenhenne. Wir beobachten, dass Männer sich und ihre Tätigkeiten spektakulärer inszenieren als Frauen – man braucht nur einen Drei-Sterne-Koch mit einer Hausfrau zu vergleichen. Deshalb habe ich auch keine Sorge um die armen Männer, die jetzt um ihr Prestige bangen. Sie werden den Dämpfer überstehen." Vor diesem Hintergrund wäre der Gender-Debatte und vor allem den Bemühungen um eine Gleichstellung von Männern und Frauen wahrscheinlich mehr gedient, wenn sich die Diskussion stärker auf die gesellschaftliche Konstruktion von Werten und Bewerten konzentrieren würde als auch biologische Unterschiede ...
"Keine falschen Schlüsse ziehen", Zeit online 9.6.13


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Yoga macht das Hirn fit 
Dienstag, 9. Juli 2013 - Studien
Eine Studie der University of Illinois zeigt, dass bereits 20 Minuten Yoga-Praxis einen deutlichen positiven Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten haben. Untersucht wurde eine Gruppe von Studentinnen, die in zwei Gruppen eingeteilt entweder Yoga-Übungen mit Muskeltraining und Entspannungsphasen absolvierten oder an einem Laufprogramm teilnahmen. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass sportliche Betätigung kognitive Leistungen verbessern kann. Beide Gruppen lösten vor und nach ihren jeweiligen Übungen kognitive Aufgaben, die das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit für Fehler überprüften. Dabei zeigte sich bei der Yoga-Gruppe ein deutlich größerer Leistungsfortschritt nach dem Training als bei der Sport-Gruppe. Die Wissenschaftler führen die Unterschiede darauf zurück, dass die meditativen Übungen des Yoga insbesondere auch gegen Unruhe und Stress wirken, was der Fokussierung des Geistes zugute komme.
Yoga schärft das Hirn, Wissenschaft aktuell 7.6.13


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Mehr Gefühle für die Wirtschaft 
Montag, 8. Juli 2013 - Wissenschaft
In einem Interview mit der Zeit erklärt die Neurowissenschaftlerin Tania Singer, auf welch grundlegende Weise Empathie und Mitgefühl die Wirtschaft verändern könnten. Singer kritisiert, dass das Wirtschaftssystem vergleichsweise einseitig auf Leistung und Wettbewerb ausgerichtet sei, dabei aber ausgeblendet werde, dass Gefühle letztlich ein ebenso zentrales Moment darstellen: "Wir haben in Experimenten gezeigt, dass man tatsächlich die Motivation fürs Miteinander stärken kann. Dabei ändern sich Reaktionsweisen, Stress wird reduziert, zum Beispiel unter dem Druck des Wettbewerbs. Sie können aber auch lernen, Ihr Herz zu öffnen. Das ist für Ökonomen, so denke ich, eine besonders schwer zu schluckende Pille: Man kann so etwas wie Dankbarkeit, Liebesfähigkeit und soziale Motivation schulen, und die Menschen richten sich dann eher danach aus als an Macht und Gewinn. Letztere sind natürlich auch wichtig, es kommt nur auf die Balance an. Und die kann man ändern, auch in einem Wirtschaftssystem, das ja eigentlich ein System für Menschen von Menschen ist." Laut Singer ist die Wirtschaft gewissermaßen in einem sich selbst bestätigenden "Angstsystem" gefangen und dabei nicht berücksichtigt werde, dass sich Vertrauen, Liebe und Gemeinschaft auf fast schon selbstbestätigende Weise verbreiten und vertiefen können, wenn man nur damit beginnt. Ihre Warnung: "Angst darf kein Argument gegen die Möglichkeit sein, unser Wertesystem zu verändern." Ihre Vision: "Wir können das Gewicht von Egoismus zu mehr Altruismus verschieben. Und dies vermutlich nicht nur auf individueller, sondern auch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Allerdings geht das nicht, indem wir die gleiche Art von Wohlstandsgesellschaft aufrechterhalten wie bisher. Unsere Vorlieben müssten sich so verändern, dass wir sagen: Weniger ist mehr. Wenn ich jetzt weniger arbeite, aber mehr Zeit für echten Kontakt mit anderen habe, erledige ich auf kurze Sicht vielleicht nicht ganz so viel, aber dafür gibt es echte Begegnungen, die wiederum mehr Vertrauen und Lebenszufriedenheit nach sich ziehen."
"Wir müssen mehr fühlen", Zeit online 31.5.13


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Der Hang zum Sündenbock-System 
Freitag, 5. Juli 2013 - Studien
Wenn es um Arbeitsproduktivität geht oder besser gesagt um die Frage, welche Faktoren diese untergraben könnten, zeigt sich in der Wissenschaft etwas, das ich das "Sündenbock-System" nennen würde. Durch die Betrachtung von einzelnen Aspekten stellen Studien ein stringentes Ursache-Wirkungs-System vor, das in sich völlig plausibel wirkt, aber größere Kontexte vernachlässigt. Jüngstes Beispiel ist eine Studie der Ohio State University, die die Kosten von Zigarettenkonsum für die US-Wirtschaft untersuchte. Der Erhebung zufolge kostet ein Raucher seinen Arbeitgeber pro Jahr durchschnittlich 6.000 US-Dollar mehr als ein Nichtraucher. 3.077 Dollar fallen für den Arbeitsausfall während der Zigarettenpause an, 517 Dollar für Fehltage, 2.056 Dollar für zusätzliche Gesundheitsausgaben. Die Korrektheit dieser Daten möchte ich gar nicht anzweifeln, wohl aber einen weiteren Kontext herstellen. Studien wie diese fokussieren einseitig auf genau einen Aspekt - und leben davon, andere Aspekte explizit auszuschließen. Natürlich ist Rauchen unnötig, ein Gesundheitsrisiko und damit gefährlich. Im Hinblick auf Effizienz am Arbeitsplatz greift es jedoch sehr kurz, alleine Raucher ins Visier zu nehmen - die ohnehin eine Minderheit darstellen. Gerade die Bezugnahme auf Minderheiten leistet der Konstruktion von Sündenböcken jedoch Vorschub, weil sie auf breiter Basis zustimmungsfähig ist. Was aber ist zum Beispiel mit den Mitarbeitern, die nicht-rauchend ständig beim Plausch in der Kaffeeküche hängen bleiben? Was mit denen, die während der Arbeitszeit Privattelefonate führen, sich mit Computerspielen die Zeit vertreiben, ihre Online-Bestellungen aufgeben oder jede halbe Stunde zur Toilette flitzen? Oder mit all den schlecht geplanten Meetings, die oft nur ein Ergebnis haben - gemeinsam verschwendete Zeit? Würden Firmen alle Zeitvernichter einfach entlassen, bliebe wohl kaum noch jemand zum Arbeiten übrig ... Wie gesagt, es geht nicht darum zu leugnen, dass es im Business mehr oder weniger produktive Mitarbeiter gibt und die Effizienz hemmende Faktoren und Praktiken, sondern darum zu erkennen, dass einseitige Sündenbock-Theorien kaum Lösungspotential haben.
Die Rechnung für den Raucher: 4600 Euro pro Jahr, HB 4.6.13



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Sollten im Beruf Gefühle wohldosiert sein? 
Donnerstag, 4. Juli 2013 - Arbeit
In einem Interview mit dem Psychologen Gerhard Blickle geht die Zeit der Frage nach, welchen Stellenwert Emotionen im Berufsleben haben. "Gefühlsausbrüche sind Selbstentblößungen. Sie machen einen angreifbar und verletzlich. Wer starke Emotionen zeigt, wirkt schnell überfordert – als würde er durch die Situation beherrscht, anstatt sie zu beherrschen. Souveränität ist im Berufsleben aber ein wichtiger Wert. Man erwartet von Menschen, dass sie sich selbst steuern können. Besonders von Fach- und Führungskräften wünscht man sich Berechenbarkeit, Verlässlichkeit und Klugheit. Sinnvoll ist eine freundlich distanzierte Haltung. Das Innerste, das, was einen tief drinnen bewegt, geht keinen etwas an", so Blickles Annahme. Diese Distanz zum eigenen Gefühlsleben bedeutet jedoch nicht, dass Emotionen keine Rolle spielen oder gar verdrängt werden sollten. Blickle geht davon aus, dass eine Form der situativen Angemessenheit eine Balance zwischen innerem Antrieb und äußerem Ausdruck herstellen kann: "Einmal geht es um die grundlegende Motivation: Warum mache ich, was ich tue? Dafür spielen Emotionen, also etwa die Hoffnung auf Erfolg und die Furcht vor Misserfolg, eine große Rolle. Sie sind ein Antrieb. Die andere Frage aber ist: Wie mache ich das? Bei der Ausführung ist es gut, einen kühlen Kopf zu behalten. Dafür braucht man die Fähigkeit, seine Emotionen zu regulieren."
"Das Innerste geht keinen etwas an", Zeit online 2.6.13


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Was mache ich mit meinem Leben? 
Mittwoch, 3. Juli 2013 - Studien
Trotz Wirtschaftskrise und unsicherer Lebensperspektiven blickt die junge Generation in Deutschland vergleichsweise zuversichtlich in ihre Zukunft. Eine Mehrheit setzt auf Sinn und glaubt nicht an das große Geld. Basis dieser Erkenntnisse ist die Studie "Telefonica Global Millenial", für die 12.000 junge Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren in 27 Ländern befragt wurden. 48 Prozent der deutschen Befragten betrachten als vordergründig die Frage "Was mache ich mit meinem Leben". 44 Prozent sorgen sich um ihre finanzielle Situation. Diese subtilen Ängste führen anscheinend jedoch nicht dazu, dass die jungen Menschen explizit nach Materiellem streben, denn nur vier Prozent geben als Ziel an, reich werden zu wollen. Für 84 Prozent hingegen ist Glück das große Lebensziel. Zwar schwingt bei dieser Einschätzung sicherlich eine gute Portion Selbstbezogenheit mit, doch setzt die junge Generation durchaus eigene Akzente. So würden drei Viertel der Befragten es für einen Job, den sie lieben, in Kauf nehmen, wenig Geld zu verdienen, während nur ein Viertel zugunsten eines hohen Verdienstes auch einen Job annehmen würde, der gehasst wird. Rund ein Viertel der Jungen ist sehr zufrieden mit dem eigenen Leben, 61 Prozent sind ziemlich zufrieden. Lediglich 14 Prozent bekunden Unzufriedenheit.
Junge Europäer treibt die Sorge um die Zukunft um, Welt 4.6.13


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Kultur der Anerkennung statt Quote 
Dienstag, 2. Juli 2013 - Management
Die ehemalige Eon-Personalchefin Regine Stachelhaus plädiert in einem Interview mit dem Handelsblatt gegen eine Frauenquote für Führungspositionen, da dadurch nicht nur ernsthafte Spannungen in Firmen entstehen würden, sondern auch erfolgreiche Frauen allzu leicht unter einen generellen Quotenverdacht gestellt würden. Stachelhaus schwebt eher eine "organische" Lösung vor, um Frauen stärker im Management zu etablieren. Damit dies möglich werde, sollten laut Stachelhaus einerseits äußere Rahmenbedingungen wie beispielsweise eine bessere Kinderbetreuung geschaffen werden. Und andererseits brauche es einen grundsätzlichen Kulturwandel. Es führe nicht weiter, wenn Frauen einfach an männlichen Rollenmodellen gemessen werden. Besser sei es, "eine Umgebung (zu) schaffen, in der sie anerkannt sind und sich wohlfühlen".
Eon-Personalchefin lehnt Frauenquote ab, HB 31.5.13


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