Warum wir nicht unbedingt nach einem "Traumjob" suchen sollten 
Dienstag, 18. Mai 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
In Karriereratgebern wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Menschen in den Jobs am besten arbeiten, für die sie eine wirkliche Leidenschaft empfinden. Die Suche nach einem solchen Traumjob ist vielleicht aber gar nicht so konstruktiv, wie viele meinen. Der britische Ökonom Dan Cable beispielsweise warnt davor, sich zu sehr an einer solchen Vision festzubeißen, unter anderem, weil die wenigsten beruflichen Tätigkeiten diese hohen Kriterien erfüllen dürften. Unrealistische Ansprüche seien auf Dauer mehr als frustrierend. Er rät Menschen eher, einmal zu beobachten, von welchen Tätigkeiten sie nicht lassen, obwohl sie sich anstrengen müssen und sich dabei auch die eine oder andere Blase einhandeln. "Eine Blase entsteht dort, wo man sich an etwas reibt – und sich sogar ein bisschen überreizt – und dennoch nicht davon ablässt. Was ich an dem Satz mag, ist, dass er zum Ausdruck bringt, dass man sich an etwas leidenschaftlich abarbeiten kann, auch wenn es einen nicht immer unbedingt die ganze Zeit glücklich macht oder leicht fällt", so Cable. Hier scheint ein Interesse zu erwachen und ein Engagement möglich zu werden, das von einer tieferen Anziehungskraft getragen ist. Vielleicht muss Arbeit nicht immer easy sein oder unsere größten Wünsche erfüllen. Faszination, selbst wenn wir sie womöglich noch nicht einmal verstehen, kann ein großer Treiber sein. Und Cables Denken lässt auch genügend Raum für den Pragmatismus, der in der Arbeitswelt nun einmal gang und gäbe ist.
Die eigene Karriere planen: Was ihr tun solltet, statt eurer Leidenschaft zu folgen, Business Insider 10.5.21

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Um die Mittagszeit machen Arbeitende es sich gerne leicht 
Montag, 17. Mai 2021 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit
Sie möchten einen Kredit beantragen oder haben in anderen wichtigen Entscheidungen mit Behörden zu tun? Dann sollten Sie für Verhandlungen unbedingt die Mittagszeit vermeiden. Denn eine neue britische Studie zeigt: Am Ende des Vormittags machen sich Sachbearbeiter statistisch betrachtet zu treffenden Entscheidungen gerne leicht und gehen eher auf Nummer sicher. Die Wissenschaftler untersuchten für die Studie mehrere Tausend Kreditanträge von 30 Sachbearbeitern einer Großbank. Darin ging es um die Wünsche nach Umschuldungen, weil die Kreditkunden ihre vereinbarten Raten nicht mehr tragen konnten. Am früheren Vormittag bearbeitete Anträge wurden dabei von den Sachbearbeitern wesentlich öfter bewilligt als jene, die kurz vor der Mittagspause auf ihrem Schreibtisch landeten. Bei jedem Antrag sind komplexe Sachverhalte abzuwägen, darunter die Wahrscheinlichkeit, ob eine Senkung der Rückzahlungsraten dauerhaft der Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer hilft. Denn eine Verlängerung des Zahlungsziels verschafft der Bank zwar ihr Geld später, aber so verhindert sie auch, dass bei Beibehaltung der ursprünglich vereinbarten Ratenhöhe der gesamte Kredit ausfällt. In den Vormittagsstunden zeigten die Sachbearbeiter deutlich mehr Engagement, die komplexen Sachverhalte bis ins Detail zu prüfen, während sie, je näher die Mittagspause rückte, öfter auf die Einhaltung des ursprünglichen Vertrags pochten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich hier über die Zeit eine Entscheidungsmüdigkeit einstellt, so dass die Mitarbeiter lieber auf Nummer sicher gehen, als mögliche Chancen und Risiken genau abzuwägen. Für die Banken ist das ein Risiko, denn "auf Nummer sicher" kann auch bedeuten, dass ihnen eine durch Streckung der Raten mögliche Rückzahlung entgeht. Die Studie zeigt einmal mehr, dass Menschen nicht wie Maschinen kontinuierlich die gleiche Leistung liefern. Vielleicht täten Arbeitgeber gut daran, die Arbeitsbelastung ihrer Mitarbeiter entsprechend zu planen.
Warum Sie einen Kredit nicht zur Mittagszeit beantragen sollten, spiegel.de 7.5.21

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Nicht allein die Algorithmen sind schuld 
Freitag, 14. Mai 2021 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft, Arbeit
Immer wieder wird darüber diskutiert, wie sehr unsere Lebenswelten inzwischen von Algorithmen geformt werden. Fast alle Technologien, die wir nutzen, basieren in ihren Prozessen auf Vorannahmen über die Welt, die von den technischen Routinen gemäß der Logik ihrer Programmierer auf zu lösende Probleme angewendet werden. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass die so genannte künstliche Intelligenz, selbst wenn sie über Mechanismen des Selbstlernens verfügt, niemals autonom ist. Am Anfang steht immer der Mensch, mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Visionen, aber auch seinen Denkbegrenzungen. "Algorithmen sind nicht rassistisch. Menschen, die Algorithmen einsetzen, obwohl sie rassistische Ergebnisse produzieren, sind rassistisch. Dennoch muss man sich fragen, wie es dazu kommt, dass Algorithmen rassistische Ergebnisse produzieren. ... Wer eine ... KI gestalten wollte, würde hierfür Daten aus vergangenen Entscheidungen in einen Computer einspeisen, auf deren Basis ein Algorithmus entwickelt wird. Wenn allerdings diese Trainings- und Testdaten bereits rassistisch diskriminieren, weil in der Vergangenheit Menschen durch menschliche Entscheider rassistisch diskriminiert worden sind, dann werden deren subjektive Fehler durch den Algorithmus lediglich objektiviert", erklärt der Philosoph Sebastian Rosengrün in einem Interview mit dem Philosophie Magazin. Er plädiert dafür, Entscheidungen und Prozesse, die mit Menschen zu tun haben, nicht allein auf Maschinen zu verlagern: "Das eigentliche Unding besteht vielmehr darin, dass überhaupt Entscheidungen über menschliche Schicksale an Maschinen delegiert und damit automatisiert werden. Immer wenn Menschen nicht als Menschen angesehen, sondern auf Datenpunkte reduziert werden, läuft etwas grundlegend falsch."
Sebastian Rosengrün: „Algorithmen sind nicht rassistisch, Menschen sind rassistisch“, Philosophie Magazin 5.5.21

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mitarbeiter sind volatilen Herausforderungen oft nicht gewachsen 
Mittwoch, 12. Mai 2021 - Studien, Arbeit, Management
Fachkenntnisse sind die eine Sache, die es braucht, um im Beruf erfolgreich zu sein. Doch in den volatilen Arbeitsumgebunden von heute ist weit mehr gefragt. Und viele Arbeitnehmer scheinen für diese sich stetig wandelnden Anforderungen wenig gerüstet zu sein. Eine Umfrage der Beratungsfirma Kienbaum und des Jobportals StepStone unter 3.000 Fach- und Führungskräften zeigt: 60 Prozent der Befragten sehen hier im eigenen Unternehmen gravierende Engpässe. Und eine Mehrheit der Führungskräfte glaubt, dass diese Lücke in den kommenden fünf bis zehn Jahren noch deutlich größer werden wird. Zu den vermissten Befähigungen, um die es geht, zählen in ihren Augen Digitalkompetenzen, lebenslanges Lernen, Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Was all diese Fähigkeiten gemeinsam haben, ist, dass sie sich nicht auf festgefügte Methoden beziehen, die man einmal lernt und dann für immer zur Verfügung hat. Es geht eher darum, sich immer wieder auf neue, oft komplexe Situationen einzustellen, kreative Lösungen zu entwickeln und mit den unterschiedlichsten Menschen zu einer gelingenden Kommunikation zu finden. Viele Mitarbeiter scheinen gewillt, in diese Herausforderungen hineinzuwachsen, beklagen aber auch, dass die Förderung ihrer Entwicklung durch den Arbeitgeber oft zu wünschen übrig lasse.
Das Ende von „9 to 5“ – warum der Routine-Job jetzt ausstirbt, welt.de 4.5.21

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mentale Gesundheit als Politikum 
Dienstag, 11. Mai 2021 - Lebensart, Psychologie
Im Vergleich zu lebensbedrohlichen körperlichen Erkrankungen werden psychische Leiden immer noch gerne bagatellisiert. Die neuseeländische Regierung hat nun den Schritt gewagt, "mental health" zu einer wichtigen Angelegenheit zu erklären. Ein Vorstoß, der auch in der EU mehr Anklang finden sollte, wie die CDU-Politikerin Diana Kinnert im Gespräch mit dem Deutschlandfunk bekundet. Digitalisierung, Brüche in der Arbeitsbiografie oder gesellschaftliche Diversität sind in ihren Augen für viele überfordernd und lassen immer mehr Menschen krank werden. "Ich glaube, dass die zunehmende Unsicherheit den Leuten auf die Seele drückt", so Kinnert. Psychische Probleme seien zwar inzwischen keine Tabuthemen mehr, doch bedürfe es deutlich mehr Hilfen für Betroffene.
Warum unsere Seele politische Chefsache ist, Deutschlandfunk Kultur 5.5.21

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Weniger arbeiten? Nicht in Sicht ... 
Montag, 10. Mai 2021 - Studien, Arbeit
In den letzten Jahren zeigen Studien immer wieder, dass viele Deutsche gerne weniger arbeiten würden. Statistisch betrachtet sind die Arbeitszeiten hierzulande hingegen seit nahezu 30 Jahren so gut wie unverändert, wie eine Auswertung des Statistischen Bundesamts zeigt. Vollzeitbeschäftigte arbeiten im Schnitt rund 41 Wochenstunden, ein kleiner Rückgang von 25 Minuten verglichen mit der Zeit direkt nach der Wiedervereinigung. Der Anteil derer, die mehr als 48 Stunden in der Woche im Job verbringen, sank leicht von 10,3 auf 9,7 Prozent. Rechnet man Teilzeitarbeit (durchschnittliche Wochenarbeitszeit 19,5 Stunden) ein, verändert sich das Gesamtbild und die Durchschnittsarbeitszeit ist um fast vier Stunden auf 34,8 Wochenstunden gesunken. Signifikant ist hingegen die Verschiebung der Arbeitszeiten auf Abendstunden und das Wochenende. Ein Fünftel der Beschäftigten arbeitet regelmäßig auch zwischen 18 und 23 Uhr, jeder Zwanzigste auch nachts. Samstags sind 25 Prozent der Erwerbstätigen regelmäßig im Job, sonntags sind es 12,5 Prozent.
Arbeitszeiten in Deutschland seit 30 Jahren nahezu unverändert, zeit.de 30.4.21

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Am liebsten in Fensternähe mit freier Sicht 
Freitag, 7. Mai 2021 - Studien, Arbeit
Arbeiten im Großraumbüro ist wahrlich nicht jedermanns Sache - und im Moment dank Home Office für viele auch kein Thema. Eine kleine Studie aus Großbritannien gibt nun erste Hinweise darauf, mit welchen Details die Beschäftigten ringen, insbesondere wenn es um ihren eigenen Platz im Raum geht. Wer viele Schreibtische von Kollegen im Blick hat, bewertet den eigenen Platz beispielsweise weniger positiv. Ein Schreibtisch in Fensternähe hingegen lässt Mitarbeiter gefühlt produktiver und konzentrierter sein. Sitzplätze, bei denen man viele Kollegen im Rücken hat, stoßen auf wenig Gegenliebe, wohl aufgrund des Gefühls mangelnder Kontrolle, das sie hervorrufen. Wer sich schon mal mit Feng Shui beschäftigt hat, kann nachvollziehen, dass an all diesen Wahrnehmungen etwas dran ist. Evolutionär betrachtet haben wir einfach ein tief verwurzeltes Gespür dafür, welche Umgebungen uns hilfreich sind und welche vielleicht solches Gefahrenpotential bergen. Wer möglichst viele Menschen auf möglichst wenig Raum unterzubringen versucht, dürfte auf diese Befindlichkeiten allerdings nur schwer Rücksicht nehmen können. Aber wer weiß, ob es nach der Pandemie eine nahtlose Rückkehr zum Großraumbüro alter Schule geben wird. Lassen wir uns überraschen.
Wo ist der beste Platz im Großraumbüro?, spiegel.de 30.4.21

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Pandemie beflügelt Jobwechsel-Fantasien 
Donnerstag, 6. Mai 2021 - Studien, Arbeit
Gut jeder vierte Arbeitnehmer denkt akut darüber nach, den Job zu wechseln und verstärkt seine Suchbemühungen, so die Erkenntnisse einer Umfrage der Stellenbörse Stepstone unter 28.000 Beschäftigten, die im Herbst vergangenen Jahres durchgeführt wurde. Durch die Pandemie sei vielen klar geworden, dass sie womöglich im falschen Beruf gelandet sind. Für andere geht es um Sicherheit, denn immerhin 13 Prozent haben durch die aktuelle Krise das Gefühl, dass die Arbeit, der sie nachgehen, ihrem Sicherheitsbedürfnis nicht entspricht. Auf dem Jobportal zeigt sich diese Neigung darin, dass die Suchen nach Jobs im öffentlichen Dienst um 12 Prozent gestiegen sind. Etwa 60 Prozent der Befragten sind ins Grübeln gekommen, weil sie spüren, dass ihre momentane Arbeit ihnen keinen Sinn gibt, und denken über einen Wechsel nach. Man kann gespannt sein, wie sich dieser Einstellungswandel künftig auf dem Arbeitsmarkt zeigt.
Job auf dem Prüfstand: Jeder vierte will durch Pandemie-Erfahrung seinen Job wechseln, Business Insider 27.4.21

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Weiter