Den eigenen Beruf erfinden 
Freitag, 4. Dezember 2015 - Arbeit
Maike Gosch hat schon viele Jobs gemacht - als Juristin, als Drehbuchschreiberin. Und ihre Interessen sind so breit gefächert, dass sie in jedem Beruf einige davon außer acht lassen musste. Eine Selbstbeschneidung, die auf Dauer für sie nicht tragfähig war. In einem Portrait der Zeit erklärt die Kommunikationsexpertin, die heute vor allem im Bereich Storytelling for NGOs tätig ist, wie sie dazu kam, all die Puzzle-Teile ihrer Vorlieben zusammenzusetzen - und wie sich daraus ihr heutiger Traumjob ergab. MIch hat ihre Geschichte berührt, weil sie zeigt, was möglich ist, wenn man die eigenen Vorlieben ernst nimmt. Nur allzu oft versucht man ja eher, den äußeren Verhältnissen gerecht zu werden und sich irgendwie mit ihnen zu arrangieren. Im Berufsleben, das Jahrzehnte unserer Lebenszeit füllt, kann dies jedoch auch ein gefährlicher Weg sein, denn der Grat zwischen Realitätssinn und Selbstaufgabe ist schmal. Mit ihrem heutigen Beruf trägt Maike Gosch zu einem gesellschaftlichen Wandel bei - und hat zunächst sich selbst und ihre Perspektive verändert. Was wäre möglich, wenn dieses Beispiel Schule macht?
Berufswahl: Ein Beruf, den es nicht gibt, Die Zeit 26.11.15

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Wirtschaft in der Tiefe verstehen 
Donnerstag, 3. Dezember 2015 - sonstiges
Christoph Lütge, Ordinarius für Wirtschaftsethik an der TU München und Leiter des von ihm gegründeten Experimental Ethics Lab, geht in einem Gastbeitrag für die Zeit der Frage nach, warum es so wichtig ist, in der Schule grundlegende Wirtschaftskenntnisse zu vermitteln. "Wie sollen Schüler ohne ökonomisches Wissen wirtschaftliche Zusammenhänge im gesellschaftlichen Kontext beurteilen?", fragt Lütge zu recht. Von Kritikern werde immer wieder angemerkt, dass eine zu starke Fokussierung auf das Thema Wirtschaft dazu führen könne, dass ökologische und soziale Kompetenzen vernachlässig würden. Dem hält Lütge entgegen: "Dabei wird angenommen, dass Ökonomie und Ökologie, Ökonomie und Soziales fundamentale Gegensätze darstellen. Das Gegenteil ist der Fall: Nachhaltiges Wirtschaften spielt in Unternehmen eine immer größere Rolle. Aber auch Ökologie muss im Rahmen ökonomischer Mechanismen funktionieren, damit sie nicht nur eine abstrakte Idee bleibt, sondern wirksam umgesetzt wird. Ökologische Probleme lassen sich letztlich nur durch ökonomische Mechanismen lösen. Die Marktwirtschaft hat sich keineswegs abgewirtschaftet. Das Gleiche gilt für die Sozialpolitik. Schülerinnen und Schülern sollte die soziale Marktwirtschaft als Grundlage unserer Gesellschaft nahegebracht werden. Und dazu gehört, wie durch Wettbewerb – im Rahmen der bestehenden Regeln und Gesetze – soziale Belange gefördert werden, indem Arbeitsplätze bereitgestellt werden, indem innovative und kostengünstige Produkte produziert werden, indem Steuern und Abgaben gezahlt werden." Mich fasziniert an dieser Argumentation, wie schmal der Grat ist zwischen der Beschreibung momentaner Realitäten und dem Verfestigen von Grundannahmen, die man auch in Frage stellen könnte. Lütges Argumentation ist klug und durchdacht, und sich dabei kaum bewusst, welche Ausgangsbedingungen sie als unverrückbar einbringt. In einem System, in dem fast alle Lebensvollzüge in der einen oder anderen Weise an wirtschaftliche Zusammenhänge gebunden sind, lassen sich ökologische und soziale Fragen natürlicherweise nur mit wirtschaftlichen Mitteln lösen. Was aber wäre, wenn wir dem Ökologischen und Sozialen die bedeutendste Rolle in unserer Gesellschaft zuweisen? Kämen wir dann automatisch auf die Idee, dass wir ökonomische Wege beschreiten müssen, um diesen Belangen zur Geltung zu verhelfen? Ist das Bereitstellen von Arbeitsplätzen eine soziale Tat, wenn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht immer wieder durch finanzielle Notwendigkeiten geprägt ist? Wirtschaftliches Wissen scheint in der heutigen Zeit tatsächlich unabdingbar - vor allem, um in der Lage zu sein, den Status quo zu hinterfragen ...
Schulfach Wirtschaft: Schüler brauchen ökonomisches Wissen, Die Zeit 24.11.15

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Mitarbeiter glücklich machen 
Mittwoch, 2. Dezember 2015 - Management
Kazuo Inamori gehört wohl zu den erfolgreichsten japanischen Geschäftsmännern. Er baute den Elektronikkonzern Kyocera auf, den Telekomkonzern KDDI und rettete 2010 Japan Airlines vor dem Bankrott. Der heute 83-Jährige setzt dabei unter anderem auf buddhistische Tugenden. "Wer Eier möchte, muss für die Hennen sorgen. Schikaniert oder tötet man die Henne, wird das nicht funktionieren", sagt Inamori. Als er bei Japan Airlines die Führung übernahm, händigte er den Mitarbeitern ein Büchlein mit seinen Philosophien aus. Er erklärte ihnen die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Arbeit und verwies auf buddhistische Prinzipien wie Bescheidenheit und das Richtige zu tun. "Konzernleiter sollten danach streben, alle ihre Angestellten glücklich zu machen, sowohl materiell als auch intellektuell", sagt Inamori. Glück wird dabei allerdings nicht im westlichen Sinne als Wellness-Haltung gesehen. Das buddhistische Konzept "shojin" etwa zielt darauf ab, die Seele durch Hingabe an eine Aufgabe zu erheben - ein Ansatz, der im spirituellen Kontext sicherlich zu einer öffnenden Kraft wird, in kapitalistischen Systemen allerdings auch Gefahren birgt, denn die Selbstausbeutung im Dienste anderer ist hier oft recht nah. So wird Inamori in der japanischen Investment-Welt für seine Haltung auch kritisiert, denn manche Investmentgesellschaft findet bereits, dass seine Firmen mehr Gelder an die Investoren ausschütten sollten. Solange der Chef selbst am Ruder ist und seine Haltung mit entsprechenden Taten unterlegt, funktioniert sein Modell. Ohne diese Haltung taugt der Ansatz hingegen auch perfekt als Basis typisch kapitalistischer Ausbeutungsdenke.
Die Business-Weisheiten des Buddha-Priesters, HB 21.11.15

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Wenn das Beste zu viel des Guten ist 
Dienstag, 1. Dezember 2015 - sonstiges
Die FAZ beschreibt in einem interessanten Beitrag, wie die deutsche Ingenieursmentalität mit ihrem Streben nach Perfektionierung in globalen Märkten zunehmend an ihre Grenzen stößt. Autos, die 200 km/h fahren - was auf deutschen Straßen willkommen ist, nutzt Menschen in Ländern mit schlechten Straßen oft gar nichts. Smartphones mit zig Funktionen - für Senioren meist keine Option. Innovationen taugen nur dann, wenn sie in ihrem jeweiligen Kontext auch Angemessenheit entfalten. Und nicht alles, was denkbar und auch machbar ist, passt zu einem Produkt und dem Einsatzkontext, den Kunden vor Augen haben. Vielleicht zeichnet sich hier gerade die Erkenntnis ab, dass dem bisherigen Machbarkeitswahn nun stärker auch Nützlichkeitserwägungen zur Seite gestellt werden. Denn letztlich ist doch immer die Frage: Was bringt etwas, wo dient es - und wo sind technologische Innovationen vielleicht nur die heutige Form der Selbstbespiegelung unter den Vorzeichen einer Möglichkeitsmanie?
Autos für Indien und Handys für Oma, FAZ 3.11.15

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Menschlichkeit im Betrieb braucht besondere Bewusstheit 
Montag, 30. November 2015 - Management
Ein Beitrag im Harvard Business Manager wirft einen Blick darauf, wie schwierig es ist, Führungskulturen zu verändern und im Versuch, mehr Menschlichkeit in die Beziehungen innerhalb von Organisationen zu bringen, nicht das Gegenteil zu bewirken. Agilität ist ein Stichwort, das immer mehr Firmen bewegt, und sie versuchen, ihre alten Top-Down-Strukturen um Momente des Miteinanders zu erweitern. Wenn statt dem Chef aber ganze Teams einander Feedbacks geben, Vertrauensarbeitszeit mit Leistungszielen verknüpft wird oder Urlaubstage zwar nicht mehr gezählt werden, wohl aber die individuelle Performance, verschiebt sich die einstige Kontrole von oben schlicht in die Breite. Leistungsdruck kommt dann von den Kollegen - oder auch von einem selbst, denn die äußeren Vorgaben bestehen ja nach wie vor. Das "richtige Maß" herauszufinden, zu erkennen, wie Neuerungen wirken und sensibel dafür zu sein, wenn sie sich in ihr Gegenteil verkehren - das scheint zur Kernaufgabe agiler Führung zu werden.
Behandelt Mitarbeiter endlich wie Menschen, HBM 5.11.15

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GLS-Bank fordert Bewusstseinswandel 
Freitag, 27. November 2015 - sonstiges
"Banken brauchen ein neues Bewusstsein", fordert GLS-Vorstand Thomas Jorberg in einer öffentlichen Stellungnahme. Er kritisiert, dass in der Diskussion über die Zukunft des Bankwesens die "entscheidenden Zukunftsfragen", darunter "die ungerechte Vermögensverteilung oder der Klimawandel", nicht thematisiert würden. Jorberg weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren die globalen Geldvermögen stärker gewachsen seien als die Wirtschaft, was zu überliquiden Märkten und niedrigen Zinsen führe. Der Finanzmarkt ziehe hieraus lediglich den Schluss, dass die Realwirtschaft weiter wachsen müsse. "Das impliziert, dass letztendlich die Realwirtschaft dem Finanzmarkt zu dienen hat. Das wird nicht infrage gestellt", bemängelt der GLS-Vorstand. Jorberg listet eine ganze Reihe von Fragen auf, die im Hinblick auf unsere wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit gestellt werden müssten:
• Wie finanzieren wir den Stopp der Klimaerwärmung und lösen die Energiefrage?
• Wie finanzieren wir die Neugestaltung der weltweiten Ernährung, ohne die natürliche Bodenfruchtbarkeit weiter zu zerstören?
• Wie finanzieren wir die notwendigen Infrastruktur-Investitionen?
• Wie finanzieren wir neue Mobilitätskonzepte?
• Wie finanzieren wir die Verbesserung unseres Bildungs- und Kulturwesens?
• Wie finanzieren wir die Integration und Inklusion von Migranten und Flüchtlingen?
Jorberg fordert, dass die Vermögenden sich in ganz anderem Ausmaß als bisher an der Finanzierung öffentlicher und meriotiorischer Güter beteiligen müssen. "Diese großen widersprüchlichen Fragen sind scheinbar bei den meisten Bankvorständen noch nicht angekommen. Die einzigen Treiber von Umbrüchen sind Einsicht und Not. Es bleibt darum zu wünschen, dass zukünftig endlich eine Diskussion über die gesellschaftlichen Widersprüche stattfindet. Nur so können wir die Umbrüche aktiv und zielgerichtet gestalten. Wird die Finanzbranche das nicht tun, treibt sie auf eine noch größere Not zu", so der GLS-Vorstand.
Banken brauchen neues Bewusstsein, GLS Bank 17.11.15

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Top-Manager arbeiten auch krank 
Donnerstag, 26. November 2015
Eine Umfrage unter 300 Geschäftsleitern und hochrangigen Managern, erhoben durch TNS Emnid im Auftrag des Diganostik-Zentrums Fleetinsel in Hamburg, zeigt - fast die Hälfte aller Konzernchefs geht auch krank zur Arbeit. Nur rund 20 Prozent konsultieren einen Arzt, vier Prozent arbeiten dann von zu Hause aus. Dabei geht es den Führenden nicht um Selbstausbeutung, denn 73 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen fühlen sich im Job bestätigt. Insgesamt 86 Prozent der Befragten pflegen nach eigenen Angaben einen gesunden Lebensstil, indem sie regelmäßig Obst, Gemüse und Fisch essen und an Werktagen auf Alkohol verzichten. Mehr als die Hälfte treibt zwei Mal in der Woche Sport. Fast zwei Drittel gehen jährlich zum Gesundheitscheck. Wie fit fühlt sicht Deutschlands Führungsriege? HB 16.11.15

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Karriere ist Kopfsache 
Mittwoch, 25. November 2015 - Studien
Eine Langzeitstudie der Universität Illinois zeigt, dass beruflicher Erfolg weniger von den sozialen Umständen des Elternhauses abhängt als vielfach gedacht. Für die Untersuchung waren 1960 und 1971 mehr als 80.000 junge Menschen im Alter von 14 bis 17 Jahren zu ihrem Elternhaus, ihrem Bildungsstand und ihren beruflichen Zielen befragt worden. 44 Jahre später betrachteten die Forscher dann, wie sich Intelligenz, Persönlichkeit und der sozioökonomische Status der Eltern auf die Berufsbiographien der damals Jugendlichen ausgewirkt hatten. Dabei zeigte sich, dass für den späteren Berufserfolg vor allem die Intelligenz der Befragten ausschlaggebend war - unabhängig von Herkunft und Persönlichkeit. So verdienten kluge Kinder aus den ärmsten Familien als Erwachsene 39 Prozent mehr als Kinder, die aus guten Familien kamen, aber weniger intelligent waren.
Intelligenz ist Karrierefaktor Nummer eins, WiWo 15.11.15

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