Wie die Kultur der Wirtschaft hilft 
Montag, 16. Mai 2011 - Wissenschaft
Aus der Sicht betriebswirtschaftlicher Hardliner sind Kulturausgaben häufig entbehrlich, und so wird in Zeiten klammer Haushalte nur allzu oft von Städten, über denen der Pleitegeier kreist, der Rotstift beim Kulturangebot angesetzt. Ein Reflex, der möglicherweise mittel- bis langfristig der wirtschaftlichen Stärke ganzer Regionen schaden könnte, denn Regionalökonomen der University of Stirling haben herausgefunden, dass gerade die Kulturangebote es sind, die hochqualifizierte Arbeitskräfte anziehen und damit der wirtschaftlichen Prosperität dienlich sind. Der Durchschnitt von Hochschul- und Fachhochschulabsolventen liegt Deutschlandweit bei etwa sieben Prozent. Pro zehn Kilometer, die ein Landkreis näher am Standort eines Opernhauses liegt, steigt dieser Anteil um 0,28 Prozentpunkte. Mit jedem Prozentpunkt mehr an Hochqualifizierten steigt wiederum die BIP-Wachstumsrate im Landkreis um 0,24 bis 0,49 Prozentpunkte. Die Kulturinvestitionen dienen also nicht nur der Kunst, sondern fördern auch die wirtschaftliche Prosperität der Regionen.
Die Oper lässt das Land erblühen, FAS 8.5.11

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Wer andere negativ einschätzt, reagiert egoistischer 
Donnerstag, 12. Mai 2011 - Wissenschaft
Forscher des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern haben in einer Studie herausgefunden, dass ein negatives Urteil über andere Menschen in kooperativen Settings den Egoismus erhöht. In Gemeinwohlspielen wurden die Teilnehmer vor ein Dilemma gestellt: Ihr eigenes soziales oder egoistisches Verhalten konnte Gewinn oder Verlust bringen, je nachdem, wie sich die anderen Mitspieler verhielten. Aus Perspektive der Gemeinschaft wäre ein Investment ins Kollektiv besser, auf individueller Ebene rentiert sich Egoismus, da die Teilnehmer einen Bonus erhalten konnten, ohne selbst zu investieren. Es zeigte sich. dass die Teilnehmer, die von ihren Mitprobanden ein positives Bild hatten, deutlich altruistischer agierten als diejenigen, die ihre Mitspieler eher negativ bewerteten. Auch als die Probanden positive Informationen über ihre Mitspieler erhielten, veränderten nur wenige ihr Verhalten in Richtung Kooperation. Daraus schlossen die Forscher, dass einmal gefällte Negativurteile sich nur schwer revidieren lassen.
Einflussreiches Menschenbild, wissenschaft.de 14.4.11

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Wieder zum eigenen Takt finden 
Montag, 2. Mai 2011 - Wissenschaft
Urlaub ist nicht gleich Urlaub, sagt der Burn-out-Experte Michael Sadre Chirazzi-Stark, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Asklepios-Westlinikums in Hamburg. Der Mediziner rät beispielsweise dazu, die Auszeiten aus dem Joballtag gemäß der eigenen Persönlichkeit zu planen. Wer im Job sehr extrovertiert arbeite, tue gut daran, im Urlaub nicht auch noch dem Aktionismus zu frönen. Vor allem Menschen in helfenden Berufen tue es gut, sich in den Ferien einmal selbst bemuttern zu lassen. Der Urlaub solle dabei nicht nur ein Gegengewicht zu einseitigen Ausrichtungen im Job darstellen, sondern es auch ermöglichen, wieder zu einem eigenen Zeitrhythmus zu finden. Auch rät der Experte vom Urlaub auf Balkonien ab, denn häufig erleben seiner Einschätzung nach Menschen, die im Urlaub zu Hause bleiben, kaum einen Unterschied zwischen Arbeitsalltag und Ferien. Ein ganz grundsätzliches Problem, dass viele erschöpft in die Ferien aufbrechen lasse: Dem menschlichen Bedürfnis nach rein körperlicher Erholung wird längst durch Arbeitszeitregelungen, anatomisch geprüfte Arbeitsplätze und den Arbeitsschutz insgesamt Rechnung getragen - die mentale Belastung im Job hingegen, die zu immer höheren Raten an Burn-out-Erkrankungen und psychischen Krankheiten führt, wird hingegen noch kaum im Betriebsalltag berücksichtigt.
Urlaub zu Hause? Keine gute Idee, SZ 17.4.11

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Politik beginnt im Gehirn 
Donnerstag, 21. April 2011 - Wissenschaft
Forscher des University College London haben herausgefunden, das Unterschiede in der politischen Einstellung sich im Gehirn nachweisen lassen. Sie untersuchten zunächst anhand der Einordnung auf einer Punkteskala die politische Orientierung von 100 Studenten. Anschließend wurden die Hirnstrukturen der Probanden mittels Kernspintomographie untersucht. Bei Studenten, die sich als rechtskonservativ bezeichnet hatten, war hier die Amygdala - und insbesondere ihr rechter Teil - deutlich größer. Dieser Teil des Gehirns spielt eine wichtige Rolle im Hinblick auf Angst und die Unterscheidung zwischen Freund und Feind. So reagieren Menschen mit größerer Amygdala stärker auf Bedrohungen und sind anfälliger für Ekel. Bei den Studenten, die sich als linksliberal einstuften, fanden die Wissenschaftler mehr graue Hirnmasse i vorderen Gyrus cinguli. Dieses Areal des limbischen Systems ist mit der Fähigkeit verbunden, mit Unsicherheit und Konflikten umzugehen. Zwar lässt sich auf Basis der Gehirnstrukturen nicht zweifelsfrei vorhersagen, welche politische Orientierung ein Mensch hat, jedoch gelang es den Forschern, auf Basis der Hirnunterschiede mit einer Trefferquote von 70 Prozent, zwischen Liberalen und Konservativen zu unterscheiden. Der ursächliche Zusammenhang, also die Frage, ob die politische Einstellung ein Resultat der Gehirnstruktur ist oder ob sie die Gehirnstruktur formt, lässt sich mit dieser Untersuchung noch nicht klären. Eine Langzeitstudie soll nun erforschen, wie sich die Hirnbereiche und die politische Einstellung über Jahre hinweg verändern.
Hirnstruktur kann politische Einstellung verraten, Spiegel online 8.4.11

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Pausen machen leistungsfähiger 
Montag, 4. April 2011 - Wissenschaft
Wer öfter mal während der Arbeitszeit eine Pause einlegt, ist im Job wesentlich effektiver und schützt sich zugleich wirksam gegen Überarbeitung. So warnt der Psychologe Johannes Wendsche von der TU Dresden in einem Beitrag der Zeit: "Wenn die Ermüdung im Tagesverlauf ansteigt, muss man sich bei der Arbeit umso mehr anstrengen" Sein Tipp: Bereits kurze Arbeitsunterbrechungen von etwa einer Minute haben einen positiven Effekt, denn die Erholungswirkung ist in den ersten Minuten am stärksten. "Uns fällt es leichter, wenn wir viele kurze Arbeitsphasen haben, dann erreichen wir unser Leistungsziel besser", so Wendsche. Durcharbeiten und Mittagspausen ausfallen lassen, bringt unter dem Strich hingegen nichts, denn ohne Pausen ist am Ende eines Arbeitstages die Erschöpfung nur umso größer und wir brauchen länger, um uns zu regenerieren.
Mach mal Pause, Die Zeit 24.3.11

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Neuro-Enhancement: Mehr Schein als Sein 
Montag, 7. März 2011 - Wissenschaft
Die Optimierung kognitiver Leistungen durch die Einnahme von Medikamenten macht seit wenigen Jahren immer mal wieder Schlagzeilen. Unter dem Stichwort Neuro-Enhancement diskutieren Forscher und Ethiker seit längerem darüber, welche gesellschaftlichen Folgen sich daraus ergeben könnten. Die FAZ kritisiert nun, dass hier mit einer Phantomdebatte Marketing gemacht werde. Doch zunächst zu den wissenschaftlichen Diagnosen. "Einen ernüchternden Einwurf macht der Frankfurter Soziologe Torsten Heinemann in dem Band 'Leben mit den Lebenswissenschaften'. Er analysiert die Debatte über den neuen Weg zum klaren Kopf als Anzeichen einer "Medikalisierung", soll heißen: einer Ausweitung des medizinischen Zugriffs in Alltagsbereiche hinein, die bis vor kurzem nicht in ärztliche oder gesundheitspolitische Zuständigkeit fielen. Kognitive Leistungsfähigkeit zu steigern schlüpft unvermerkt in das Gewand einer medizinischen Maßnahme: Wir lernen, dass ein Normalzustand als behandlungsbedürftig gelten kann - und dass nun Ethikexperten eingeschaltet werden müssen, um mit dem 'Neuen' der pharmazeutischen Möglichkeiten verantwortlich umzugehen", so die FAZ. Die FAZ sieht hier weitaus weniger Handlungsbedarf, da es gegenwärtig noch gar keine Beweise gebe, dass Medikamente wie Ritalin, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Betablocker, die immer wieder als Neuo-Enhancer ins Spiel gebracht werden, überhaupt leistungssteigernd wirken. "Vor allem, wer übermüdet ist, zeigt nach Einnahme solcher Mittel messbar bessere Leistungen. Wer jedoch wach und ohnehin überdurchschnittlich leistungsfähig ist, dessen Werte sinken nach Einnahme der Medikamente eher ab. Dazu wirken allenfalls geringe Dosierungen positiv. Steigert man die Dosis, werden Leistungen messbar schlechter. Auch einschlägige Umfragen unter amerikanischen Hochschulangehörigen, die jeweils zu zehn bis fünfzehn Prozent (Studierende) oder gar zwanzig Prozent (Wissenschaftler) angaben, sich mit Tabletten mental fitzumachen oder schon fitgemacht zu haben, sagen allenfalls etwas über den Gebrauch der Mittel, nicht aber über den Erfolg", merkt die Zeitung an. Heinemann selbst geht es indes um eine viel grundsätzlichere Frage, denn er stellt einen Zusammenhang her zum Erfolgs- und Leistungsdruck der "wissensbasierten Ökonomie des Neoliberalismus" - wo der Stress immer größer wird, wächst auch die Sehnsucht nach - medizinischen - Lösungen. Stehen wir also tatsächlich vor einer "Medikalisierung" der Gesellschaft? Im Zweifel wird diese Entwicklung, wenn erst einmal wirksame Neuro-Enhancer auf dem Markt sind, sicherlich einsetzen. Hat der Mensch doch häufig einen Hang, jemand sein zu wollen, der er eigentlich nicht ist, bzw. das Bedürfnis, auf möglichst einfachem Weg seine Ziele zu erreichen - die Debatte um den Promotionsbetrug des Bundesverteidigungsminister (wenngleich ein anderes Feld) macht dies wieder einmal augenscheinlich. Auf absehbare Zeit wird nebenwirkungsfreies Hirndoping sicherlich eher Wunsch denn Wirklichkeit sein. Und wer dennoch ein wenig an seinen geistigen Fähigkeiten drehen möchte, ist - wir haben schon mehrfach über dieses Thema berichtet - mit Meditationstechniken weitaus besser bedient, denn sie haben keine Nebenwirkungen und tragen zudem auch zur Entwicklung der Persönlichkeit bei. Eine Form der Optimierung, die man auch manchem Pseudo-Wissenschaftler gerne nahelegen würde.
Wie mit einer Phantomdebatte Marketing gemacht wird, FAZ 28.2.11

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Meditation kann das Leiden verringern 
Dienstag, 22. Februar 2011 - Wissenschaft
Migräne, Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall? Die typischen Büroleiden können einem nicht nur die Arbeit, sondern das Leben verleiden. Doch es gibt Hoffnung für Menschen mit chronischen Schmerzen, denn immer mehr Studien zeigen, dass Patienten, die Meditationsmethoden wie Mindfulness-Based Stress Reduction praktizieren, weniger unter ihren Schmerzen leiden. In einem Interview mit der Zeit erklärt der Psychologe Stefan Schmidt, warum Patienten durch Meditation zu neuer Handlungsfähigkeit finden: "Das Furchtbare am Schmerz ist in der Regel der Kontrollverlust. Man erlebt sich nicht mehr in der Rolle desjenigen, der sein Leben kontrollieren und bestimmen kann, sondern hat das Gefühl, dieses Kommando habe der Schmerz übernommen." Meditation sei hier eine Möglichkeit, die eigene Selbstwirksamkeit wieder erfahren zu können, denn wer den Schmerz vorurteilslos betrachtet, anstatt sich ständig gegen ihn aufzulehnen, erlebt häufig, dass dies ein Weg der inneren Befreiung sein kann. "Leiden ist Schmerz mal Widerstand", zitiert Schmidt die buddhistische Philosophie. "Je mehr wir gegen den Schmerz ankämpfen, umso stärker leiden wir darunter. Wenn wir ihn jedoch annehmen und gestalten, können wir das Leiden massiv verringern." Ein guter Rat auch für Gestresste, die noch nicht unter chronischen Kopfschmerzen oder Burn-out leiden, denn wer meditiert, bevor der Stress chronisch wird, kann sich mögliche Erkrankungen im günstigen Fall sogar ersparen.
Lernen, mit dem Leiden umzugehen, Die Zeit 12.2.11

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Effizient ist nicht unbedingt effektiv 
Dienstag, 15. Februar 2011 - Wissenschaft
Gerade wir Deutschen gelten als die Optimierer und Perfektionisten schlechthin. Aber richten wir dabei unsere Energie auch immer auf die richtigen Ziele? Nein, meint der Umweltchemiker Prof. Michael Braungart, der kürzlich in Berlin das Cradle-to-Cradle-Festival, das noch bis März läuft, eröffnete. Der Erfinder des Konzepts "Von der Wiege zur Wiege", das sich auf die Fahnen schreibt, Rohstoffe so zu Produkten zu machen, dass sie, nachdem die Güter verschlissen sind, fast völlig verlustfrei wiederverwendet werden können, macht einen feinen Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität. Die Effizienzmeister wollen die Dinge richtig tun und Perfektion erreichen. Effektiv ist es hingegen, die richtigen Dinge zu tun. Braungart kritisiert, dass viel Energie in die Perfektionierung der falschen Systeme fließe. Was nutzt die beste Müllverbrennungsanlage, wenn es eigentlich besser wäre, erst gar keinen Müll entstehen zu lassen? Warum viel Energie in die Festlegung optimaler Grenzwerte stecken, wenn es besser wäre, erst gar keine schädlichen Materialien in Umlauf zu bringen? So funktioniert Braungarts Denke, auf dem Cradle-to-Cradle basiert. Hier werden Rohstoffe nicht verbraucht, sondern bereits im Herstellungsprozess auch als zukünftige Rohstoffe betrachtet. Die Effizienz trennt nur ein paar Buchstaben von der Effektivität, aber im Unterschied liegt die Basis für einen Quantensprung.
Schaulaufen der kreativen Weltverbesserer, Forum Nachhaltig Wirtschaften 2.2.11

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