Wut-Kommentare sind auch eine Stimmungsfrage 
Dienstag, 21. Februar 2017 - Bewusstsein, Studien
Der zunehmend raue Ton im Internet ist wahrscheinlich nicht nur einer wachsenden Zahl so genannter "Wut-Bürger" zuzurechnen. Ein Studie der Universitäten Standford und Cornell zeigt: Sind wir ohnehin schon mies drauf, wächst unsere Bereitschaft, böse Kommentare zu verfassen, deutlich. Die Wissenschaftler hatten ihre Probanden in mehrere Gruppen unterteilt. Manche mussten leichte Rätsel lösen, was ihre Stimmung hob. Andere wurden mit schweren Aufgaben unter Druck gesetzt. Anschließend sollten sich beide Gruppen an einer Online-Diskussion über einen herausfordernden Artikel beteiligen. Eine Gruppe stieg in eine laufende Diskussion mit ausgewogenen Kommentaren ein, eine andere in einen eher hitzigen Disput. Die Probanden, die zuvor unter Druck gesetzt worden waren, verfassten nun mit einer 89 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit Troll-Kommentare, bei denen, die sich in den Disput einklinkten, lag die Wahrscheinlichkeit für Troll-Kommentare um 68 Prozent höher. Der raue Umgangston im Netz wird also durch die momentane Gemütsverfassung der Agierenden wie auch durch die vorherrschende Stimmungslage innerhalb von Diskussion sehr wesentlich geprägt.
Um diese Zeit erwacht der digitale Hetzer in uns, welt.de 12.2.17

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Anderen Menschen durch Meditation näher kommen 
Donnerstag, 16. Februar 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Dank Internet und Social Media haben wir heute viel leichter Kontakt zu anderen Menschen. Doch wirkliche Nähe stellt sich in virtuellen Begegnungen oft nicht ein. Und auch im Job mögen wir täglich viele Gespräche führen, doch allzu leicht ist auch hier tiefere Verbundenheit im Miteinander Mangelware. Das von der Neurowissenschaftlerin Tania Singer initiierte ReSource-Projekt untersucht, welche Bedeutung Partner-Meditationen für das soziale Zusammensein haben können. In einem neunmonatigen Kurs lernten die Studienteilnehmer unter anderem die Stille Meditation alleine kennen, den Body Scan wie auch eine Form der Partner-Meditation, bei der jeweils zwei Teilnehmer sich - meist virtuell per Videokonferenz - dialogisch miteinander verbanden. In den Dialog-Meditationen sprach jeweils ein Partner über Gefühle und Körperwahrnehmungen in schwierigen Situationen oder teilte verschiedene Perspektiven einer persönlichen Erfahrung, während die andere Person einfach achtsam zuhörte. In der Untersuchung zeigte sich, dass die Partnerübungen nicht nur die Nähe zwischen den Beteiligten erhöhte (wobei für die Übungen die Partner immer wieder gewechselt wurden), sondern die Meditierenden auch bereiter waren, sehr Persönliches preiszugeben. Studienleiterin Bethany Kok geht davon aus, dass die Näheerfahrung nicht zuletzt durch das achtsame Zuhören und die Akzeptanz gegenüber den Sprechenden gestützt wurde, während in alltäglichen Gesprächen Menschen oft beim Zuhören in eigene Gedanken versunken sind, schon über ihre mögliche Antwort nachdenken oder ihr Gegenüber bewerten. Die Studienteilnehmer bewerteten die Partner-Meditationen insgesamt höher als die Meditationen allein, die sie ebenfalls während der Untersuchung regelmäßig absolvierten.
Can meditating together improve your relationships? Greater Good 6.2.17


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Damit das Gehirn nicht träge wird 
Dienstag, 14. Februar 2017 - Studien, Arbeit
Wann haben Sie zum letzten Mal bewusst über einen längeren Zeitraum hinweg etwas neues gelernt? Ich meine so richtig gelernt? Mir ist es manchmal ein Rätsel, wie ich als Studentin Acht-Stunden-Tage in Vorlesungen und Seminaren durchgestanden habe, in denen ich die vermittelten Inhalte wach und aufmerksam in mich aufgenommen habe. Wenn ich heute auf Konferenzen bin, bin ich abends völlig geschlaucht - und beobachte in mir, dass ich längst nicht mehr jedem Input aktiv nachgehe. Fürs Gehirn ist das natürlich Gift. "Unsere fluide Intelligenz, also wie schnell wir etwas begreifen, nimmt ab einem Alter von 16 Jahren zwar ab", zitiert die Wirtschaftswoche Gerhard Roth, Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie vom Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen. Hier und dort Informationen im Internet zusammenzuklauben, reicht wohl nicht, um diesem Verfall zu begegnen. Andererseits zeigen Studien mit Senioren, dass sich die Gedächtnisleistung auch in höherem Alter wieder auf Vordermann bringen lässt. In mehreren Versuchen lernten Senioren über einige Monate mit einem wöchentlichen Engagement von 15 bis 20 Stunden etwas neues. "Wer über mehrere Monate hinweg wirklich anspruchsvolle Aufgaben löst, verzeichnet einen robusten Effekt auf seine Gedächtnisleistung", so Roth. Die Beispiele zeigen: Mit ein bisschen Internet-Zapping und eher passivem Medienkonsum ist es nicht getan, aber wirkliche Anstrengung wird vom Gehirn belohnt.
Was unser Gedächtnis ruiniert, WiWo 2.2.17


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Für junge Arbeitnehmer wird es immer enger 
Montag, 13. Februar 2017 - Studien, Arbeit
Zwar ist Deutschland mit einer Jugendarbeitslosigkeit von 6,5 Prozent weit entfernt von den dramatischen Zuständen anderer EU-Länder wie beispielsweise Griechenland, wo gegenwärtig rund jeder zweite junge Arbeitnehmer keinen Job findet, doch wird der Übergang ins Arbeitsleben auch hierzulande für junge Menschen schwieriger. Das führt dazu, dass sie immer länger von ihren Eltern abhängig sind, länger zu Hause wohnen und insgesamt nicht so schnell wie einst üblich ein wirklich eigenständiges Leben führen können. Der 15. Kinder- und Jugendbericht des Deutschen Jugendinstituts zeigt: Immer häufiger ist der Nachwuchs prekär beschäftigt, sei es mit Befristung, in Teilzeit, als feste Freie oder in Praktika. Die Sachverständigen gehen davon aus, dass rund ein Fünftel der 14- bis 19-Jährigen und etwa ein Viertel der 20- bis 24-Jährigen von Armut betroffen sind. Man fragt sich schon, welche Auswirkungen diese Unsicherheit nicht nur finanziell, sondern auch im Hinblick auf das Selbstbild junger Arbeitnehmer und ihre weitere berufliche Entwicklung haben wird. Nicht unwahrscheinlich dürfte es sein, dass der Druck, unter dem die junge Generation heute steht, nicht einfach verschwindet.
Am finanziellen Tropf der Eltern, Karriere-Spiegel 2.2.17

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Die dunklen Seiten hoher Identifikation mit dem Arbeitgeber 
Mittwoch, 8. Februar 2017 - Studien, Arbeit, Management
Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass eine hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber positive Folgen hat. Die Mitarbeiter fühlen sich wohl, arbeiten engagiert, oft zeigen beliebte Arbeitgeber auch eine überdurchschnittliche Performance. Nun haben Wissenschaftler der Colorado-State-Universität 40 Studien zum Thema genauer unter die Lupe genommen - und dabei herausgefunden, dass besonders große Verbundenheit im Job auch deutlich erkennbare dunkle Seiten hat. So neigen besonders commitete Angestellte leichter dazu, Verfehlungen des Unternehmens zu ignorieren - oder sogar selbst unethisch zum Wohle der Firma zu handeln. Änderungen im Unternehmen führen bei sehr verbundenen Mitarbeitern leicht zu einer "Bedrohung ihrer Identität". Wird die Verbundenheit zur Gemütlichkeit, leiden auch Leistung und Kreativität, da Mitarbeiter leicht in bestehenden Strukturen gefangen sind, ohne diese noch sehen zu können. Die Verbundenheit nach Innen könne außerdem in eine stärkere Abgrenzung nach Außen münden oder gar in Misstrauen gegenüber anderen Firmen und Feinddenken gipfeln. Und gerät das eigene Unternehmen in Schwierigkeiten oder unter Beschuss, leiden die sehr treuen Mitarbeiter besonders stark. Gewinnt der Job im Leben eine zu große Bedeutung, könne das Wohlbefinden leiden, weil es zu Konflikten, beispielsweise mit dem Partner, komme. Selbst im Traumjob und bei aller Liebe - es kann nicht schaden, das eigene Arbeitsumfeld nicht nur aus emotionaler Eingebundenheit heraus wahrzunehmen, sondern die Dinge auch mit wachem Verstand zu betrachten.
Zu viel Identifikation mit der Firma schadet, WiWo 27.1.17

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Unsicherheit schlägt aufs Wohlbefinden - auch nach Jahren 
Montag, 6. Februar 2017 - Lebensart, Studien, Arbeit
Die Folgen von Stress, der durch Überlastung im Job entsteht, werden bereits vielfach untersucht. Seine "Vorstufen", beispielsweise das unterschwellige Unbehagen, das vielen Menschen aufgrund unsicherer werdender Arbeitsverhältnisse immer öfter zum ständigen Begleiter wird, haben indes erst wenige auf dem Schirm. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) geht davon aus, dass dieser Druck auf die Betroffenen wirken kann wie körperliche Leiden. Und eine Studie des Helmholtz-Zentrums München: Die Sorge um den Job kann Langzeitfolgen haben. Die Wissenschaftler hatten 1.800 Arbeitnehmer in Süddeutschland befragt - einmal, während sie noch im Berufsleben standen, und 20 Jahre später im Ruhestand. Diejenigen, die als Berufstätige in Sorge um den eigenen Job lebten, zeigten selbst nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben noch ein deutlich geringeres Wohlbefinden als jene, die diese Sorge nicht erlebten. Für die Forscher ein Risikofaktor für die seelische und körperliche Gesundheit.
Wenn Arbeit krank macht, SZ 16.1.17

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Globalisierung löst nicht die großen Fragen der Zeit 
Dienstag, 31. Januar 2017 - Studien
Der Glaube an das Wachstum der Wirtschaft scheint in den weltweiten Führungsetagen zwar nicht ungebrochen, doch ein gewisser Optimismus ist immer noch erkennbar. In der PwC Global CEO Survey gaben 29 Prozent der knapp 1.400 weltweit befragten Firmenlenker an, zuversichtlich zu sein, dass die globale Wirtschaft in diesem Jahr wachse. Allerdings zeigt sich in den Führungsetagen auch Skepsis, denn immer weniger Führungskräfte glauben, dass die Globalisierung auch den großen Herausforderungen der Zeit konstruktiv begegnen kann. 44 Prozent haben Zweifel im Hinblick auf die Schließung der Lücke zwischen Arm und Reich, 35 Prozent vermissen Fairness im globalen Steuerwettbewerb und 28 Prozent sehen es kritisch, ob die globale Wirtschaft zur Bekämpfung von Klimawandel und Ressourcenknappheit beitragen kann. Wirklich positiv hingegen sehen die Top-Manager die universelle Vernetzung, die heute möglich ist.
PwC Global CEO Survey, 16.1.17

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Wie Meditation Menschen verbinden kann 
Mittwoch, 25. Januar 2017 - Bewusstsein, Studien
Mit Meditation verbindet man gewöhnlich, alles loszulassen, in die Stille zu gehen, sich auf nichts mehr zu beziehen. Die Neurowissenschaftlerin Tania Singer erforscht mit ihrem ReSource-Projekt eine weitere Dimension des Meditierens und geht der Frage nach, wie Achtsamkeitsübungen dazu beitragen können, mehr Verbundenheit mit anderen Menschen zu entwickeln. In einer Übung, die "kontemplative Dyade" genannt wird, übten die Teilnehmer ihrer Studie an fünf Tagen pro Woche gemeinsam mit einem meist unbekannten Gegenüber. Die Teilnehmer wurden mit einer Smartphone-App zusammengebracht, die Gespräche verliefen meist virtuell. Ein Teilnehmer berichtete einige Minuten über ein unangenehmes Erlebnis, das ihn sehr beschäftigte, und danach über etwas, für das er dankbar war. Der andere hörte einfach aufmerksam zu, ohne auf das Gesprochene in irgendeiner Weise zu reagieren. Über die sechs Monate des Übens zeigte sich, dass die Probanden eine wachsende Verbundenheit untereinander erlebten. "Sie bauten damit eine emotionale Nähe zueinander auf – obwohl der Dialogpartner jede Woche aufs Neue wechselte und die Übungseinheiten meist statt von Angesicht zu Angesicht über eine eigens entwickelte Smartphone-App durchgeführt wurden", so Bethany E. Kok. Die Neurowissenschaftler ziehen daraus den Schluss, dass sich die Teilnehmer nicht nur ihrem direkten Partner innerhalb der Dyade näher fühlten, sondern den Menschen im Allgemeinen. Meditation ist also nicht nur etwas für "Eremiten", sie hat konkrete soziale Wirkungen.
Meditation: Zweisam statt einsam, Doc Check News 11.1.17

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