Den Geist in Ordnung bringen 
Donnerstag, 15. April 2021 - Bewusstsein, Lebensart
Achtsamkeitskurse an Hochschulen sind längst keine Seltenheit mehr. Längst werden neue Angebote auch von den Studierenden selbst initiiert. An der Hochschule für Philosophie in München etwa hat die 25-Jährige Anna Aroyan einen interkulturellen Meditationskreis gegründet. Die Armenierin hatte bereits Architektur studiert, doch während ihres anschließenden Masterstudiums merkte sie plötzlich, dass die bisherige Geradlinigkeit ihrer Ausbildung nicht mehr stimmig war. Sie wechselte zum Zweitstudium der Philosophie und entdeckte die Meditation für sich. "Jeder ist total im eigenen Tun verloren. Wir haben so viele To-dos, die wir abhaken wollen. Der Kopf ist ständig im Tun, im Denken und wenig im Seinsmodus", beschreibt sie den Hintergrund ihrer Initiative, für die sie von der Hochschule bereits mit dem DAAD-Preis für ausländische Studierende ausgezeichnet wurde. Bei den Treffen des Meditationskreises sitzen die Studierenden gemeinsam in Stille und lesen bisweilen auch inspirierende Texte. "Wenn man im Leben etwas hinbekommen möchte, muss man zuerst den eigenen Haushalt in Ordnung bringen. Damit meine ich den eigenen Geist", so Anna Aroyan. Der gemeinsame Austausch und die geteilte Erfahrung der Stille eröffnen den Mitmachenden tiefere Einblicke - in sich selbst wie auch das Leben. Für manche ist das zunächst gewöhnungsbedürftig, manche kommen nach dem ersten Treffen nicht wieder. Doch jene, die bleiben, schätzen es, dass in diesem besonderen Zusammensein Raum ist für eine Tiefe, die sich im Studienalltag eher selten zeigt.
"Wir sitzen da und schweigen", SZ 28.3.21

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Kurzarbeit lässt Väter aktiver werden 
Mittwoch, 14. April 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
In der Diskussion um die Auswirkungen der Pandemie wird immer wieder auch darüber gesprochen, wie sehr doch in den letzten Monaten emanzipatorische Entwicklungen in der Rollenverteilung von Männern und Frauen eingebrochen seien. Viele Studien belegen, dass im Shutdown bei zusammenbrechender Kinderbetreuung Frauen wieder deutlich öfter für den Nachwuchs zuständig seien als vor der Viruskrise. Eine Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt nun kleinere Lichtblicke. Die Befragung von gut 6100 Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden machte deutlich, dass etwa 30 Prozent der Väter in Kurzarbeit sich in dieser Zeit hauptsächlich um den Nachwuchs kümmerten. Vor der Pandemie waren es lediglich sieben Prozent. Weitere 35 Prozent äußerten, sich in gleichem Umfang wie ihre Frauen in der Kinderbetreuung einzubringen. Die befragten Frauen sahen die Dinge allerdings etwas anders, denn unter ihnen glaubten zwei Drittel, sowohl vor als auch während der Pandemie in der Hauptsache für die Kinderbetreuung zuständig zu sein. Womöglich war hier das Selbstbild der Väter etwas besser als die Realität. Aber vielleicht zeigt sich hier auch, dass Väter, so sie denn mehr Zeit haben, sich auch stärker für die Familie engagieren.
Väter übernehmen größeren Teil der Kinderbetreuung, FAZ 26.3.21

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Hilfe von außen verändert die Selbsteinschätzung 
Dienstag, 13. April 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
In einer Zeit, in der man jede Wissenslücke umgehend durch eine Suchanfrage bei Google schließen kann, neigen wir anscheinend dazu, unser eigenes Wissen und unsere Fähigkeiten zu überschätzen. Eine neue Studie zeigt: Menschen, denen bei einer zu bewältigenden Aufgabe ungefragt geholfen wird, verbuchen ihr auf diese Weise verbessertes Leistungsvermögen als eigenes Können - und merken dann beim nächsten Mal, dass sie hinter dieser Erwartung zurückbleiben. Für die Untersuchung ließen Wissenschaftler ihre Probanden Aufgaben lösen. Manche taten dies gänzlich ohne fremde Hilfe, andere konnten sich auf Wunsch Rat holen. Und wieder andere bekamen ungefragt Unterstützung. In einem zweiten Durchgang sollten die Beteiligten dann einschätzen, wie gut sie die erneut zu bewältigende Aufgabe nun lösen würden. Dabei zeigte sich: Menschen, die keine externe Unterstützung bekommen hatten oder selbst danach fragen mussten, schätzten ihr Leistungsvermögen deutlich realistischer ein als jene, denen beim ersten Versuchsdurchgang ungewollt geholfen worden war. Hilfe lässt Menschen Aufgaben als weniger schwierig wahrnehmen und genau das verzerrt dann das Urteilsvermögen.
Wer Tipps bekommt, überschätzt das eigene Können, spektrum.de 22.3.21

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Meditation als Tor zur Selbstbestimmung 
Montag, 12. April 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Der Meditations-Trend wirft immer wieder auch die Frage auf, ob es sich dabei nicht einfach um eine Beruhigungspille handelt. Achtsamkeit als Methode, unter unzureichenden Bedingungen dennoch immer weiter funktionieren zu können. In einem Interview mit dem Nachrichtensender n-tv wirft der Meditationsforscher Ulrich Ott deshalb auch einen Blick auf die tiefere und befreiende Wirkung von Meditation. Er sagt: "Die Menschen merken dann aber, dass mehr hinter Meditation steckt, dass sie ein ganzes Spektrum von Wirkungen hat. Eine davon ist, mehr Authentizität und Integrität zu erlangen, wirklich mit sich selbst eins zu werden. ... Ich glaube, diese Idee, dass man Meditation wie eine Art Pille verschreiben kann, das funktioniert so nicht. Sondern es läuft darauf hinaus, dass die Menschen, die das praktizieren, auch selbstbestimmter leben." Das kann durchaus Konsequenzen haben, denn manche fühlen sich dann veranlasst, substanziell etwas in ihrem Leben beziehungsweise an seinen Umständen etwas zu verändern: "Mein Eindruck ist, dass es tatsächlich diese Kraft entfaltet. Man reflektiert und wird sich auch der Umstände bewusst, in denen man arbeitet. Es gibt eine exemplarische Studie, die das gut illustriert. Sie wurde in einem Callcenter durchgeführt. Man kann sich ja gut vorstellen, dass dort sehr viel Stress herrscht. In dem Callcenter wurde ein Meditationsprogramm durchgeführt, und am Ende der Studie zogen zwei Mitarbeiter tatsächlich die Konsequenz und haben gekündigt."
"Aufmerksamkeit ist wie ein Messer", n-tv.de 22.3.21

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Osterpause 
Dienstag, 6. April 2021 - sonstiges
think.work.different macht einige Tage Osterpause. Ab 12. April sind wir wieder mit frischen News für Sie da. Genießen Sie den Frühling!

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Was die Pandemie uns zeigt 
Donnerstag, 1. April 2021 - Bewusstsein, Lebensart
Der Zukunftsforscher Matthias Horx zeigt in einem Artikel zum "Corona-Effekt", was wir zur Zeit aus der Pandemie lernen (selbst wenn uns das vielleicht gerade jetzt noch nicht so wirklich bewusst ist). Die gegenwärtige Erschöpfungsphase im Aushalten all der bestehenden Beschränkungen ist in seinen Augen eine für Krisen typische Phase, die sich zwar nicht wie die Zuwendung zu neuen Lösungen anfühle, aber paradoxerweise doch darauf hinführe. "Jetzt fügen sich die einzelnen Erkenntnisse und Irrtümer langsam zu einem Wirkungs-System zusammen", so Horx. Das Aufbrechen unserer "hedonistischen Tretmühle" durch die Krise zeige uns deutlich die "Abwesenheit einer plausiblen Zukunft" in unseren bisherigen Lebensstilen. Horx ist sich, auch mit Blick auf frühere Menschheitskrisen, sicher, dass die Pandemie noch positive Wandlungen zeitigen wird. Daran ändere auch die Zuspitzung im Tonfall vieler öffentlicher Diskussionen und Demonstrationen nichts: "Epidemien bilden einen gewaltigen Echoraum für das innerlich Unerlöste, eine Bühne für hysterische Narrative aller Art. Gleichzeitig war aber zu beobachten, dass der Wahn im Verlauf der Pandemie nie zu echter Bewegungsdynamik anwuchs." Horx rät dazu, "aufzuhören, die Welt mit ihrer medialen Repräsentation zu verwechseln". Interessant finde ich seine Betrachtung im Hinblick darauf, dass Krisen uns zwar erfahrungsgemäß nicht tiefgründig verändern, aber durch die Grenzen, die sie aufzeigen, Wandel ermöglichen: "Wir stellen uns Wandel gerne als einen heroischen Akt vor, als Läuterung zu einer höheren Moral. Das ist ein gefährliches Missverständnis. Menschen ändern sich nicht, vor allem dann nicht, wenn man sie anschreit. ... Und trotzdem können sich Menschen wandeln – indem sie ihr Verhalten an veränderte Bedingungen anpassen. Wandel entsteht letztlich aus AKZEPTANZ: Wir realisieren, dass es in der alten Weise nicht mehr weitergeht. Wenn unser übergroßes neuroflexibles Hirn neue Muster entwickelt – durch Übung, Rückkopplung und ein bisschen Zwang – entstehen neue Wege des Miteinanders, des kreativen Umgangs mit Selbst und Welt. Krisen sind dabei Katalysatoren. Sie zeigen uns nicht direkt, wohin es geht. Aber deutlich, wo es nicht mehr weitergeht." Hoffen wir mal, dass wir in eine bessere Richtung abbiegen.
Der Corona-Effekt, März 2021

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Weinen im Büro 
Mittwoch, 31. März 2021 - Psychologie, Arbeit, Management
Pokerface selbst bei extremen Erschütterungen, Gleichmut, wenn's ans Eingemachte geht? Im Büro Gefühle zu zeigen oder gar Tränen zu vergießen, gilt vielen bis heute als wenig angemessen. Dabei kann es die Zusammenarbeit erleichtern, wenn in Teams und Unternehmenskulturen auch Raum ist, Gefühle wirklich zu zeigen. Die FAZ hat dem Weinen im Büro einen ganzen Artikel gewidmet, der zu dem Schluss kommt: Für die, die weinen, ist die entlastende Funktion nicht zu unterschätzen, denn Aufgestautes verschafft sich so Luft und oft sind die Betroffenen anschließend wieder mehr bei sich und ihrer Arbeit. Auch für das Umfeld habe ein solch offener Umgang mit Emotionen Vorteile, denn dann wissen sie, woran sie sind. Aus Sicht der Unternehmenskultur kann Experten zufolge Weinen auch ein Indiz dafür sein, dass Mitarbeiter schon länger sehr überlastet sind. Dann könne schon eine Kleinigkeit obendrauf das Fass zum Überlaufen bringen. Also: Tränen ruhig fließen lassen und sie dann nicht nur trocknen, sondern bestenfalls auch etwas verändern.
Die Kraft der Tränen, FAZ 22.3.21

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Kann man Glück lernen? 
Dienstag, 30. März 2021 - Lebensart
Die Innovativen Schulen, eine private Münchner Realschule, möchte ihre Lernenden damit vertraut machen, wie Glück im Leben funktioniert. Schon jetzt steht bei den fünften und sechsten Klassen das Thema Glück offiziell als Fach auf dem Stundenplan, ab dem kommenden Schuljahr soll das Angebot dann auf alle Klassen ausgeweitet werden. Zum Curriculum zählen Bereiche wie Meditation, Spiele, kreative Arbeit und Bewegung. Das Angebot soll den Kindern dabei helfen, mit ihren Emotionen in Kontakt zu kommen oder auch zu lernen, dass Scheitern nicht nur schlecht, sondern auch eine Chance sein kann. Außerdem lernen sie hier, Verantwortung zu übernehmen und kreative Lösungen zu entwickeln, so die Schulleiterin.
Glück als reguläres Fach für Münchner Realschüler, Abendzeitung 20.3.21

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