Wie die 4-Tage-Woche zufrieden macht 
Donnerstag, 15. Juli 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Weniger zu arbeiten, ist der Traum vieler Menschen. Und das nicht, weil sie etwa arbeitsscheu werden. Experimente zeigen immer wieder, dass die, die ihre Arbeitszeit reduzieren, in der gewonnenen freien Zeit nicht untätig bleiben, sondern sich schlicht Dingen widmen, die sie besonders interessieren oder ihnen gut tun. Die isländische Regierung untersucht in einem Experiment auf fünf Jahre angelegten Experiment mit 2.500 Teilnehmenden, was sich verändert, wenn Menschen statt an fünf nur noch an vier Tagen zur Arbeit müssen. Erste Erkenntnis: Weniger Zeit im Job zu verbringen, macht glücklicher und entstresst das Leben. Ein Grund dafür könnte sein, dass die freie Zeit mehr Entscheidungsfreiräume ins Leben bringt. "Wichtig ist vor allem, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein hohes Maß an Selbstständigkeit bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit hatten. Selbstbestimmung macht zufrieden, das ist erwiesen", so der Politikwissenschaftler Jack Kellam, der das Experiment begleitet. Er weist auch darauf hin, dass viele positive Effekte des Experiments sich womöglich erst lange danach zeigen werden. So nutzen viele Menschen die gewonnene Zeit, um mehr Sport zu treiben oder öfter etwas Gesundes zu kochen. Die isländischen Gewerkschaften nutzten das Projekt als Steilvorlage, um die Arbeitszeiten neu zu verhandeln und etwas zu senken. "Aktuell haben 86 Prozent der Arbeitnehmer in Island nun kürzere Arbeitszeiten oder zumindest die Möglichkeit dazu. Doch die Entwicklung geht ganz eindeutig in Richtung weniger Arbeitszeit und mehr Freizeit. Ich bin optimistisch, dass die Isländer schon in ein paar Jahren bei 32 Arbeitsstunden pro Woche angelangt sind. Und Island kann ein Vorbild für andere Länder sein", so Kellam in der Zeit.
"Die Viertagewoche könnte auch in Deutschland funktionieren", zeit.de 8.7.21

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Wenn Macht das Verständnis einschränkt 
Mittwoch, 14. Juli 2021 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
Macht verändert die Wahrnehmung. Welche Folgen das hat, zeigt eine Reihe neuer sozialpsychologischer Studien. In verschiedenen Experimenten befragten die Wissenschaftler vor ihren jeweiligen Tests ihre Probanden entweder, wie mächtig sie sich fühlten im Leben, oder wiesen ihnen in den Versuchskonstellationen mal Positionen mit mehr, mal mit weniger Macht zu. Dann sollten sie über verschiedene soziale Szenarien urteilen, in den es darum ging, andere Menschen zu beurteilen. Dabei zeigte sich, dass bei allen Versuchen die Personen, die sich machtvoll fühlten oder eine machtvolle Position vorab zugewiesen bekamen, in ihren Urteilen deutlich strenger waren als jene, die eher machtlos waren. Interessant finde ich, dass Macht anscheinend diese Wirkung selbst dann entfaltet, wenn die Menschen eine fiktive Rolle, mit der Macht verbunden ist, zugewiesen bekommen - sie also gar nicht direkt auf die eigene Erfahrung im Nutzen dieser Macht zurückgreifen, wenn sie urteilen. Allein schon die Vorstellung, mächtig zu sein, scheint etwas mit Menschen zu machen. Die Wissenschaftler möchten mit ihrem Experiment darauf hinweisen, welche Auswirkungen Macht beispielsweise in Politik oder Wirtschaft hat, wenn Politiker sich die Sorgen und Nöte weniger mächtiger Menschen nur noch schwer vorstellen können oder Chefs automatisch denken, ihre Untergebenen hätten die gleichen Möglichkeiten wie sie selbst. Denn die Strenge, die die Versuche offenbarten, scheint auch auf mangelndes Verständnis der jeweiligen Menschen zurückzuführen zu sein. Macht schafft also eine Distanz, die nicht immer hilfreich ist.
Wer Macht hat, urteilt strenger über Fehler, spektrum.de 6.7.21

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Beim Klima zählt jede kleine Veränderung im Lebenswandel 
Dienstag, 13. Juli 2021 - Lebensart, Studien
Die Klimakrise lässt viele ohnmächtig zurück, denn in Anbetracht der riesigen Einsparungen, die für ein wirkliches Abbremsen der globalen Erwärmung notwendig sind, fühlt man sich leicht ohnmächtig. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt indes, dass auch moderate Veränderungen in unseren alltäglichen Gewohnheiten bereits einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für das große Ganze leisten. Würden wir beispielsweise umsichtiger mit unseren Lebensmitteln umgehen und nur noch die Hälfte von dem, was wir heute ungenutzt verderben lassen, in den Müll werfen, könnte dies sechs Millionen CO2 im Jahr einsparen. Zum Vergleich: Dem innerdeutschen Flugverkehr werden jährlich zwei Millionen Tonnen zugeschrieben. Eine Reduktion des Fleischkonsums um ein Fünftel könnte sogar zehn Tonnen im Jahr sparen. Und ein Fünftel weniger Kleidungskäufe helfen dem Klima mit der Einsparung von 12 Millionen Tonnen. Öffentlicher Nahverkehr statt Flug oder Autonutzung wäre eine weitere, leicht umzusetzende Veränderung. Mit Maßnahmen wie diesen lassen sich pro Kopf und Jahr immerhin rund 0,6 Tonnen CO2 einsparen. Das mag wenig klingen in Anbetracht der Tatsache, dass wir heute 11 Tonnen pro Jahr verbrauchen, es aber, um weitere Temperaturanstiege zu begrenzen, eigentlich nur eine Tonne sein dürfte. Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht die größten Einsparnotwendigkeiten bei der Energieversorgung wie auch in Industrie und Verkehr. Aber alleine die Möglichkeit wahrzunehmen, selbst einen bewussten Beitrag zu leisten, befreit vielleicht aus der Ohnmachtsfalle - und macht auch empfänglicher für die weiteren notwendigen Schritte im großen, die die nächsten Jahre auf uns zukommen.
Jeder Einzelne kann viel CO2 einsparen, FAZ 9.7.21

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Positives Denken weckt viele Fähigkeiten 
Montag, 12. Juli 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wir alle kennen es aus eigener Erfahrung, dass wir, wenn wir gute Laune haben, oft Berge versetzen können, während wir, wenn es uns nies geht, oft nicht viel auf die Reihe bekommen. Die Wissenschaft kann diese Unterschiede gut erklären. So belegen Studien, dass negative Gefühle wie Angst oder Wut dazu führen, dass wir uns in uns selbst zurückziehen, körperlich verhärten und unsere Wahrnehmung verengen. Dann ist in unseren Beziehungen zu anderen Menschen und zum Leben nicht viel möglich. Sind wir hingegen positiv gestimmt, verhält es sich genau umgekehrt. In einem Experiment, in dem die Wissenschaftler ihre Probanden eingangs in eine positive Stimmung versetzten, zeigten diese einen größeren Hang zu Aktivität und bezogen sich in Beziehungen zu anderen eher auf das, was einander verbindet, als auf Trennendes. Außerdem erweitert sich bei guter Laune das periphere Sichtfeld, so dass Menschen mehr im Blick haben. Und ihr Denken wird verbundener, sie nehmen Zusammenhänge leichter wahr. Ein Überschwang an Positivität bringt allerdings auch negative Folgen mit sich, denn dann unterschätzen Menschen mögliche Gefahren und werden in ihren Urteilen unrealistischer.
Wie positive Emotionen Wahrnehmung und Denkvermögen erweitern, Psychologie aktuell 19.5.21

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Vertrauen ist gut 
Freitag, 9. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie
In unseren volatilen Zeiten widmet die NZZ eine wunderbare Betrachtung dem Thema Vertrauen. "Gemeinhin gilt Vertrauen als etwas, was aus guten Erfahrungen in der Vergangenheit und der Hoffnung auf das Gute im Menschen entsteht", heißt es in dem Artikel und wenn man das liest und sich die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Monate anschaut, kommt einem diese Einschätzung leicht vor wie aus einer anderen Zeit. Für den Autor Paul Jandl ist das Misstrauen, dass sich in vielen Kontexten im Zuge der Pandemie so deutlich gesteigert hat, nicht einfach das Gegenteil von Vertrauen. Im Gegenteil, es wird zum Sog, der jedes Vertrauen verschlingt: "Sind wir erst einmal im Zustand des Misstrauens, können wir uns nicht mehr dafür entscheiden, zu vertrauen. Der Zweifel hat ein Loch ins dünne Eis geschlagen, das wir Wirklichkeit nennen. Bei jedem Schritt hören wir, wie dieses Eis unter uns knackt. Wer politisch Gespenster sieht, sieht sie bald überall. Er verbindet sich mit anderen Gespenstersehern und hofft, damit wieder festen Boden unter den Füssen zu haben." Hört sich an, als bräuchten wir an vielen Stellen eine neue Vertrauensoffensive.
Der Mensch ist dem Menschen kein Wolf, NZZ 30.6.21

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Wenn die Geringverdiener die größeren Lasten tragen 
Donnerstag, 8. Juli 2021 - Lebensart, Arbeit
Wer viel verdient, zahlt auch viel in die Sozialsysteme ein, möchte man meinen. Eine Anfrage der Linken beim Bundesarbeitsministerium zeigt jedoch: Dank der Beitragsbemessungsgrenze ist das nicht wirklich so. Besserverdiener mit einem Jahreseinkommen zwischen 70.000 und 100.000 Euro tragen elf Prozent der Sozialabgaben, haben aber einen Anteil von 13 Prozent an allen Einkommen. Bei Großverdienern ab 110.000 Euro geht die Schere noch weiter auseinander - auf sie entfallen 23 Prozent der Einkommen, aber nur neun Prozent der Sozialabgaben. Am unteren Ende der Skala ist das Bild genau umgekehrt. Menschen mit einem Jahreseinkommen von bis zu 30.000 Euro zahlen nämlich 36 Prozent der Sozialabgaben, obwohl auf sie nur 24 Prozent der Einkommen entfallen. Verkehrte Welt ...
Geringverdienende zahlen überproportional viel Geld in Sozialkassen, zeit.de 29.6.21

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Die Augenwischerei mit der Achtsamkeit 
Mittwoch, 7. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Der Deutschlandfunk hat in einem Beitrag den Achtsamkeitstrend in den Blick genommen und kommt zu sehr differenzierten Einschätzungen. Der Artikel stellt ausführlich vor, wie typische MBSR-Kurse einen Einstieg in Achtsamkeit vermitteln und welche positiven gesundheitlichen Wirkungen sich aus der Praxis ergeben können. Gleichzeitig lässt er auch Kritiker zu Wort kommen, die davor warnen, dass die Meditationspraxis auch dazu beitragen könne, dass gesellschaftliche Strukturprobleme einmal mehr aufs Individuum verlagert werden, dass sich dann eben selbst helfen soll. Der Soziologe Hartmut Rosa etwa sagt: "Ein Problem, das ich dabei sehe ist eben, dass man die Problemlage auf die Individuen verschiebt. Dass man damit sagt, wenn du nur genügend Achtsamkeit trainieren würdest oder dein Leben richtig ausrichtest, dann hättest du kein Problem mehr und die Problemlagen, von denen ich als Soziologe unbedingt sagen will und auch sagen kann, dass sie in ganz hohem Maße gesellschaftlich verursacht sind, strukturell bedingt sind, die werden eben dem Individuum angelastet – du musst lernen damit zurechtzukommen. Und deshalb halte ich Achtsamkeit als politische Lösung für problematisch." Hier wird Achtsamkeit mehr und mehr auch zu einem Politikum.
Achtsamkeit ist politisch – und problematisch, Deutschlandfunk 28.6.21

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Volkssport pendeln 
Dienstag, 6. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie
Wer arbeiten geht, ist vielfach Pendler, denn immer seltener arbeiten die Menschen auch an dem Ort, an dem sie leben. Inzwischen sind es 59 Prozent aller Arbeitnehmer, also 18,4 Millionen Menschen, die nicht am Wohnort ihr Geld verdienen. Und die Pendelstrecken werden länger. So stieg die Zahl derer, die einen täglichen Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometern haben, in den letzten 20 Jahren von 13 auf 21 Prozent. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien zeigt: Die Fahrerei nervt, frustriert, schlägt auf die Psyche und auch auf die körperliche Gesundheit. Doch der Traum vom Wohnen im Grünen und einem gut bezahlten Job in der nächsten großen Stadt wird weiterhin von vielen nicht nur geträumt, sondern auch in die Tat umgesetzt. Die Wirtschaftswoche beschreibt in einem Artikel, wie verschiedene Faktoren das Phänomen weiter anheizen. Neubaugebiete in den Speckgürteln sind verlockend für viele. Wer sich abends beim Chillen auf der eigenen Terrasse sieht, verdrängt gerne, dass er, wenn der Nahverkehr schlecht ist oder er im Stau steht, diese Komfortzone später erreicht, als einem lieb sein kann. Viele Kommunen unterstützen mit ihrer Verkehrspolitik die Begehrlichkeiten. Wenn es Pendlern leichter gemacht wird, mit dem öffentlichen Nahverkehr in die nächste Stadt zu kommen anstatt sich schnell in der eigenen Stadt zu bewegen, erscheint ein Arbeitsplatz weiter weg in attraktiverem Licht. Die Frage ist, wann hier wer bereit ist, den Teufelskreis als erstes zu durchbrechen.
Pendler betrügen sich selbst, WiWo 28.6.21

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