Der Zwang zur Selbstoptimierung 
Dienstag, 17. November 2015 - Studien
Neuro-Enhancement ist zwar kein Massenphänomen, doch die Indizien, dass die Wettbewerbskultur und der wachsende Leistungsdruck immer mehr Menschen mit einer empfundenen Notwendigkeit der Selbstoptimierung konfrontieren, mehren sich. Die Aufmerksamkeit mit Ritalin pushen, Antidepressiva für besseren Schlaft? Substanzmissbrauch scheint eine logische Folge einer "kompetitiven Leitkultur" zu sein, wie Nicola Erny, Professoring für Praktische Philosophie an der Hochschule Darmstadt, das gesellschaftliche Klima unserer Zeit beschreibt. Zwei Studien des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung zufolge ist der Anteil der Studierenden, die schon einmal Substanzen eingenommen haben, um mit dem Lernstress zurechtzukommen, in den letzten vier Jahren von 12 auf 14 Prozent gestiegen. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt eine ähnliche Situation - 8,3 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal Medikamente wie Ritalin eingenommen zu haben, um den beruflichen Belastungen besser standzuhalten. Thomas Damberger, Mitarbeiter am Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt regt vor diesem Hintergrund an zu fragen: "Stimmt vielleicht etwas an den Verhältnissen nicht?"
Mit Ritalin fit für die Prüfung? FAZ 4.11.15

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Nur ein Job oder Herzensangelegenheit? 
Montag, 16. November 2015 - Arbeit
Ist Ihnen Ihre Arbeit ein Herzensanliegen? Tun Sie im Job etwas, das Ihnen richtig Freude macht? Wenn ja, gehören Sie zu einer beneidenswerten Spezies, denn immer mehr Menschen schielen, wenn es darum geht, was sie beruflich tun, mehr danach, ob sich eine Tätigkeit im Lebenslauf gut macht, als dass sie sich fragen, was sie selbst am liebsten wollen. In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche findet der Karriereberater Martin Wehrle klare Worte für das Phänomen: "Eine groteske Situation ist entstanden: Nicht das Leben gibt den Lebenslauf vor, sondern umgekehrt; Menschen sind zu Knechten ihres Lebenslaufs geworden. Sie nehmen äußere Erwartungen wichtiger als innere Wünsche. Jede Entscheidung wird durch die Schablone einer Norm gepresst, die eigenen Sehnsüchte bleiben auf der Strecke." Seiner Ansicht nach tragen die zweifelhaften Anforderungen der Wirtschaft dazu bei, dass immer mehr Menschen sich zu "Objekten" machten und ihr Leben gänzlich auf den Arbeitsmarkt ausrichten. "Kein Wunder, dass sich das moderne Berufsleben wie ein falscher Film anfühlt. ... Es ist ein Witz: Menschen geben ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse auf, um es potenziellen Arbeitgebern recht zu machen und ihren Lebenslauf zu perfektionieren. Aber dieser Versuch scheitert kläglich. Erstens sind die Anforderungen so unterschiedlich, dass man es nie allen recht machen kann. Und zweitens verliert jeder, der seinen Lebenslauf wichtiger als sein Leben nimmt, sein größtes Kapital: die intrinsische Motivation. Diese innere Freude an einer Arbeit kann nur entstehen, wenn man sie mit ganzem Herzen betreibt", so Wehrle. Also: Was wollen Sie wirklich?
Pfeif' auf deinen Lebenslauf! WiWo 4.11.15

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GenY will doch Kohle 
Freitag, 13. November 2015 - Studien
Viele Studien kommen inzwischen zu dem Schluss, dass die junge Generation der Arbeitnehmer nicht mehr so sehr auf ein hohes Einkommen setze, sondern vor allem Wert auf interessante Jobs und Wohlfühlfaktoren lebe. In einer Repräsentativbefragung des Direktversicherers Hannoversche gaben hingegen 45 Prozent der 18- bis 29-jährigen Befragten an, dass sie sich ein überdurchschnittliches Gehalt wünschen, um sich im Job wirklich wohlzufühlen. Über alle Altersgruppen hinweg ist dies nur 41 Prozent wichtig. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft für viele deutsche Arbeitnehmer eine zum Teil erhebliche Lücke. So hätten 44 Prozent der Befragten gerne eine gute Work-Life-Balance, doch nur 31 Prozent bekommen diese vom Arbeitgeber auch geboten. Flexible Arbeitszeiten wollen 53 Prozent, aber nur 46 Prozent können sie auch realisieren. 41 Prozent wollen besser als der Branchenschnitt bezahlt werden, doch nur 16 Prozent gelingt dies tatsächlich.
Mehr Geld, weniger Schnickschnack, bitteschön! FAZ 2.11.15

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Im Business mehr Demokratie wagen 
Donnerstag, 12. November 2015 - Management
Thomas Sattelberger, als ehemaliger Telekom-Personalchef bekannt für markige Aussagen, plädiert in einem Interview mit der Zeit für eine verstärkte Demokratisierung unternehmerischer Prozesse. "Demokratische Unternehmen experimentieren mit Führung. Sie geben ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, Unternehmensentwicklungen zu debattieren, zu beeinflussen und mitzuentscheiden. Sie achten gemeinsam mit den Mitarbeitern darauf, dass die Belastungen bei der Arbeit ausbalanciert werden. Und dass das Erwirtschaftete gerecht verteilt wird. Mitarbeiter haben also deutlich mehr Mitspracherecht und Freiheit als in klassisch top-down organisierten Unternehmen. Manche jungen Unternehmen sind sogar mitarbeitergeführt", so der Personalexperte. Eine stärkere Beteiligung der Mitarbeiter sei die Basis für die Innovationsfähigkeit von Firmen. Mehr Mitbestimmung in der Unternehmensführung verlange von Firmen, echte Experimentierfelder in der realen Arbeitswelt zu schaffen und die Fähigkeit zur Selbstreflexion: "Dazu gehört auch der Mut, scheitern zu können. Und weil die Arbeitswelt nicht von oben demokratisiert werden kann, müssen die Mitarbeiter zu Beteiligten werden. Das heißt: Sie müssen sich einbringen und auch einbringen wollen."
"Unternehmen müssen demokratischer werden", Zeit online 2.11.15

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Hohe Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber 
Mittwoch, 11. November 2015 - Studien
Die Deutschen sind vergleichsweise loyal gegenüber ihren Arbeitgebern, wie eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY zeigt. 77 Prozent fühlen sich ihrem Unternehmen verbunden - insbesondere die Mitarbeiter unter 30 Jahren und diejenigen, die kurz vor dem Renteneintritt stehen. In der Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen hingegen ist das Commitment geringer ausgeprägt. Die stärkste Verbundenheit zeigt sich in der Automobilindustrie, so sich jeder dirtte Beschäftige der Firma besonders eng verbunden fühlt - gefolgt von der Land- und Forstwirtschaft und dem Maschinen- und Anlagenbau. In der IT-Branche hingegen ist mit 26 Prozent der Wille zum Jobwechsel sehr hoch ausgeprägt. Über alle Branchen hinweg suchen etwa 18 Prozent nach neuen beruflichen Chancen, weitere 13 Prozent wären offen für gute Angebote. 69 Prozent haben hingegen kein Interesse, den Arbeitgeber zu wechseln.
Meiste Deutsche hoffen kaum noch auf große Karriere, Die Welt 2.11.15

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Grundeinkommen: Mut zur Freiheit 
Dienstag, 10. November 2015 - Arbeit
In einem Gastbeitrag für die Zeit schreiben Daniel Häni und Philip Kovce, Vorreiter der Initiative für ein Grundeinkommen in der Schweiz, darüber, wie eine staatlich garantierte Grundsicherung ohne Auflagen unser Selbst- und Menschenbild herausfordert und verändern kann. "Das bedingungslose Grundeinkommen fragt zweierlei. Erstens: Was will ich eigentlich? Was würde ich tun, wenn für mein Einkommen gesorgt wäre? Wofür engagiere ich mich, wenn ich mich frei entscheiden kann? Das ist die Frage, die den Menschen auf sich selbst zurückwirft. Sie spricht ihn als selbstbestimmtes Individuum an. Es geht um das Bild, das jeder von sich selbst hat", so die Autoren. Die zweite Frage: Bin ich bereit, diesen Entfaltungsraum auch meinen Mitmenschen zuzugestehen? Der Bericht beschreibt sehr anschaulich, dass in der Schweiz oder auch den USA die Diskussion um das Grundeinkommen vergleichsweise pragmatisch geführt werde, während in Deutschland im Kontext der HartzIV-Gesetzgebung die Zweifel deutlich größer seien. Für Häni und Kovce ist die Frage der Finanzierbarkeit ein vorgeschobenes Argument und sie bescheinigen Deutschland einen Mangel, der "künstlich erzeugt, moralisch gewollt, perfide organisiert" sei. Die Gründe, warum es noch kein Grundeinkommen gebe, sind in den Augen der Autoren vor allem unserem Menschenbild geschuldet: "Warum haben wir also noch kein bedingungsloses Grundeinkommen? Weil wir noch nicht auf den Gedanken verzichten wollen, dass die anderen nichts mehr tun würden, wenn ihre Existenz bedingungslos gesichert wäre. Weil wir noch nicht darauf verzichten wollen, dass die anderen etwas tun müssen, damit ihre Existenz gesichert ist. Weil wir den anderen noch nicht jene Eigenverantwortung zusprechen, die wir für uns selbst in Anspruch nehmen."
Lasst Arbeit Erfüllung werden, Zeit online 31.10.15

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Jeder zweite Deutsche bei der Arbeit gestresst 
Montag, 9. November 2015 - Studien
Stress im Job ist inzwischen ein Alltagsphänomen. Laut einer Umfrage der Personalmanagementfirma ADP erfahren 44 Prozent der Europäer oft oder zu oft Stress bei der Arbeit - in Deutschland betrifft dies sogar die Hälfte aller Arbeitnehmer. Ein Viertel aller Befragten findet, dass der Arbeitgeber sie nicht dabei unterstützt, konstruktiv mit den Belastungen umzugehen. Ein Fünftel meint sogar, die Vorgesetzten seien sich dieser Herausforderungen gar nicht bewusst. Bei den Wünschen an die eigene Arbeit sind knapp einem Drittel der Europäer eine gute Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben wichtig, ein Viertel will flexible Arbeitszeiten, ein weiteres Viertel wünscht sich vielfältige Aufgaben.
Halb Deutschland ist im Stress, SZ 26.10.15

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Bei jedem 20. Arbeitnehmer macht die Psyche schlapp 
Freitag, 6. November 2015 - Studien
"Ich hab' Rücken", kommt immer mehr aus der Mode, denn die Rate psychischer Erkrankungen ist weiterhin im Steigen begriffen. Laut DAK-Psychoreport, für den die Daten von 2,6 Millionen DAK-Versicherten analysiert wurden, hat sich die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Leiden seit 1997 verdreifacht. 2014 entstanden so 6,3 Millionen Fehltage. Rechnet man die Daten auf die Gesamtbevölkerung hoch, dürften etwa 1,9 Millionen Deutsche von seelischen Leiden betroffen sein. Jeder 20. Arbeitnehmer war demzufolge im Vorjahr aufgrund psychischer Probleme krankgeschrieben. Die hohen Steigerungsraten liegen Experten zufolge auch daran, dass früher eher körperliche Beschwerden diagnostiziert wurden, in denen sich psychische Erkrankungen häufig manifestieren. Dennoch sind die Verschiebungen in der Art der Diagnose auch besorgniserregend, denn bereits fast jeder zweite Fehltag aufgrund psychischer Probleme geht zu Lasten von Depressionen. Waren 2000 noch 37 Fehltage pro 100 Versicherte durch Depressionen verursacht, waren es 2014 bereits 112.
Immer mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen, WiWo 27.10.15

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