An den Grenzen der Belastbarkeit 
Freitag, 29. Mai 2009 - Management
Für die Studie "Arbeit und Leben in Organisationen 2008" befragten Sozialpsychologen der Universität Frankfurt und der Technischen Universität Chemnitz 1.000 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Supervision, um Einblicke in die drängendsten Probleme von Organisationen zu erhalten. Das Fazit der Forscher ist ernüchternd, denn viele Organisationen zeigen sich von den immer mehr zunehmenden Veränderungsprozessen geradezu gebeutelt: "Der ökonomische Druck der letzten Jahre und der daraus entstehende ständige Reformzwang hat zu einer höchst problematischen 'Blase' sich verdichtender Probleme in Organisationen geführt, die lange Zeit kaum wahrgenommen wurde, nun aber 'platzen' könnte", befürchtet Rolf Haubl, Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie an der Uni Frankfurt. Beschäftige könnten den permanenten Umbau oft nicht mehr nachvollziehen, was dazu führe, dass sich viele Mitarbeiter nicht mehr mit ihrer Organisation identifizieren können und sie sich gleichzeitig gezwungen sehen, professionelle Standards und Arbeitsqualität zu verletzen, um kurzfristige ökonomische Zielmargen zu erfüllen. Führungskräfte werden in diesem Prozess oft zu Antreibern und geben als drängende Change-Agents den Druck von oben nach unten weiter. "Die Beschäftigten beklagen, dass ihre Chefs oft die notwendigen Führungskompetenzen nicht mit bringen, um den Wandel für die Mitarbeiter erträglich zu unterstützen - kurz: Führungskräfte scheinen in vielen Bereichen selber überfordert", erläutert Dr. Bettina Daser, Sozialpsychologin im Frankfurter Team von Prof. Haubl. Eine Verdichtung und Beschleunigung von Arbeitsprozessen erhöht dabei die Belastungen der Beschäftigten und kann dazu führen, dass diese ihre physische und psychische Gesundheit aufs Spiel setzen.
Das Betriebsklima und die Grenzen der Belastbarkeit, idw 18.5.2009


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Innerer Krieg in Zeiten der Krise 
Mittwoch, 27. Mai 2009 - Management
Das Handelsblatt hat mit dem Unternehmensberater Andreas Salcher darüber gesprochen, warum es im Berufsleben wichtig ist, mit Kränkungen adäquat umzugehen, und wie man seine diesbezügliche emotionale Intelligenz trainieren kann. Aus Sicht des Beraters entfacht die gegenwärtige Krise für viele vor allem männliche Arbeitnehmer unabhängig von der konkreten Frage eines Jobverlusts existenzielle Krisen: "Männer definieren sich oft über Macht, weniger über ihre Persönlichkeit. Sie sind dann durchaus leicht verletzlich. Gerade jetzt in Krisenzeiten erlebe ich täglich viele Fälle, die sich gekränkt fühlen. Obwohl es ja eigentlich "nur" um den Beruf geht, fallen bei solchen Leuten die Lebensziele in sich zusammen. Medizinisch betrachtet sind es dieselben Symptome wie bei Kriegsverletzten. Machtgier ist ja nichts anderes als das Kompensieren von fehlender Liebe. Das steckt grundsätzlich in jedem Menschen drin. Leider scheitern die meisten Manager nicht an ihren Fähigkeiten, sondern an dem Mangel von emotionaler Intelligenz." Salcher rät Führungskräften, an ihrer emotionalen Intelligenz, die sich im Gegensatz zur kognitiven sehr gut entwickeln lässt, zu arbeiten, um mit Kränkungen konstruktiv umgehen zu können. "Wir müssen Niederlagen in unser Leben integrieren. Dabei spielt die Schwere der Verletzungen gar keine Rolle. Das hat mit Selbstvertrauen zu tun. Man darf unangenehmen Erfahrungen nicht ausweichen, sondern muss aus ihnen lernen. Das unterscheidet Sieger von Verlierern", so der Unternehmensberater.
"Erfolg hat, wer Kränkungen wegstecken kann", HB 17.5.2009


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Kämpfen, kämpfen und noch mal kämpfen 
Montag, 25. Mai 2009 - Management
Die Wirtschaftswoche widmet einen großen Beitrag den Karrieren von Managern mit körperlicher Behinderung. Sie beraten internationale Top-Konzerne, sind - obwohl fast gehörlos - erfolgreiche Mediziner oder schaffen es im Mittelstand - im Rollstuhl sitzend - bis an die Firmenspitze. Den Ausnahmeerscheinungen im Management ist eines gemeinsam: Alle der portraitierten Führungskräfte haben sich trotz ihrer Behinderung nach vorne gekämpft. Sie bringen das mit, was laut Wirtschaftswoche Führungspersönlichkeiten auszeichnet: "Selbstbewusstsein, Motivation, Disziplin und Kampfgeist." Im Artikel ist viel die Rede von Knochenarbeit, besonderer Leistungsbereitschaft und Durchsetzungsstärke. Und die Einblicke in den Arbeitsalltag dieser Führungskräfte mit Handicap zeigen, dass dieser vor allem durch eines geprägt ist: Durch Kampf - gegen die Vorurteile anderer und die eigenen Schwächen. So eindrucksvoll diese Manager-Biographien sind, stimmen sie doch auch nachdenklich, denn sie beschwören ein Kämpfernaturell, das ein gewisses Maß an Harmonie in der Arbeitswelt schlicht illusionär erscheinen lässt. Und macht die erfolgreichen Kämpfer zu Vorbildern, neben denen Manager, die lieber mit mehr Balance arbeiten möchten, leicht als Jammerlappen erscheinen. So gut gemeint solche Vorbilder-Storys von der "Front" auch sind, tragen sie doch auch dazu bei, dass sich bestimmte Bilder in den Köpfen verfestigen: Ein guter Manager ist nur, wer ständig kämpft. Und man muss sich fragen: Wäre ein auf den Rollstuhl angewiesener Chef auch für eine Story gut, wenn er sich nicht den ganzen Tag durchboxen muss?
Karriere mit Handicap, WiWo 11.5.2009


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Vordenker für die Wirtschaftswende 
Donnerstag, 7. Mai 2009 - Management
Peter Spiegel, Gründer des Genisis Instituts für Social Entrepreneurship, mahnt an, dass es in der Wirtschaft an Think Tanks für Vordenker fehlt, die einen umfassenden Wandel propagieren "Wir haben keine wirklich starken Think-Tanks und keine wirklich starken Lobbies für eine wirklich zukunftssichernde Wende der Weltwirtschaft. Wir haben zwar durchaus sehr kluge Vordenker (im Sinne von 'Intellectual Entrepreneurs') und ebenso sehr visionäre und erfolgreiche "Unternehmer einer besseren Welt". Aber sie haben es bisher versäumt, sich zu so starken Think-Tanks und zu so starken Lobbies zu organisieren, dass sie Gehör finden zu der Stunde, in der sie so dringend gebraucht werden wie nie zuvor. Die vielleicht entscheidende Dimension in unserer gegenwärtigen Systemkrise ist die Krise in unserem System der Vordenk- und Lobby-Kultur." Spiegel geht es dabei nicht alleine um eine völlig neue Denk-Kultur in der Wirtschaft, sondern auch um das Verständnis, dass diese neuen Gedanken auch in der Praxis verankert sein müssen: "Wir brauchen heute Vordenker, deren Horizont nicht nur auf ökonomische Zusammenhänge und ökonomische Interessen beschränkt ist, sondern die willens und in der Lage sind, globalverantwortlich im umfassenden Wortsinne zu denken. Doch diese bedürfen vor allem noch der substanziellen Ergänzung um erfolgreiche, unternehmerische Praktiker dieses Denkens, denn die besten Vorbilder sind auch die besten Quellen des Vordenkens für eine Rahmenordnung, die Ökonomie, Ökologie und Soziales am intelligentesten zusammenspielen lässt. Ergo: Die besten ökosozialen Zukunfts-Unternehmer müssen sich zu einem starken Think-Tank zusammenschließen und diesen gemeinsam mit verantwortungsvollen Zukunfts-Denkern gestalten." Eine ökosoziale Marktwirtschaft könnte eine Wende einleiten: "Es gilt die leichte Abwandlung eines bekannten Einstein-Zitats: Die Experten, die ein Problem verursacht haben, können nicht zugleich auch die Experten sein, die zu dessen Lösung beitragen. Der Leitgedanke, den wir heute brauchen, dürfte nach dem Crash relativ unstrittig sein: eine globale ökosoziale Marktwirtschaft. Doch diese braucht dringlichst eine starke, überzeugende, beharrliche, kreative und unternehmerische Stimme."
"Nowendig: Ein Think-Tank der Zukunfts-Unternehmer", Forum Nachhaltig Wirtschaften, 28.4.2009

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Chaos in den Führungsköpfen 
Mittwoch, 6. Mai 2009 - Management
Das Manager Magazin hat den Executive Coach Georg Fischer dazu befragt, wie sich die Wirtschaftskrise auf Top-Manager auswirkt. Nach außen geben diese sich nach wie vor als Problemlöser, doch im vertraulichen Gespräch mit dem Coach offenbart sich immer öfter Ratlosigkeit: "Zum Beispiel anhand von bekannten psychosomatischen Symptomen, wie beispielsweise Appetitstörungen, Schlafstörungen, Libidostörungen. Wenn Kopf, Seele und Herz mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind, leidet der Alltagsrhythmus, was viele als sehr quälend empfinden. Das kann im Extremfall sogar zu depressiven Verstimmungen und zu Sinnkrisen führen. Kurzum: Die Welt steht für viele Kopf." Der Führungskräfteberater sieht eine Neigung dazu, das eigene Handlungsumfeld abzuschotten, so dass ein Hinterfragen der unternehmerischen Praxis immer schwieriger wird: "Bei sehr vielen entsteht das Selbstbild der Unfehlbarkeit. Das Selbstbild der unanfechtbaren Hochintelligenz, der unanfechtbaren kritischen Analysefähigkeit und der letztgültigen Entscheidungsmacht und Entscheidungsweisheit. Und wenn ich lange genug daran gearbeitet habe und die dazugehörige Persönlichkeit habe, entsteht ein System, das in sich wasserdicht ist und das keiner Hinterfragung bedarf und auch keine erträgt. Dann ist der Perspektivenwechsel eben nicht mehr möglich." Fischer rät Top-Managern, nicht nur Antworten parat zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen_ "Es geht in einem sehr hohen Maße um Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Um Vertrauen in die Führungsqualitäten der Führungskräfte, in die Strukturen des Systems, Vertrauen in das Unternehmen. Und wenn man Führung definiert als die Kunst, Menschen zu überzeugen und sie zur Gefolgschaft einzuladen, sodass sie freiwillig das tun, was ich für das Richtige halte für mein Unternehmen, dann muss ich genau darauf setzen und klar führen. Und zur klaren Führung gehört, nicht immer die passende Antwort parat zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen. Und zur glaubwürdigen Führung gehört bisweilen, gerade in diesen Tagen, auch zu sagen, wo ich keine Rezepte habe. Das ist immer noch viel mehr Führung als zu schweigen und gar nichts zu tun, oder aber so zu tun, als wüsste ich alles. Im Englischen würde man sagen, das ist kein Leadership, das ist Misleading."
"Die Welt steht für viele Kopf", Manager Magazin 20.4.2009


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Sich in den Dienst der Sache stellen 
Dienstag, 5. Mai 2009 - Management
In einem Interview mit dem Harvard Business Manager erklärt Führungs-Guru Ken Blanchard, warum eine reife Persönlichkeit für Führungskräfte so wichtig ist. "Manager müssen sich persönlich stärker einbringen. Statt ständig nach Anerkennung zu trachten, sollten sie sich mehr als Diener der Sache sehen. Statt sich immer wieder Gedanken über den eigenen Status zu machen, sollten Führungskräfte mehr Wert auf die Beziehungen zu ihren Mitarbeitern legen. Es ist nichts Falsches daran, Geld zu verdienen oder Beachtung zu finden. Der große Fehler ist nur, zu denken, dass es das ist, was die Persönlichkeit ausmacht. Materieller Erfolg führt nicht zu mehr Bedeutung, in Wirklichkeit ist es genau umgekehrt", sagt der Leadership-Experte - und obwohl das Gespräch bereits aus dem Jahr 2007 stammt, erweisen sich Blanchards Einschätzungen als aktueller denn je. Blanchard nennt sich "Chief Spiritual Officer" und lebt seine werteorientierten, spirituellen Ideen auch im eigenen Unternehmen: "Ich wende mich jeden Tag mit einer Voice-Mail an unsere Mitarbeiter. Diese Nachricht besteht aus drei Teilen. Wenn ich zum Beispiel weiß, Howards Mutter oder der Sohn von Alison ist verletzt worden oder irgendjemand hatte einen Herzinfarkt, dann bitte ich die Mitarbeiter in meiner Ansprache als Erstes, für diese Kollegen zu beten oder ihnen zu helfen. Eine Gemeinschaft kann sich gegenseitig sehr viel Kraft und Energie geben. Als Zweites lobe ich. Mitarbeiter sagen mir, wer Hervorragendes geleistet hat. Es ist wichtig, dass der Chef diese Anerkennung weiterträgt, denn gute Nachrichten verbreiten sich nun einmal schneller über die Hierarchie. Im dritten Teil schließe ich meist mit einer inspirierenden Botschaft. Diese Botschaften sollen wie Leuchttürme sein. Das heißt, sie sollen Zeichen sein, die die Mitarbeiter ständig daran erinnern, woran wir glauben und wofür wir stehen."
"Werte: Der Chief Spiritual Officer", Harvard Business Manager 3.2007


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Die Krise lässt sich nicht mit alten Rezepten lösen 
Freitag, 24. April 2009 - Management
Anlässlich eines Vortrages des PR-Profis und Zen-Lehrers Paul J. Kohtes zur “Logik des Gebens” vor dem Niederländisch-deutschen Businessclub Kleve haben die Niederrhein Nachrichten ein Interview mit dem Top-Manager veröffentlicht. Henk Raijer sprach mit Paul J. Kohtes unter anderem über die aktuelle Wirtschaftskrise und die nur allzu menschliche Tatsache, dass Menschen sich erst verändern, wenn der Leidensdruck groß genug ist. “Man geht erst zum Arzt, wenn es einem schlecht geht. So ist das auch mit den Managern großer Unternehmen. Viele von denen, die uns jetzt in die Krise geführt haben, hätten besser rechtzeitig anders gehandelt. Aber das ist nun einmal das Symptom jeder Krise. Prophylaktisch wird selten jemand aktiv. Auch auf der persönlichen Ebene ist es leider so, dass wir uns erst in Bewegung setzen und bei uns selbst etwas verändern wollen, wenn der Leidensdruck groß genug ist”, so Paul Kohtes. In seinen Führungskräfte-Coachings und seinen Workshops zu "Zen for Leadership" setzt der Zen-Lehrer und Manager vor allem darauf, die Dinge von einer völlig neuen Seite zu betrachten. “Die Krise mit den gleichen Rezepten zu bewältigen, die uns vorher in die Krise geführt haben, das ist ziemlich mühsam, ja nahezu unmöglich”, sagt Kohtes.
"Heilsame Vollbremsung", Niederrhein Nachrichten 8.4.2009


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European Leadership Academy in Berlin gegründet 
Dienstag, 14. April 2009 - Management
Das Coaching Center Berlin hat gemeinsam mit 21 weiteren Gesellschaftern die European Leadership Academy gegründet. Das neue Bildungsinstitut widmet sich ausschließlich dem Thema Führung von Unternehmen, Organisationen und Menschen. Zentrales Angebot der Akademie ist ein zehnmonatiges, berufsbegleitendes Entwicklungsprogramm für Führende. Es basiert auf einem integral-systemorientierten Verständnis von Führung und umfasst daher gleichwertig die Dimensionen Persönlichkeit (Ich), Gruppe (Wir), Organisation und Gesellschaft (System). Die wichtigsten Inhalte sind: Selbst- und Teamentwicklung, gesunde Lebensführung in Führungspositionen, visionäres Denken und Handeln, Verständnis und Führen komplexer Systeme, Haltung und Handeln in herausfordernden Führungssituationen. Starttermine für die Weiterbildung sind der 11. Juni und der 3. September 2009. Informationsabende der Akademie finden am 23. April und am 8. Mai statt, außerdem gibt es am 15. Mai einen Tag der offenen Tür.
www.european-leadership-academy.com/


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