Abzocken funktioniert nicht, "nett sein" schon 
Mittwoch, 7. Oktober 2009 - Success Stories
Zwar nicht aktuell, aber inhaltlich immer noch frisch: Die Wirtschaftswoche hat im August mit dem neuen DM-Chef Erich Harsch ein Interview geführt über die unternehmerischen Strategien der Drogeriekette. Anlass war ein weiterer Bericht der WiWo über die katastrophale Geschäftsentwicklung des Konkurrenten Schlecker, der mit Umsatzrückgängen von 20 Prozent zu kämpfen hat. Untersuchungen zeigen: Das Billig-Image, das Schlecker sich gibt, täuscht viele Verbraucher, denn preislich sind DM und andere Wettbewerber deutlich preiswerter in ihrem Angebot. Die Kunden haben es nun anscheinend gemerkt und kaufen nun vielleicht eher beim anthroposophisch-freundlichen DM ein. Alleine im Frühjahr verbuchte DM Zuwachsraten von zehn Prozent. Für die Wirtschaftswoche ist DM ein kaum begreifbares Phänomen, wie folgende Frage illustriert: "Wie kann sich dm den Mix aus niedrigen Preisen, vergleichsweise guter Produktqualität und recht humanem Umgang mit den Mitarbeitern leisten und dabei trotzdem noch etwas verdienen?" Für Erich Harsch, der Firmengründer Götz Werner an der Unternehmensspitze nachfolgte, ist die Erklärung leicht: "Es besteht kein Widerspruch zwischen diesen Punkten. Gerade weil wir unsere Mitarbeiter fair behandeln, herrscht eine Atmosphäre in den Geschäften, die dazu führt, dass auch mehr Kunden bei uns einkaufen. Damit können wir wiederum höhere Warenmengen zu besseren Konditionen bestellen und distribuieren. Das führt zu einer extrem hohen Produktivität unserer Standorte. Bei den Durchschnittsumsätzen pro Filiale sind wir top. Bei Drogerieprodukten setzt eine normale dm-Filiale 15 Mal mehr um als ein Standard-Schlecker." So viel zum wirtschaftlichen Teil. Doch Harsch verdeutlicht auch, welche Philosophie und welche Werte zum Erfolgskurs von DM führen:"Mir sind Unternehmen suspekt, die Umsatzrenditen von zehn Prozent und mehr erwirtschaften. Bei solchen Firmen steht offensichtlich der Eigennutzen und nicht der des Kunden im Vordergrund. Wir vertrauen einfach darauf, dass unser Eigennutzen als Folge des Kundennutzens nicht zu kurz kommt." Die Rechnung scheint aufzugehen ...
"Es ist viel unbequemer", WiWo 8.8.2009
Schlecker: Drastische Umsatzverluste und drohender Streik, Wiwo 8.8.2009

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Eine einfache Erfolgsformel für Kreativität gibt es nicht 
Dienstag, 6. Oktober 2009 - Wissenschaft
Das Magazin Bild der Wissenschaft geht in einem Beitrag der Frage nach, wie Kreativität entsteht, und hat dabei einen Blick auf die verschiedenen Einflussbereiche geworfen, die guten Ideen förderlich sind. Dabei zeigt sich: Es braucht eine ganze Reihe von Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit Geistesblitze entstehen und vor allem ihr Veränderungspotenzial entfalten. Die wichtigsten Erkenntnisse: Ein langsamer Rhythmus des Gehirns, die so genannten Alphawellen, ist hilfreich, aber nicht hinreichend. Am Kreativsten sind Menschen, die schnell zwischen hoher und niedriger Aktivierung des Gehirns wechseln können. Kreativität und Intelligenz korrelieren laut psychologischen Tests in hohem Maße - ohne Intelligenz gibt es keine Kreativität. Darüber hinaus ist ein stimulierendes Umfeld wichtig. Einerseits weil es die Intelligenz und das kreative Potenzial direkt fördert, andererseits, weil gute Ideen sich am ehesten dann ausbreiten und verselbstständigen, wenn viele kreative Köpfe zusammenkommen. Auch die Persönlichkeit spielt nach Ansicht der Forscher eine große Rolle. Am kreativsten sind Menschen, die in ihrer Persönlichkeit Gegensätze vereinen können wie Gelassenheit und hohe Energie, Klugheit und Naivität, Disziplin und Spieltrieb. Unter dem Strich: Eine einfache Erfolgsformel für Kreativität gibt es nicht, wohl aber viele Parameter, die sie fördern.
Ideen auf Rezept, wissenschaft.de 3.9.2009

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Sind wir Opfer eines Nocebo-Effekts? 
Montag, 5. Oktober 2009 - Wissenschaft
Neue Erkenntnisse aus der Placebo-Forschung könnten gesellschaftliche Entwicklungen in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Vor kurzem widmete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung eine ganze Seite den negativen Auswirkungen des Placebo-Effekts. Der Glaube an die Wirksamkeit eines Placebos kann Berge versetzen, das ist bekannt. Doch umgekehrt funktioniert das genau so. So werteten Forscher 143 Studien mit fast 13.000 Patienten aus und stellten fest, dass Scheinmedikamente nicht nur die versprochenen positiven Wirkungen hervorrufen können, sondern auch - wenn ihnen Nebenwirkungen zugeschrieben werden - negative. Etwa jeder fünfte Proband, der in einer Studie ausschließlich Placebos erhält, klagt im Verlauf über Nebenwirkungen. Dieser Effekt stellt sich vor allem ein, wenn andere Studienteilnehmer ebenfalls entsprechende an sich wahrnehmen. Vielleicht sollte man vor diesem Hintergrund viele gesellschaftliche Trends einmal mit neuen Augen betrachten. Sind beispielsweise wirklich nur noch zehn Prozent aller Arbeitnehmer mit Leidenschaft bei der Arbeit, wie es uns die Gallup-Studie seit Jahren vor Augen hält? Oder haben wir innerlich gekündigt, weil die Stimmung im Kollegenkreis ähnlich ist? Gibt es das Phänomen Bore-out wirklich oder glauben wir uns nur zu langweilen, weil wir regelmäßig darüber lesen, dass dies ein unter Arbeitnehmern verbreitetes Problem ist? Glauben wir, dass unsere Chefs unfähig sind, weil es bei all den Motz-Statistiken der letzten Jahre eher unwahrscheinlich ist, dass sie es nicht sind? Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich möchte hier nicht die Ergebnisse zahlreicher Studien ad absurdum führen. Doch Wahrheit entsteht immer im Auge des Betrachters. Seien Sie also achtsam.
Ich werde schaden, FAS 20.9.2009

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Was uns wirklich wichtig ist 
Freitag, 2. Oktober 2009 - Wissenschaft
Die Glücksforschung mehrt schon seit Jahren den Zweifel daran, dass materieller Wohlstand allein ein Garant für menschliches Glück ist. Parallel zu diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen wächst die Kritik an Messgrößen wie dem Bruttoinlandsprodukt, die sich alleine auf Wachstumsparameter der Wirtschaft konzentrieren, aber andere Perspektiven menschlicher Entwicklung vernachlässigen. Solange materielle Güter verbraucht und damit Geld bewegt wird, ist das gut fürs BIP - was zu dem großen inneren Widerspruch führt, dass Umweltzerstörung, Kinderarbeit und maßloser Konsum im Sinne des BIP wertestiftend sind, obwohl sie nicht nur dem Wertesystem vieler Einzelner entgegengesetzt sind, sondern auch der Balance von Gesellschaften nicht unbedingt dienen. Frankreich prescht bereits vor und hat eine Gruppe von Ökonomen und Psychologen, darunter die Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen, gebeten, alternative Messgrößen zu entwickeln, die das Wohlergehen von Gesellschaften ganzheitlicher erfassen. Bhutan misst schon lange das Bruttosozialglück des Landes. Spirituelle Werte werden hier ebenso erfasst wie Aspekte des sozialen Zusammenhalts. In den USA ist vor allem die berufliche Selbstständigkeit ein Glücksfaktor - hier sind die Selbstständigen deutlich zufriedener als der Rest der Bevölkerung. Die Kanadier dagegen speisen ihr nationales Glück vor allem aus der intakten Gemeinschaft, den Iren sind saubere Flüsse wichtig und die Franzosen finden ihren Frieden bei gutem Käse. Die Vielzahl der Facetten zeigt, dass Wohlstand respektive Wohlergehen von weit mehr Faktoren abhängen als der materiellen Dimensionen. Wünschenswert wäre, dass gerade in Zeiten der Krise sich wieder mehr Menschen darauf besinnen, nicht nur nach Wirtschaftswachstum zu schielen, sondern - vielleicht erstmals - einen Blick auf das große Ganze zu werfen. Im gesellschaftlichen und politischen Diskurs überwiegen gegenwärtig Ängste: die Angst vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg, die Angst vor Altersarmut, die Angst vor der Klimakatastrophe. Daran, dass Ängste sich reduzieren lassen, wenn man das menschliche Wohlbefinden insgesamt ins Visier nimmt und auf verschiedenen Ebenen versucht Verbesserungen herbeizuführen, denken indes die Wenigsten.
Was die Völker der Welt glücklich macht, FAS 20.9.2009

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Schockartiger Stress verändert das Gehirn 
Donnerstag, 1. Oktober 2009 - Studien
Schockartige Erlebnisse können das Gehirn innerhalb kürzester Zeit verändern. Die Erkenntnisse einer neuen Studie aus China, in deren Rahmen Forscher bei Überlebenden eines Erdbebens Veränderungen im Gehirn untersuchten, werfen ein neues Licht auf Stressphänomene und ihre Auswirkungen auf die Beschaffenheit des Gehirn. Bisher war angenommen worden, dass sich das Gehirn durch traumatische Erfahrungen und übermäßige Stresserlebnisse längerfristig verändert. Besagte Überlebende des Erdbebens wurden jedoch bereits 25 Tage nach dem traumatischen Erlebnis untersucht und die Hirnforscher stellten bereits veränderte Aktivitätsmuster fest. Wie weitreichend die Auswirkungen sind, beschreibt der Informationsdienst wissenschaft.de: "Bei den Überlebenden des Erdbebens war ein Bereich im vorderen Teil des Gehirns, der sogenannte präfrontale Cortex hyperaktiv. Diesem Areal wird die Verarbeitung von Emotionen zugeschrieben. Es ist verantwortlich für die Bewertung von Situationen, Eindrücken und angemessenen Reaktionen darauf. Zudem war das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Hirnarealen beeinträchtigt. Ein entscheidender Teil der Gehirnaktivität betrifft nicht nur einzelne Reaktionen des Gehirns, sondern auch die Verbindungen zwischen diesen." Eine interessante Frage in diesem Kontext wäre, inwieweit auch Stresserlebnisse, die eine geringere Stärke haben, aber regelmäßig auftreten, beispielsweise häufige Überlastung im Berufsalltag, das Gehirn und damit Verhalten und Lebensweise verändern.
Schrecken brennt sich schnell ins Gehirn, wissenschaft.de 1.9.2009

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Unternehmen brauchen Lebendigkeit 
Mittwoch, 30. September 2009 - Management
Der Berater Matthias zur Bonsen macht als wichtigen Erfolgsfaktor für Unternehmen die Lebendigkeit innerhalb der Organisation aus. Herrscht in einer Firma ein lebendiger Flow, werden Mitarbeiter zu "einem Energiestrom oder einer Kraft oder einem Bewusstsein", so der Berater. Doch wie erreicht man das? "Wenn wir Lebendigkeit freisetzen und nutzen wollen, müssen wir mit dem Leben führen. Wir müssen mit der Energie des Lebens arbeiten und nicht gegen sie, mit der selbstorganisierenden Dynamik des Lebens und nicht gegen sie, mit den Mustern des Lebens und nicht gegen sie", sagt zur Bonsen. Zwei konkrete Ratschläge des Beraters für die Umsetzung: "Elementar fürs Management ist es, die Kern-Leidenschaft des Unternehmens auszumachen und ihr in den unternehmerischen Strategien zu folgen. Genauso wichtig ist es, im Unternehmen sogenannte Inseln der Lebendigkeit zu schaffen, die es Mitarbeitern erlauben, ungehindert ihre Ideen und Potenziale freizusetzen."
So kommt Leben in die Bude, managerSeminare Oktober 2009

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Führung braucht den richtigen Groove 
Dienstag, 29. September 2009 - Management
Was können Manager von eingefleischten Jazzern lernen? Eine ganze Menge, meint August-Wilhelm Scheer, der als Gründer der erfolgreichen IDS Scheer AG nicht nur im Business für Furore sorgte, sondern auch mit dem Saxophon auf der Bühne eine gute Figur macht. Im Weiterbildungsmagazin managerSeminare erklärt er, warum es für Führungskräfte genauso wichtig ist wie für Musiker, improvisieren zu können. Laut Scheer wird Improvisation von vielen Managern zu Unrecht mit Dilettantismus gleichgesetzt: "Dabei vergessen Manager eines: feste Pläne machen kann man nur, wenn auch das Umfeld stabil bleibt. Das aber ist heute meistens nicht mehr der Fall. Manager sollten daher eine andere Haltung zum Improvisieren entwickeln und es sich zu eigen machen." Dabei gehe es nicht darum, allein aus dem Bauch heraus zu entscheiden und zu handeln. So wie die Jazz-Improvisation davon lebt, dass die Musiker aufeinander achten und mit ihren Soli aufeinander eingehen, mal im Vordergrund stehen und mal zurücktreten, müssten auch Manager ständig im achtsamen Flow bleiben: "In turbulenten Zeiten und in dynamischen Branchen sollten Manager offen bleiben für sich ständig verändernde Umfeldbedingungen und spontan darauf reagieren, statt an einem Plan festzuhalten. Sie brauchen Sensibilität für Veränderungen in ihrem Umfeld, müssen ein Gespür für neue Strömungen und Trends entwickeln." Ein Teamwork à la Jazz ist dabei laut Scheer eine gesunde Mischung aus führen und sich führen lassen, am Rande des Chaos, aber jenseits der Beliebigkeit: "Die Jazzband ist ein gutes Modell für moderne Teams mit ihren flachen Hierarchien, denn es gibt ja keinen Dirigenten. Und ein Solist im Jazz ist auch nicht immer Solist, vielmehr wechselt jeder Musiker ständig von der Rolle des Solisten in die des Begleiters und umgekehrt. Das ist auch das, was man in der modernen Teamorganisation braucht: Alles, was vom Einzelnen produziert wird, muss zu den Schnittstellen der anderen passen. Jedes Teammitglied ist gefordert, kreativ zu sein und Ideen zu entwickeln, aber die anderen unterstützen es dabei. Jeder hat seine Kernkompetenz, aber aus dem Zusammenspiel entstehen Synergien. Dazu braucht auch ein Arbeitsteam gute Kommunikation und möglichst wenig einengende Regeln."
"Manager sollten improvisieren lernen", managerSeminare Oktober 2009

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Immer wieder aufstehen 
Montag, 28. September 2009 - Arbeit
Scheitern als Chance- diese "Erfolgsformel" wirkt für sich betrachtet bisweilen eher wie eine Plattitüde, doch erweist sie sich dennoch im konkreten Leben häufig als äußerst treffend. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beispielsweise portraitiert den Dirigenten Christian Ludwig, der mit nur 31 Jahren dem Kölner Kammerorchester vorsteht. Was auf den ersten Blick wie eine kometenhafte Karriere wirkt, ist bei Ludwig jedoch nicht nur Resultat großer Begabung und harter Arbeit, sondern auch Ergebnis eines großen Scheiterns. Der ambitionierte Dirigent galt schon in jungen Jahren als großer Geiger mit noch größeren Zukunftsaussichten, bis der so genannte Musikerkrampf, Beschwerden in der linken Hand, seinen Aufstieg als Solist abrupt beendete. "Ich bin der Typ, der wieder aufsteht", sagt Ludwig über sich selbst und so bildete er sich an der Royal Academy in London zum Dirigenten weiter. In der Ausbildung wurde, so sagt Ludwig heute, seine Persönlichkeit dekonstruiert und neu zusammengesetzt. Sein Ziel: Nicht unbedingt das Diplom der Elite-Akademie, sondern zu wissen, was man lernen kann und wie man seinen Weg meistert. Gerade dieser Reifeprozess ist es, der im den Job bei den Kölner Kammermusikern verschafft, denn sein Vorgänger vertraut in die "Gesamtpersönlichkeit" des jungen Dirigenten. Heute ist Christian Ludwigs Motto: "Alles kann nur wachsen, wenn man entspannt ist."
Wenn plötzlich die Hand versagt, FAZ 19.9.2009

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