Meditation als Weg aus negativen Gefühlen 
Mittwoch, 18. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Meditieren hilft nicht nur dabei, den eigenen Stresslevel zu senken. Bei Praktizierenden verkleinert sich auch das mit negativen Emotionen verbundene Gehirnareal. Zu diesem Ergebnis kommt eine niederländische Studie mit insgesamt 4.000 Teilnehmenden. Viele der Studienteilnehmer waren sich ihres Stresses bewusst und hatten deshalb angefangen zu meditieren. Und nach eigenen Aussagen halfen ihnen das Meditieren oder auch Yoga dabei, mit diesen Herausforderungen besser umzugehen. Die Forscher möchten trotz großer Stichprobe ihre Ergebnisse nicht unbedingt verallgemeinern, denn die Teilnehmenden waren vor allem in der Altersgruppe über 45 Jahre angesiedelt, einem Alter, in dem die Plastizität des Gehirns bereits vermindert ist, so dass die Studienergebnisse zum Beispiel keine Rückschlüsse auf Wirkungen bei jüngeren Personen erlauben.
Yoga und Meditation verkleinern Gehirnareal für negative Emotionen, Fit for Fun 6.9.19

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Bischöfe warnen vor Meditation 
Dienstag, 17. September 2019 - Bewusstsein
Der wachsende Meditationstrends scheint für die Kirche langsam zu einem Problem zu werden. Die Spanische Bischofskonferenz versucht nun mit einem Papier, das spirituelle Territorium der Kirche zu behaupten und grenzt sich deutlich ab von Perspektiven, "die die unkritische Rezeption von Gebets- und Meditationsmethoden begünstigen konnten, welche dem christlichen Glauben fremd sind". So schreiben die Bischöfe: "Der Relativismus, der die Mentalität unserer Welt kennzeichnet, bewegt sich somit in den Bereich des Religiösen, so dass sich keine Religion mit einem Wahrheitsanspruch präsentieren kann. Alle Religionen werden objektiv als mögliche Wege der Offenbarung und Erlösung gleichgesetzt. Diese Mentalität entleert den christlichen Glauben an den Inhalt und hat direkte Konsequenzen für einige grundlegende Aspekte des kirchlichen Lebens. Nicht nur in der Spiritualität. Betrachten Sie zum Beispiel die Gefahr, die dies für die Missionstätigkeit mit sich bringt und die unnötig werden würde, wenn Christus nicht der Offenbarer des Vaters und der einzige und universelle Retter wäre." Die unmittelbare Einsicht in das, was uns übersteigt, wie sie schon Meister Eckhart ansprach, scheint bis heute nicht im Interesse der Kirche zu liegen. Deutlicher kann man Versuche der Besitzstandswahrung jedenfalls kaum ausdrücken.
Spanische Bischofskonferenz warnt vor Zen-Meditation, kath.net 6.9.19

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Die Finanzen flach halten, um früh in Rente zu gehen 
Montag, 16. September 2019 - Lebensart, Arbeit
Ein Trend, der in Amerika schon seit Jahren köchelt, scheint nun auch Deutschland zu erreichen. Immer mehr - meist gut verdienende Menschen - basteln an Ausstiegsszenarien aus dem Erwerbsleben. Ein Weg dorthin: den eigenen Lebensstandard minimalisieren, möglichst wenig ausgeben, viel sparen und dann schon in jungen Jahren von den Kapitalerträgen leben. Die Zeit portraitiert in einem Artikel einige dieser neuen Frugalisten. Sie kochen selbst, statt auswärts zu essen. Sie leben in kleinen Wohnungen, kaufen wenig und kümmern sich stattdessen um ihre Geldanlagen. Ihr spartanischer Lebensstil hat neben dem Sparen einiges für sich, denn sie klinken sich aus der Konsummaschinerie aus, was auch den Geist freier werden lässt. Ein revolutionäres Projekt ist dieses Aussteigertum jedoch nicht, denn qua Konstruktion landet dieser Lebensstil direkt im Herzen des Kapitalismus. Die Rechnung der neuen Spartaner geht nämlich nur auf, solange die Finanzmärkte mitspielen. Mehr zum Thema findet sich auch in der aktuellen Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur zum Thema Geld, in der ich das Thema aufgegriffen habe.
Knausern für die Rente mit 40, zeit.de 6.9.19

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Weniger Ängste, doch der Pegel bleibt hoch 
Freitag, 13. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Die R+V Versicherung erhebt regelmäßig eine Art Angstbarometer und betrachtet, welche Sorgen die Deutschen haben. Die gute Nachricht in diesem Jahr: Der Angst-Index ist gegenüber dem Vorjahr von 47 auf 39 Prozent gesunken. So viel Gelassenheit wurde seit 25 Jahren nicht mehr gemessen. Doch die Ängste, die die Bevölkerung umtreiben, haben es nach wie vor in sich. Mehr als 50 Prozent sorgen sich, dass die Flüchtlinge die Möglichkeiten des Staates überfordern und fürchten Spannungen durch den Zuzug von Ausländern. Auch die weltweiten Gefährdungspotentiale durch die Politik des US-Präsidenten wirken auf eine Mehrheit bedrohlich. 47 Prozent sprechen von einer Überforderung der Politiker, die ihnen genauso viel Angst macht wie ein erstarkender politischer Extremismus. Immer unbezahlbarer werdende Mieten, die Angst, einmal ein Pflegefall zu werden, steigende Lebenshaltungskosten und die Folgen der Schuldenkrise drücken jeweils über 40 Prozent der Bevölkerung. Da klingt die Zuversicht, die die Meldung über die insgesamt gelöstere Stimmung der Deutschen zu verbreiten sucht, fast schon zynisch ...
Eine Entwicklung beunruhigt die zuversichtlichen Deutschen, welt.de 5.9.19

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Wenn Erholung zur Arbeit wird 
Donnerstag, 12. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit, Management
Mit Achtsamkeitsprogrammen den Mitarbeitern beim Regenerieren helfen, das wird in immer mehr Unternehmen zur Strategie, zumal sich seit Jahren statistisch betrachtet die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen erhöhen. Die Soziologin Greta Wagner betrachtet solche Ansätze eher kritisch. In einem Interview mit der Zeit etwa sagt sie: "Diese Strategien sind ambivalent, weil sie den Angestellten sehr viel Eigenverantwortung dafür übertragen, einen individuellen Umgang mit organisational verursachten Problemen zu finden. Oftmals würde die Einstellung von mehr Personal den Stress effektiver mindern, aber zu höheren Kosten. Mit mindfulness trainings lernen die Arbeitenden, Stress durch Termindruck und internationale Konkurrenz selbst auszugleichen, indem sie an ihrer eigenen psychischen Belastbarkeit arbeiten. Dieses kulturelle Muster findet sich eben in vielen Bereichen der Gegenwartsgesellschaft: Wer trotz Achtsamkeitstraining noch gestresst ist, ist selbst schuld." Sie beschreibt die Komplexität kulturellen Wandels, der immer mehr Menschen zusetzt: "Die Ansprüche an die Flexibilität der Menschen haben sich gewandelt, das zeigt sich zum Beispiel in viel brüchigeren Berufsbiographien. Auch die Digitalisierung verursacht neue Anpassungsprobleme. Insbesondere mehrere Arbeiten gleichzeitig erledigen zu müssen und die Verdichtung der Arbeitszeit werden als Stressoren erlebt. In den Unternehmen haben sich Organisationsformen entwickelt, die sich durch flachere Hierarchien, flexiblere Arbeitszeiten und mehr Eigenverantwortung auszeichnen und in der das kreative Potential der Beschäftigten viel stärker gefragt ist." Wo alles sich ständig ändere, seien persönliche Resilienzbemühungen natürlich insbesondere seitens der Unternehmen sehr gefragt. "Vor diesem Hintergrund erscheint die innere Einstellung, die alles mit Gelassenheit annimmt, für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer attraktiv. Die Frage, wie man Arbeit so gestalten kann, dass sie Gefühle von Überforderung erst gar nicht kreiert, gerät dabei aus dem Fokus. Die Verantwortung liegt also wieder im individuellen Handeln und nicht in der Organisationsstruktur. Dieses kulturelle Muster findet sich in allen Lebensbereichen wieder", so Wagner. Ich würde mir wünschen, in den Medien häufiger solche Metabetrachtungen zu finden, die die größeren Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in den Blick nehmen. Achtsamkeit ist gut und wichtig, aber als dauerhafter Kompensationsmechanismus für die Schieflagen größerer gesellschaftlicher Zusammenhänge ist sie schlicht nicht hinreichend.
Wann ist Erholung eigentlich Arbeit geworden?, Zeit.de 4.9.19


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Wider die humane Selbstabwertung 
Mittwoch, 11. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart
"Vertraue auf die natürliche Intelligenz", postuliert der Zukunftsforscher Matthias Horx mit seinem neuen Buch. Ein Teil des Buches widmet sich der Euphorie im Hinblick auf künstliche Intelligenz ebenso wie der parallel dazu um sich greifenden Panik. Horx' Diagnose ist nicht sonderlich tiefschürfend, wohl aber kulturell treffend: "Eine der quälenden Selbstwahrnehmungen des Menschen besteht darin, sich selbst als schrecklich UNGEORDNET zu empfinden. Menschliche Existenz ist »messy«, ein einziges Chaos widerstreitender Gefühle, Instinkte, einfacher physiologische Empfindungen wie Hunger, Geilheit, Gier, Erschöpfung, die vielen Töne der Angst, Sehnsucht, Liebe und Wahn. Dieses chaotische Durcheinander quält uns, es vermittelt die Selbstwahrnehmung, irgendwie »kaputt« zu sein." Technik wird in diesem Kontext dann entweder zum Heilsbringer oder zum Dämon, der alles nur noch schlimmer werden lässt. Horx warnt davor, durch immer neue technische Vorstöße das Falsche im Leben immer weiter zu perfektionieren. Und rät, wir sollten uns wieder mehr auf unsere natürliche Intelligenz besinnen. Ist interessant, sich einmal zu fragen, wer wir wirklich sind, jenseits unserer Facebook-Blase, den ständigen Konsumvorschlägen, die die Algorithmen uns machen, und all der leblosen Virtualisierung, in der wir große Teile unserer Tage verbringen. Wir müssten uns nur trauen, mal wieder genauer hinzuschauen ... Geht, versprochen, völlig analog ...
Vertraue auf die natürliche Intelligenz

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Unternehmenswelt auf Kuschelkurs? 
Dienstag, 10. September 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
"Vorsicht vor dem Kuschelkapitalismus", warnte kürzlich die Zeit, nachdem 181 Firmenchefs, die dem Business Roundtable, einer starken Lobbygruppe von US-Großkonzernen, angehören, öffentlich gemacht hatten, künftig nicht mehr allein dem Shareholder-Value-Denken folgen zu wollen, sondern ihr Augenmerk auch auf das Wohlergehen von Mitarbeitern, Kunden und dem Gemeinwesen zu legen. Allein, dass ein solches Statement zur Nachricht wird, zeigt schon, in welcher Welt wir tatsächlich leben. Konkurrenz und Gier sind eben die vorherrschenden Modi der Unternehmenswelt. Da lässt es aufhorschen, wenn die, die Milliarden bewegen und verdienen, auf einmal vorgeben, künftig nett sein zu wollen. "Während jedes Unternehmen seinen individuellen Unternehmenszweck erfüllt, teilen wir alle eine grundsätzliche Verantwortung gegenüber allen unseren Interessengruppen. Wir verpflichten uns, für sie alle wertschöpfend zu handeln, um dem künftigen Erfolg unserer Unternehmen, unseres Gemeinwesens und unseres Landes zu dienen", behauptet das Manifest der Unternehmer. Man darf gespannt sein, ob daraus etwas wird - oder ob das Ganze nur ein kleiner Sommerloch-Hype war. Eine nicht unwesentliche Frage dürfte ja auch sein, wer mit "unsere Interessengruppen" wirklich gemeint ist. Sicherlich nicht jene Menschen, die bisher unter den Geschäftspraktiken dieser Business-Giganten leiden.
Vorsicht vor dem Kuschelkapitalismus, Ziet 27.8.19

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Die Privatisierungsfalle der Achtsamkeit 
Montag, 9. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Achtsamkeit ist womöglich auch so populär geworden, weil sie unser Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken kann. Zu viel Stress? Ein nerviger Job? Rundum überfordert? All das, so zumindest das vielfache Versprechen, lässt sich mit Achtsamkeit in den Griff bekommen. Der Tagesspiegel geht in einem Beitrag der Frage nach, inwieweit ein solch individuelles Gegenwirken bei Herausforderungen, die gerade nicht allein dem persönlichen Verhalten oder gar Zugriff geschuldet sind, nicht auch zur Falle werden kann. Wer ganz damit beschäftigt ist, gegen das eigene Unwohlsein mit Meditation vorzugehen, vergesse leicht, dass die Ursachen oft in größeren Kontexten liegen, auf die man selbst wenig Einfluss hat. Das wird Achtsamkeit leicht zu ein bisschen Kompensation, ohne dass das eigentliche Problem gelöst wird. Gesellschaftliche Schieflagen können sich so verfestigen. Und statt die steigenden kollektiven Herausforderungen endlich in Angriff zu nehmen, verliert man sich leicht im Rückzug ins Private. Dann wird das Ich zur permanenten work-in-progress und verfestigt die ohnehin schon kulturell stark ausgeprägte Ich-Fixiertheit. All das ist natürlich nicht die Schuld von Achtsamkeit. Diese möglichen Gefahren zeigen eher, was geschieht, wenn eine überindividualisierte und entsolidarisierte Gesellschaft neue Tools schmackhaft gemacht bekommt, die diese Zustände verfestigen. Achtsamkeit als wirkliches Loslassen vermag auch Türen zu öffnen - im Geist wie im Herzen. Und dann wird man vielleicht wach für das, was wirklich getan werden sollte.
Die gefährlichen Folgen der Achtsamkeitslehre, Tagesspiegel 19.8.19

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