Waldgeräusche entstressen 
Montag, 23. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Im Kampf gegen den Stress scheint heutzutage wirklich jedes Mittel recht zu sein. So wirkt zumindest eine Studie des britischen National Trust auf mich. 600 Probanden wurden Aufnahmen von Waldgeräuschen, einer angeleiteten Meditation oder reiner Stille ausgesetzt und die Wissenschaftler befragten sie anschließend zu ihrem Stressempfinden. Bei den Teilnehmenden, die das Rascheln von Blättern und Vogelgezwitscher gehört hatten, sank der wahrgenommene Stresslevel um 30 Prozent und sie berichteten auch, sich weniger sorgenvoll zu fühlen. Die Meditation war im Hinblick auf die Stressreduzierung sogar noch etwas wirksamer. Sicher, es ist toll, solch einfache Mittel zur Verfügung zu haben, um sich nicht im Stress zu verlieren. Ich frage mich allerdings schon, ob es längerfristig auch seelisch gesund ist, im Notfall einfach zu einer Audiokonserve zu greifen, um sich in ein paar Minuten wieder runterzufahren. Naturerleben wirkt in so vielen Dimensionen, dass es durchaus hilfreich sein kann, wirklich mal rauszugehen. Auch die Tatsache, dass das Meditieren sich in der Studie als noch "wirksamer" erwiesen hat, tröstet mich da nur bedingt, zumindest wenn es unter schlicht funktionalistischen Gesichtspunkten angepriesen und praktiziert wird. Meditation ist oder kann zumindest auch eine Lebenseinstellung sein - und zwar eine, die auch außerhalb der Zeiten, in denen man formell meditiert, wirkt. Weil man dadurch einen anderen Blick auf das und einen anderen Stand im Leben kultiviert.
Waldgeräusche entspannender als Meditieren, Deutschlandfunk 13.9.19

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Balance individualisiert Meditationen 
Freitag, 20. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Und wieder eine neue App für mehr Achtsamkeit - Balance ist ein neues Tool, das den Nutzern Meditationen präsentiert, die an ihre persönlichen Vorlieben angepasst sind. Dazu müssen sie zunächst einen Fragebogen beantworten und erhalten dann von der App entsprechende Übungsvorschläge. Balance wirbt mit dem Slogan "Meditation, die sich dir anpasst". Bei Meditierenden, die eher die spirituelle Natur der Übung im Sinn haben, mag dies zu Stirnrunzeln führen, denn für viele ist das Meditieren ja eher ein Weg, sich mal von all den Wünschen und Bedürfnissen des eigenen Ichs ein wenig zu emanzipieren. Andererseits: Wer das Meditieren mit Übungen beginnt, zu denen er qua seiner Vorlieben einen leichteren Zugang findet, bleibt vielleicht auch am Ball und wird irgendwann unabhängiger davon, nur die eigenen Bedürfnisse befriedigen zu wollen. Und besser als Ballerspiele ist Balance allemal.
Balance: Diese App liefert Dir personalisierte Meditationen, Turn on


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Die dunklen Kontexte von Meditation 
Donnerstag, 19. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Happy, tiefenentspannt und frohen Mutes - Meditation scheint all dies zu versprechen. Wo Achtsamkeit immer mehr zum positiven Lebensstil wird, geraten die dunkleren Seiten leicht aus dem Blick. Das Philosophie Magazin hat in einem ausführlichen Beitrag einen näheren Blick auf die Schattenseiten geworfen. Manches mag vielleicht ein wenig zu düster beschrieben sein, bedenkenswert ist es allemal. So schreibt Nils Markwardt etwa: "Gelassenheitskonzepte, wie sie sich im Stoizismus und Buddhismus offenbaren, sind oft mit einem geradezu soldatischen Tugendkatalog verbunden, der Seelenruhe schnell in Kaltblütigkeit verwandeln kann: Opfer- und Leidensbereitschaft, Emotionslosigkeit, Ich-Verzicht, Disziplin und Gehorsam." Da ist einiges dran, wenngleich hier auch manches Aufbegehren eines Egos, das sich nicht gern zügeln lässt, mitschwingen mag. In traditionellen asiatischen Klöstern sind bis heute bisweilen sehr ruppige Lehrmethoden nicht unüblich. Aber Disziplin oder auch Respekt sind vielleicht auch Tugenden, die uns heute aufgrund einer immer stärkeren Individualisierung wie eine Einschränkung vorkommen. Der Begriff Emotionslosigkeit greift, zumindest wenn es um den Buddhismus geht, wohl eher etwas daneben (und erinnert an die Vulkanier aus Star Trek), denn gerade in der buddhistischen Literatur findet man viel darüber, wie Meditation dazu beiträgt, all den Emotionen, die uns heimsuchen, bewusst standzuhalten. Das ist ein Unterschied. Der Artikel geht auch auf die völkische Vereinnahmung des Zen ein: "Verstanden viele NS-Ideologen den Buddhismus also als eine Art spirituelles Instrument zur Erzeugung kriegerischer Resilienz, als geistiges Immunsystem für die Nebeneffekte soldatischer Selbstmobilisierung, so ist das einerseits natürlich eine verkürzte und faschistisch entstellte Lesart buddhistischer Weisheitslehren und Gelassenheitspraktiken. Andererseits rekurriert sie aber eben auf einen problematischen Kern, der im Gelassenheitsdenken selbst angelegt ist: das tendenziell autoritäre Zusammenspiel von Leidenschaftslosigkeit, Disziplin und Willensphilosophie." Eine Frage ist vielleicht, um welche Autorität es hier geht. Denn Meditation öffnet nicht zuletzt auch für eine Freiheit jenseits der Bedingtheiten, zu denen auch Autoritäten zählen. Lässt Wachheit sich vereinnahmen? Ich finde es gut, dass in letzter Zeit mehr Artikel über kritische Aspekte von Meditation und Achtsamkeit erscheinen. Manchmal würde ich mir allerdings wünschen, dass die Kritiker nicht nur philosophisch klug argumentieren, sondern auch der Erfahrungsdimension mehr Beachtung schenken. Denn hier gerade entfaltet sich die Vereinnahmung, die gerne kritisiert wird, doch ist hier auch das Tor zur Freiheit darüber hinaus.
Soldaten des Gleichmuts, Philosophie Magazin

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Meditation als Weg aus negativen Gefühlen 
Mittwoch, 18. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Meditieren hilft nicht nur dabei, den eigenen Stresslevel zu senken. Bei Praktizierenden verkleinert sich auch das mit negativen Emotionen verbundene Gehirnareal. Zu diesem Ergebnis kommt eine niederländische Studie mit insgesamt 4.000 Teilnehmenden. Viele der Studienteilnehmer waren sich ihres Stresses bewusst und hatten deshalb angefangen zu meditieren. Und nach eigenen Aussagen halfen ihnen das Meditieren oder auch Yoga dabei, mit diesen Herausforderungen besser umzugehen. Die Forscher möchten trotz großer Stichprobe ihre Ergebnisse nicht unbedingt verallgemeinern, denn die Teilnehmenden waren vor allem in der Altersgruppe über 45 Jahre angesiedelt, einem Alter, in dem die Plastizität des Gehirns bereits vermindert ist, so dass die Studienergebnisse zum Beispiel keine Rückschlüsse auf Wirkungen bei jüngeren Personen erlauben.
Yoga und Meditation verkleinern Gehirnareal für negative Emotionen, Fit for Fun 6.9.19

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Bischöfe warnen vor Meditation 
Dienstag, 17. September 2019 - Bewusstsein
Der wachsende Meditationstrends scheint für die Kirche langsam zu einem Problem zu werden. Die Spanische Bischofskonferenz versucht nun mit einem Papier, das spirituelle Territorium der Kirche zu behaupten und grenzt sich deutlich ab von Perspektiven, "die die unkritische Rezeption von Gebets- und Meditationsmethoden begünstigen konnten, welche dem christlichen Glauben fremd sind". So schreiben die Bischöfe: "Der Relativismus, der die Mentalität unserer Welt kennzeichnet, bewegt sich somit in den Bereich des Religiösen, so dass sich keine Religion mit einem Wahrheitsanspruch präsentieren kann. Alle Religionen werden objektiv als mögliche Wege der Offenbarung und Erlösung gleichgesetzt. Diese Mentalität entleert den christlichen Glauben an den Inhalt und hat direkte Konsequenzen für einige grundlegende Aspekte des kirchlichen Lebens. Nicht nur in der Spiritualität. Betrachten Sie zum Beispiel die Gefahr, die dies für die Missionstätigkeit mit sich bringt und die unnötig werden würde, wenn Christus nicht der Offenbarer des Vaters und der einzige und universelle Retter wäre." Die unmittelbare Einsicht in das, was uns übersteigt, wie sie schon Meister Eckhart ansprach, scheint bis heute nicht im Interesse der Kirche zu liegen. Deutlicher kann man Versuche der Besitzstandswahrung jedenfalls kaum ausdrücken.
Spanische Bischofskonferenz warnt vor Zen-Meditation, kath.net 6.9.19

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Die Finanzen flach halten, um früh in Rente zu gehen 
Montag, 16. September 2019 - Lebensart, Arbeit
Ein Trend, der in Amerika schon seit Jahren köchelt, scheint nun auch Deutschland zu erreichen. Immer mehr - meist gut verdienende Menschen - basteln an Ausstiegsszenarien aus dem Erwerbsleben. Ein Weg dorthin: den eigenen Lebensstandard minimalisieren, möglichst wenig ausgeben, viel sparen und dann schon in jungen Jahren von den Kapitalerträgen leben. Die Zeit portraitiert in einem Artikel einige dieser neuen Frugalisten. Sie kochen selbst, statt auswärts zu essen. Sie leben in kleinen Wohnungen, kaufen wenig und kümmern sich stattdessen um ihre Geldanlagen. Ihr spartanischer Lebensstil hat neben dem Sparen einiges für sich, denn sie klinken sich aus der Konsummaschinerie aus, was auch den Geist freier werden lässt. Ein revolutionäres Projekt ist dieses Aussteigertum jedoch nicht, denn qua Konstruktion landet dieser Lebensstil direkt im Herzen des Kapitalismus. Die Rechnung der neuen Spartaner geht nämlich nur auf, solange die Finanzmärkte mitspielen. Mehr zum Thema findet sich auch in der aktuellen Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur zum Thema Geld, in der ich das Thema aufgegriffen habe.
Knausern für die Rente mit 40, zeit.de 6.9.19

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Weniger Ängste, doch der Pegel bleibt hoch 
Freitag, 13. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Die R+V Versicherung erhebt regelmäßig eine Art Angstbarometer und betrachtet, welche Sorgen die Deutschen haben. Die gute Nachricht in diesem Jahr: Der Angst-Index ist gegenüber dem Vorjahr von 47 auf 39 Prozent gesunken. So viel Gelassenheit wurde seit 25 Jahren nicht mehr gemessen. Doch die Ängste, die die Bevölkerung umtreiben, haben es nach wie vor in sich. Mehr als 50 Prozent sorgen sich, dass die Flüchtlinge die Möglichkeiten des Staates überfordern und fürchten Spannungen durch den Zuzug von Ausländern. Auch die weltweiten Gefährdungspotentiale durch die Politik des US-Präsidenten wirken auf eine Mehrheit bedrohlich. 47 Prozent sprechen von einer Überforderung der Politiker, die ihnen genauso viel Angst macht wie ein erstarkender politischer Extremismus. Immer unbezahlbarer werdende Mieten, die Angst, einmal ein Pflegefall zu werden, steigende Lebenshaltungskosten und die Folgen der Schuldenkrise drücken jeweils über 40 Prozent der Bevölkerung. Da klingt die Zuversicht, die die Meldung über die insgesamt gelöstere Stimmung der Deutschen zu verbreiten sucht, fast schon zynisch ...
Eine Entwicklung beunruhigt die zuversichtlichen Deutschen, welt.de 5.9.19

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Wenn Erholung zur Arbeit wird 
Donnerstag, 12. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit, Management
Mit Achtsamkeitsprogrammen den Mitarbeitern beim Regenerieren helfen, das wird in immer mehr Unternehmen zur Strategie, zumal sich seit Jahren statistisch betrachtet die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen erhöhen. Die Soziologin Greta Wagner betrachtet solche Ansätze eher kritisch. In einem Interview mit der Zeit etwa sagt sie: "Diese Strategien sind ambivalent, weil sie den Angestellten sehr viel Eigenverantwortung dafür übertragen, einen individuellen Umgang mit organisational verursachten Problemen zu finden. Oftmals würde die Einstellung von mehr Personal den Stress effektiver mindern, aber zu höheren Kosten. Mit mindfulness trainings lernen die Arbeitenden, Stress durch Termindruck und internationale Konkurrenz selbst auszugleichen, indem sie an ihrer eigenen psychischen Belastbarkeit arbeiten. Dieses kulturelle Muster findet sich eben in vielen Bereichen der Gegenwartsgesellschaft: Wer trotz Achtsamkeitstraining noch gestresst ist, ist selbst schuld." Sie beschreibt die Komplexität kulturellen Wandels, der immer mehr Menschen zusetzt: "Die Ansprüche an die Flexibilität der Menschen haben sich gewandelt, das zeigt sich zum Beispiel in viel brüchigeren Berufsbiographien. Auch die Digitalisierung verursacht neue Anpassungsprobleme. Insbesondere mehrere Arbeiten gleichzeitig erledigen zu müssen und die Verdichtung der Arbeitszeit werden als Stressoren erlebt. In den Unternehmen haben sich Organisationsformen entwickelt, die sich durch flachere Hierarchien, flexiblere Arbeitszeiten und mehr Eigenverantwortung auszeichnen und in der das kreative Potential der Beschäftigten viel stärker gefragt ist." Wo alles sich ständig ändere, seien persönliche Resilienzbemühungen natürlich insbesondere seitens der Unternehmen sehr gefragt. "Vor diesem Hintergrund erscheint die innere Einstellung, die alles mit Gelassenheit annimmt, für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer attraktiv. Die Frage, wie man Arbeit so gestalten kann, dass sie Gefühle von Überforderung erst gar nicht kreiert, gerät dabei aus dem Fokus. Die Verantwortung liegt also wieder im individuellen Handeln und nicht in der Organisationsstruktur. Dieses kulturelle Muster findet sich in allen Lebensbereichen wieder", so Wagner. Ich würde mir wünschen, in den Medien häufiger solche Metabetrachtungen zu finden, die die größeren Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in den Blick nehmen. Achtsamkeit ist gut und wichtig, aber als dauerhafter Kompensationsmechanismus für die Schieflagen größerer gesellschaftlicher Zusammenhänge ist sie schlicht nicht hinreichend.
Wann ist Erholung eigentlich Arbeit geworden?, Zeit.de 4.9.19


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