Reich sind immer die anderen 
Donnerstag, 15. Oktober 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Ab wann ist man reich? Eine Frage, die extrem subjektiv ist, wie das Beispiel von Finanzminister Olaf Scholz zeigt. In einem Fernsehgespräch zu seiner persönlichen finanziellen Situation befragt, sagte er lapidar: "Ich verdien' ganz gut. Als reich würde ich mich nicht empfinden." Rein definitorisch beginnt in Deutschland der Reichtum bei einem Netto einkommen von 3.892 Euro für Singles und 5.294 Euro für Paare ohne Kinder. Das ist das Doppelte des so genannten Medianeinkommens - die Hälfte der Deutschen verfügt über weniger, die andere über mehr Einkommen. Als Finanzminister verdient Scholz im Monat laut Spiegel rund 16.000 Euro brutto. Das Einkommen seiner Frau belaufe sich auf etwa 14.000 Euro. Das Institut der deutschen Wirtschaft, das die Medianeinkommen berechnet, weiß, dass für viele Menschen Reichtum bei einem Einkommen von 7.000 bis 10.000 Euro beginnt. Selbst diese subjektive Varianz zugrundegelegt, scheint Olaf Scholz hier in einer etwas anderen Welt zu leben. Und wäre er nicht ausgerechnet Sozialdemokrat, würde sich für diese Diskrepanz wahrscheinlich auch niemand interessieren.
Darf man reich sein?, spiegel.de 6.10.20

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Pandemie kann dem Vermögen der Superreichen nichts anhaben 
Mittwoch, 14. Oktober 2020 - Lebensart, Studien
Durch die Corona-Krise sind die finanziellen Zukunftssorgen vieler Menschen, sei es durch Kurzarbeit oder die Gefahr, ihre Arbeit zu verlieren, gewachsen. Eine Gruppe ist bisher von der Sorge, ihre finanzielle Situation könnte sich durch die Pandemie verschlechtern, verschont geblieben. Wie ein Bericht der UBS Bank zeigt, könnten die Superreichen selbst in dieser wirtschaftlich dramatischen Zeit deutlich erhöhen. Lag das Vermögen dieser Vermögenden in Deutschland im März des vergangenen Jahres noch bei 500,9 Milliarden Dollar, so besaßen sie im Juli diesen Jahres laut UBS-Berechnungen 594,9 Milliarden Dollar. Weltweit besitzen die mehr als 2.000 Superreichen, die über mehr als eine Milliarde Dollar verfügen, 10,2 Billionen Dollar, ein bisheriger Höchstwert. Dagegen muten die für all die wirtschaftlichen Rettungsprogramme investierten Gelder wie Peanuts an.
Vermögen der Milliardäre so groß wie nie zuvor, zeit.de 7.10.20

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Die Ironie der Freiheit 
Dienstag, 13. Oktober 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Freiheit ist ein in modernen Gesellschaften viel bemühtes Gut. Und gerade in der Diskussion darüber, wie wir am besten mit der Pandemie umgehen können, wird sie von vielen ins Feld geführt, die sich durch staatliche Vorgaben in ihrer Lebensweise eingeschränkt fühlen. In einem Kommentar in der taz analysiert die Autorin Isolde Charim, wie hier ein in ihren Augen eigentlich bereits pervertierter Freiheitsbegriff bemüht werde. "Auf Freiheit lässt sich nicht mehr einfach so sich berufen. Es ist ja keine Neuigkeit, dass die ökonomische Freiheit alle Freiheitsvorstellungen usurpiert hat, diese umdefiniert hat. Zur freien Konkurrenz. Der Neoliberalismus hat seine Interpretation von Freiheit durchgesetzt, und das heißt: Er hat die Freiheit zu dem gemacht, was uns unterwirft", meint sie. Und deutet das Aufbegehren mancher Demonstranten als Verinnerlichung dieser Unterwerfung. Ihre Folgerung: "Gerade so ein überzogener „Freiheitsdrang“ vollzieht die Vorgaben des Neoliberalismus. Das absurde, auf die Spitze getriebene Hochhalten ihrer persönlichen Freiheit deckt sich haargenau mit den Anforderungen einer durchliberalisierten Ökonomie und deren reduzierten Staates. Kurzum: Dies ist die Rückkehr der neoliberalen Botschaft in verkehrter Form." Vielleicht wäre es in diesem Diskurs auch ein Beitrag, einmal andere Modelle von Freiheit wieder in die Wahrnehmung zu rücken. Nicht die persönliche Freiheit, von der ich meine, sie entbinde mich von allen Verantwortlichkeiten. Die Freiheit, für ein größeres Ganzes da sein zu können, wäre sicher ein guter Kandidat, zumal sie das Gemeinwesen als Ganzes wieder erfahrbarer macht - von dem der Staat ein nicht unwesentlicher Teil ist. Freiheit als eine Art Gemeingut schafft eine tiefere Integration, denn dann können wir auch wahrnehmen, wie unsere eigene Freiheit immer auch die derer ist, die vor dem Virus besonders geschützt werden sollten.
Freiheit für die Unterwerfung, taz.de 21.9.20

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Wenig Sinn für die Bedürfnisse anderer 
Montag, 12. Oktober 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Manchmal hat der Volksmund unrecht, beispielsweise wenn es darum geht, von sich selbst auf andere zu schließen. Das sollten wir nämlich vielleicht doch bisweilen tun, insbesondere wenn es darum geht, uns der Bedürfnisse unserer Mitmenschen bewusst zu werden. Eine Studie zeigt nämlich: Das, was wir für uns selbst als wesentlich erachten, können wir bei anderen oft nur schwer wahrnehmen. Befragt wurden rund 1.900 Personen aller gesellschaftlichen Schichten zu ihren eigenen körperlichen und psychischen Bedürfnissen sowie zu jenen, die sie von anderen Menschen annehmen. Dabei zeigte sich: Eine Mehrheit erachtet die eigenen körperlichen Belange als weniger wichtig als die psychischen. Ging es darum, die Verfassung beispielsweise von Obdachlosen einzuschätzen, zeigte sich, dass hier viele Menschen eher glauben, dass für diese Personengruppe vor allem das Körperliche in ihrer Situation wesentlich sei - wenngleich die Betroffenen eine ähnliche Selbstbetrachtung zeigten wie die über sie Befragten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir die psychischen Belange unserer Mitmenschen weniger wahrnehmen können, weil diese nicht deutlich sichtbar sind. Das verleitet uns dazu, ihnen kaum Aufmerksamkeit zu schenken.
Meine Bedürfnisse, deine Bedürfnisse, Psychologie heute 4.9.20

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Diversity ist gut für Innovationen und den Profit 
Freitag, 9. Oktober 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Diversity rockt, könnte man sagen, wenn man sich die verschiedenen Studien ansieht, die erforschen, was die Leistungsfähigkeit von heterogenen Arbeitnehmerschaften von der eher uniformer Belegschaften unterscheidet. Laut McKinsey beispielsweise erhöht sich die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlicher Profitabilität um 25 Prozent, wenn ein Unternehmen eher divers aufgestellt ist. Und die Boston Consulting Group hat festgestellt, dass in Unternehmen mit diversen Team 45 Prozent des Umsatzes durch Innovationen reinkommen, während es in Firmen, in denen hauptsächlich weiße, männliche Teams arbeiten, lediglich 26 Prozent sind. Auch in Krisenzeiten bewährt sich Diversität, denn divers besetzte Führungsteam wirtschaften nachhaltiger und führen besser, so eine Untersuchung des Karriereportals Stepstone.
Vielfältige Teams machen Unternehmen profitabler, WiWo 1.10.20

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Wie wir unser Selbstbild aufpolieren 
Donnerstag, 8. Oktober 2020 - Psychologie, Studien
Wir glauben meist, uns selbst zu kennen. Doch bei genauerem Hinsehen haben wir eine nicht von der Hand zu weisende Neigung, uns besser zu machen, als wir sind. Das illustrieren verschiedene Studien mehr als anschaulich. Legt man Menschen verschiedene Fotos von sich vor, die mal besser, mal schlecht und mal recht normal ausfallen, neigen die meisten Menschen dazu, die schönsten Fotos als repräsentativ von sich zu betrachten. Ähnlich sieht es aus, wenn wir unsere Leistungen einschätzen sollen. Innerer Maßstab sind dann nämlich unsere Bestleistungen - während wir bei der Beurteilung anderer eher deren durchschnittliche Leistung wahrnehmen. Diese Diskrepanz in unserem Urteil tritt vor allem in Bereichen besonders stark hervor, in denen es um Kompetenzen geht, in denen wir nicht so gut sind. Auch unsere Persönlichkeit hat wesentlichen Einfluss. Menschen, die sich als offen betrachten, schätzen sich beispielsweise auch als kreativer ein, als sie es bisweilen sind. Vielleicht sollten wir die kritische Betrachtung, die wir anderen zukommen lassen, bisweilen auch auf uns selbst anwenden.
Worin wir uns selbst überschätzen, spektrum.de 1.10.20

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Ungerechte Chefs machen Mitarbeiter krank 
Mittwoch, 7. Oktober 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Ob Vorgesetzte ihre Mitarbeiter fair behandeln, scheint nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeitenden zu haben. Diese Schlussfolgerung legt der AOK-Fehlzeiten-Report 2020 nahe. Befragt wurden 2.500 Arbeitnehmer*innen. In der Gesamtbilanz zeigt sich: Jene, die sich vom Chef fair behandelt fühlen, sind im Jahresschnitt zwei Tage weniger krank als die, die über Ungerechtigkeit klagen. Letztere empfinden Wut und Ärger (23,3 Prozent) und berichten, dass sie unter Lustlosigkeit (21,2 Prozent), Erschöpfung (19,7 Prozent) oder Schlafstörungen (18,1 Prozent) leiden - und dies ständig oder beinahe ständig in den vier Wochen vor der Erhebung.
Je gerechter der Arbeitsplatz, umso gesünder die Beschäftigten, WiWo 29.9.20

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Wenn die Fassaden bröckeln 
Dienstag, 6. Oktober 2020 - Lebensart, Arbeit
Top-gestylt am Schreibtisch war gestern. Im Home Office haben viele Arbeitende in einen legereren Modus umgeschaltet. Und das lässt manche die Konventionen im Business-as-usual grundsätzlich hinterfragen. Lauren Griffiths löste kürzlich eine rege Diskussion aus, als sie ihr LinkedIn-Profilfoto austauschte. Zuvor war die Personalerin eine Tech-Konzerns dort im klassischen Business-Outfit zu sehen, mit frisch gefärbten Haaren und natürlich geschminkt. Dann beschloss die Mutter dreier Kinder, ihre gegenwärtige Realität ins Bild zu setzen - ungeschminkt, mit verwuscheltem Haar. "Die heutige Homeoffice-Welt hat die Grenzen zwischen meinem beruflichen und meinem persönlichen Selbst verwischt, und das will ich mit meinem neuen Profilbild zum Ausdruck bringen. Kaum getrocknetes Haar, bequemer Pullover, zerrissene Jeans - leicht zerzaust, weil ich gerade drei Kinder für die Schule fertig gemacht habe - aber lächelnd und bereit für die Arbeit. Ich habe genug über authentische Führung gelesen und miterlebt, um zu wissen, dass es für die Karriere viel nützlicher ist, aufrichtig und verletzlich zu sein, als ein glänzendes Profilbild zu haben", schreibt sie. Unzählige positive Zuschriften bestätigen sie darin. Es scheint, dass Offenheit und Transparenz viel mehr berühren als die üblichen Versuche, den Konventionen auf Biegen und Brechen zu entsprechen.
Warum 23.000 Menschen über diese Profilbilder diskutieren, spiegel.de 28.9.20

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