Plädoyer für eine Demokratisierung der Wirtschaft 
Donnerstag, 28. Mai 2009 - Arbeit
Die taz lässt in einem Interview den an der FH Gelsenkirchen lehrenden Wirtschaftswissenschaftler Heinz-Josef Bontrup zu Wort kommen und spricht mit ihm über die Möglichkeiten einer Demokratisierung der Wirtschaft. Bontrup plädiert dafür, die "Produktionsfaktoren Arbeit, Naturgebrauch und Kapitel" rechtlich gleichzustellen anstatt sie wie bisher gegeneinander auszuspielen. Außerdem spricht sich der Ökonom für eine echte Partizipation aus, "damit die Menschen in den Unternehmen, die den Mehrwert schaffen, über die Erwirtschaftung und die Verwendung der Wertschöpfung wirklich gleichberechtigt mitentscheiden können". Auf die Frage der taz, ob man angesichts zunehmender Prekarisierung und mit Blick auf Millionen von Menschen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit keinen Zugang mehr zur unternehmerischen Sphäre habe, über mehr Mitbestimmung eine Wirtschaftsdemokratie schaffen könne, antwortet Bontrup: "Anders herum ist es richtig: Weil wir keine demokratisierte Wirtschaft haben, hat es das Kapital überhaupt vermocht, für eine gigantische Umverteilung von unten nach oben zu sorgen und dass durch eine Prekarisierung immer mehr Menschen an den Rand gedrängt werden. Hätten wir eine demokratisierte Wirtschaft, wäre das gar nicht möglich gewesen."
"Wir machen so weiter - unfassbar", taz 18.5.2009


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Mitarbeiter als Discount-Ware 
Dienstag, 26. Mai 2009 - Arbeit
Eine Werbeaktion der Zeitarbeitsfirma S&F Dienstleistungen wirft ein neues Licht auf den gegenwärtigen Umgang mit dem so genannten Human Capital. Bei einer "großen Rabatt-Aktion" warb das Unternehmen mit dem Slogan "Alle müssen raus" - und bot Firmen 15 Prozent Abschlag auf die Tarife der Zeitarbeiter (zulasten der Zeitarbeitsfirma, nicht der Mitarbeiter). Ein Vorgehen, das in der Öffentlichkeit weitgehend auf Unverständnis stieß. Wenn nicht mehr nur Elektrogeräte billig verscherbelt werden ("Ich bin doch nicht blöd"), sondern die Discount-Mentalität der Kunden auf den Umgang mit Menschen übergreift, ist Schluss mit lustig. Dabei hatten es die Verleiher nur gut gemeint, denn sie wollten für ihre Mitarbeiter auch in Zeiten der Krise Arbeitsgelegenheiten schaffen. Die IG Metall konterte: "Das kann nicht das Wirtschaftsmodell der Zukunft sein."
Der Mensch als Ware, SZ 16.5.2009


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Erst der Job, dann die Gesundheit 
Mittwoch, 29. April 2009 - Arbeit
Statistisch betrachtet sind die deutschen Arbeitnehmer gesünder denn je. Seit 1980 sank der Krankenstand in Unternehmen von 5,5 auf 3,3 Prozent. Doch hinter den Zahlen ist ein neues Phänomen entstanden: der Präsentismus. Längst nicht mehr erlauben sich erkrankte Angestellte gesundheitsbedingte Auszeiten, nein, sie schleppen sich - aufgrund des Drucks von Kollegen und der Arbeitgeber, aus Angst vor Jobverlust und übertriebenem Pflichtgefühl - auch krank ins Büro. Experten sprechen hier schon von "Krankheitsverleugnung". Das Problem: Auch wenn die Anwesenheit der Mitarbeiter auf dem Papier für gute Zahlen sorgt, profitieren die Unternehmen von diesem verinnerlichten Zwang zur Anwesenheit nicht wirklich. Ganz im Gegenteil, denn verschiedene amerikanische Studien belegen bereits, dass kranke Arbeitnehmer, die dennoch arbeiten, für einen dreifach höheren Produktivitätsverlust sorgen als wenn sie einfach zu Hause blieben.
"Krank, aber im Büro", SZ 21.4.2009


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Konstruktiv mit Niederlagen umgehen 
Mittwoch, 22. April 2009 - Arbeit
Niederlagen sind immer noch ein Tabuthema und setzen diejenigen, deren Karriere gerade eher auf dem Abstellgleis gelandet ist, unter immensen Druck. Der Autor und Trainer Hans Ruoff plädiert deshalb für mehr Ehrlichkeit im Umgang mit dem Scheitern. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kritisiert er den Anpassungsdruck an die Kriterien einer Leistungsgesellschaft, die Fortschritt oft nur mit hohem Einkommen und Status gleichsetzt. Andererseits fordert er auch von den Betroffenen eine neue Betrachtungsperspektive: "Ich muss etwas dafür tun, wenn aus einer Krise eine Chance werden soll. Ein Karrierebruch ist wie ein kleiner Tod - ich werde zunächst trauern. Wer aber in der Opferhaltung verharrt, akzeptiert die Realität nicht. Zur Neuorientierung gehört eine ehrliche Bestandsaufnahme", so Ruoff. Ein erster Schritt für den konstruktiven Neuanfang: "Wir brauchen auch eine neue Kultur des Aussteigens. Damit meine ich nicht Ziegen hüten. Man kann aber aus den Kategorien von Sieg und Niederlage aussteigen und sich stattdessen fragen: Was macht mich glücklich?"
"Vergiss den inneren Supermann", SZ 17.4.2009


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Talente entfalten, Wahlfreiheit haben 
Freitag, 3. April 2009 - Arbeit
Das Magazin Chrismon hat einen Dialog zwischen DM-Gründer Götz Werner und der Bildungssoziologin und Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger über das Thema Grundeinkommen initiiert. Während Allmendinger vor allem die Frage aufwirft, welche Motivation zum Arbeiten im Falle der Zahlung eines Grundeinkommens überhaupt noch entsteht, geht Werner das Thema von einer anderen Seite aus an: "Der Mensch hat die Veranlagung, tätig zu werden. Wer diese Veranlagung nicht hat, ist heute schon nicht tätig." Allmendinger setzt eher auf eine "präventiv ansetzende Bildung", die Neugierde und die Fähigkeit zur Selbstmotivation fördert. Werner hält dem entgegen, dass jedes Kind hochmotiviert auf die Welt komme und erst die Gesellschaft ihm die Motivation abgewöhne. So kritisiert der DM-Gründer auch das Zwangssystem, das beispielsweise hinter Konzepten wie Hartz IV stehe: "Das Arbeitslosengeld II wird nicht bedingungslos gezahlt. Wer es beantragt, muss sich dafür rechtfertigen und seine Lebensverhältnisse offenbaren. Hartz IV ist offener Strafvollzug. Die Menschen sind ihrer Freiheitsrechte beraubt." Allmendinger kritisiert hingegen, dass ein Grundeinkommen die ungleiche Einkommensverteilung nicht aufhebe, da die damit verbundene höhere Konsumsteuer Menschen mit niedrigerem Einkommen stärker treffe. Werner dagegen legt den Schwerpunkt seiner Argumentation auf die Frage, wie viel Freiheiten in einer Arbeitsgesellschaft möglich sind und was das Individuum tun könne, um sie zu nutzen. "Die Frage ist, was man mit seinen Talenten macht", so Werner, und das Grundeinkommen könne einen Raum schaffen, diese jenseits eines akuten finanziellen Drucks zu entwickeln.
"Wer würde dann noch arbeiten?", Chrismon


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Noch mal mit Gefühl 
Mittwoch, 18. Februar 2009 - Arbeit
Gefühle am Arbeitsplatz? Ein heikles Thema, und doch kommt es immer auf den Kontext an. 80 Prozent aller Entscheidungen sind von Gefühlen durchdrungen, auch wenn die Entscheider meist meinen, sie hätten rational erwogen, meint etwa Verkaufstrainer Ingo Vogel. Aus dem Weg gehen kann man Gefühlen bei der Arbeit also kaum. Psychologin Sabine Adams verweist darauf, dass die positive Macht der Gefühle im Arbeitsleben häufig unterschätzt werde, denn gute Laune, die Freude über Erfolge und Stolz könnten das Arbeitsklima fördern. Andererseits warnt sie auch, dass Manager, die nach Fehlentscheidungen in Tränen ausbrechen, künftig um ihre Autorität fürchten müssten. Zwist zwischen Kollegen? Leider nur allzu oft an der Tagesordnung. Aber: Den Umgang mit Gefühlen kann man lernen. So rät Sabine Adams dazu, sich selbst zu beobachten und den eigenen Missmut genauer unter die Lupe zu nehmen, denn dann bekommt man emotionale Automatismen leichter in den Griff. Auch Verkauftrainer Ingo Vogel weiß, wie man sein Gefühlsleben bei der Arbeit trainieren kann: Einfach mehrmals am Tag an angenehme Dinge denken, dann hat schlechte Stimmung nur wenig Raum.
"Manager dürfen bei der Arbeit nicht weinen", Die Welt 11.2.2009


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Motivation braucht Kopf und Bauch 
Dienstag, 10. Februar 2009 - Arbeit
Tobias Constantin Haupt, Psychologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, warnt davor, sich bei der Erreichung beruflicher Ziele allein auf bewusste Planung zu verlassen. Wer nur auf den Kopf setze, darüber aber den Bauch, also seine Emotionen vernachlässige, laufe Gefahr, die Motivation zu verlieren und gar in einen Burnout zu steuern. Ideal sind seiner Ansicht nach Aufgaben, bei denen sowohl Kopf als auch Bauch zustimmen. "Sie lassen sich dann auch mit sparsamem Willenseinsatz erreichen", so der Psychologe, denn so entstehe ein Arbeitsfluss, in dem keine inneren Widerstände überwunden werden müssten.
"Aufs Bauchgefühl vertrauen", SZ 4.2.2009


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Wer würde denn dann die Drecksarbeit machen? 
Montag, 26. Januar 2009 - Arbeit
Die Diskussion um das Grundeinkommen führt immer wieder zu öffentlichem Unverständnis, stellt sie doch die Grundannahme unseres Kapitalismus, dass jeder Mensch arbeiten muss, um leben zu können, auf den Kopf. Auf YouTube findet sich ein kurzer Clip, in dem Michel Friedman mehr als deutlich das auf den Punkt bringt, was wohl vielen Kritikern durch den Kopf geht, wenn sie über das Grundeinkommen ein wenig nachdenken - der Beitrag macht zugleich deutlich, welche Vorurteile mitschwingen und gesellschaftliche Weiterentwicklung - bis auf weiteres - lähmen. Der O-Ton von Michel Friedman jedenfalls (an dieser Stelle im Gespräch mit Katja Kipping von der Linken, die sich für ein Grundeinkommen in Höhe von 800 bis 1.000 Euro stark macht) spricht für sich: "... Das finde ich geil. Sie nehmen von mir im obersten Drittel dafür, dass ich zwei Drittel finanziere. In so einem Land muss ich nicht als Wohlhabender leben. Es gibt viele, viele Hunderttausende Jobs, in denen die Leute arbeiten, weil sie müssen, nicht unbedingt, weil sie wollen. ... Wenn die das dann nicht mehr müssen, wer soll denn dann die Schmutzarbeit in Deutschland in Zukunft machen? Stellen Sie sich mal meine Sekretärin vor, 2.500 (Euro) netto ... Dafür malocht die bei mir den ganzen Monat. Warum soll die noch ins Büro kommen? Wer wird in Zukunft die Jobs noch machen, wenn ich netto sogar mehr in der Kasse habe, als mit den Jobs? Wenn jemand jetzt genug Geld hat, wird er solche Jobs nicht mehr machen. Wer wird diese Jobs machen? Was machen Sie, wenn diese Leute sagen, solche Jobs mache ich nicht mehr? Wer soll die machen?"
Friedmann vs. Grundeinkommen, YouTube


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