Arbeit macht krank, Nichtarbeiten auch 
Donnerstag, 14. Mai 2009 - Studien
Studien, die belegen, dass zu viel Arbeit krank macht, gibt es bereits wie Sand am Meer. Dass gar nicht arbeiten aber sogar noch kränker machen kann, war in diesem Ausmaß noch nicht bekannt. Eine amerikanische Studie zeigt: Wer seine Arbeit aus Gründen, die nicht in seiner Hand liegen, beispielsweise weil ein Unternehmen pleite macht, verliert, hat ein um 54 Prozent erhöhtes Risiko für eine mäßige oder gar schlechte Gesundheit. Selbst bei Arbeitnehmern, die sich bis zur Entlassung kerngesund fühlen, steigt danach das Krankheitsrisiko drastisch an. So erhöht sich bei den Entlassenen die Wahrscheinlichkeit für Beschwerden wie Bluthochdruck, Herzprobleme und Diabetes sogar um mehr als 80 Prozent. Die Studie zeige, dass das körperliche Wohl der Bevölkerung nicht nur von der Gesundheitsversorgung abhänge, sondern auch von der Struktur der Arbeitswelt und vom Zustand der Ökonomie, so die Soziologin Kate Strully von der Universität Albany im Staat New York.
Auf die Kündigung folgt der Infarkt, SZ 8.5.2009


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Anachronismus "guter Konsum" 
Mittwoch, 13. Mai 2009 - sonstiges
Gibt es guten Konsum? Reicht es, nur ein wenig bewusster einzukaufen, um die Welt zu retten? Nein, sagt Klaus Werner-Lobo, Autor des "Schwarzbuch Markenfirmen", in einer Kolumne in der Jetzt-Community der Süddeutschen Zeitung. "Wenn aber nun einige dieser Lohas glauben, ihren Teil zur Rettung des Planeten beizutragen, indem sie sich ein Hybridauto zulegen, halte ich das für ziemlichen Unsinn. Fahrrad und Bahn belasten nämlich die Umwelt immer noch weniger, aber vor allem können sich diese Art reinen Gewissens nur die leisten, die genug Geld dafür haben, und das gilt in geringerem Maß leider auch für die immer noch relativ teuren Öko- und Fairtradeprodukte. Wenn dann manche sogar meinen, demokratische Entscheidungen würden heutzutage an der Supermarktkasse getroffen, dann heißt das nichts anderes, als dass die Reichen in dieser 'Konsumentendemokratie' mehr mitzubestimmen haben als die weniger Wohlhabenden. Und damit wird genau das vorangetrieben, was wir eigentlich bekämpfen sollten – die Ökonomisierung und Privatisierung von Demokratie und Gesellschaft. Denn eine Hartz-IV-Empfängerin oder ein afrikanischer Kleinbauer haben kaum die Möglichkeit für solcherlei Gewissenspflege", wettert er über die Anhänger der sogenannten Lifestyles of Health and Sustainability, der gesunden und nachhaltigen Lebensstile. Also nix mit gutem Konsum! Werner-Lobo schlägt stattdessen eine ganz pragmatische Weltverbesserungsmethode vor: "Wenn wir für unsere Handlungen wirklich Verantwortung übernehmen wollen, dann dürfen wir uns nicht nur, wie das die Werbeindustrie gerne hätte, als KonsumentInnen sehen. Wir müssen wieder Menschen - und aktive Mitglieder der Gesellschaft - werden." Unbequemer als Shopping mit gutem Gewissen ist das allemal, aber aller Wahrscheinlichkeit auch wesentlich wirkungsvoller.
"Lohas werden die Welt nicht retten", Jetzt.de 22.4.2009


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Frauen geben Gas 
Dienstag, 12. Mai 2009 - Studien
Eine Studie des Berufsverbandes "die Führungskräfte" unter 375 seiner Mitglieder bringt erstaunliches ans Licht: Frauen in Führungspositionen sind ehrgeiziger als Männer und setzen bei der Aufgabenerledigung auf ein höheres Tempo als Männer. Außerdem sind sie durchsetzungsfähiger und entscheidungsfreudiger. „Wahrscheinlich handelt es sich um einen Selektionseffekt: Wer es als Frau so weit geschafft hat — und in unserer Stichprobe waren ja nur 10% Frauen — der muss schon ein bisschen besonders sein. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es um Selbsteinschätzungen geht“, so Professor Matthias Burisch, Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg, der die Studie betreute. Andererseits zeigt sich bei Frauen auch, dass sie Wert legen auf unabhängiges Denken, während ihre männlichen Führungskollegen den Ball lieber flach halten und dem Mainstream folgen. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass Frauen in Führungspositionen immer noch eher die Ausnahme sind, denn Ausnahmeerscheinungen sind in vielen Unternehmen eben nicht wohl gelitten.
Pressemitteilung zur Führungskompetenz-Studie vom 24.4.2009


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Wirtschaft und Soziales brennen der Bevölkerung unter den Nägeln 
Montag, 11. Mai 2009 - Studien
Die gute Nachricht zuerst: Laut einer aktuellen Studie der Düsseldorfer Wissenschaftsstiftung Identity Foundation sind 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wieder 60 Prozent der Bevölkerung stolz darauf, Deutsche zu sein. Sogar 70 Prozent fühlen sich der Nation im Herzen verbunden. Aber: Die sich ausweitende Wirtschafts- und Finanzkrise lässt bei den BürgerInnen auch Zukunftssorgen aufkeimen. So betrachten 89,4 Prozent der Bevölkerung die Stabilisierung und Weiterentwicklung der Wirtschaft als wichtigste Zukunftsaufgabe. 86,9 Prozent messen der Stärkung der sozialen Sicherung ein besonders großes Gewicht bei. Immerhin: Die Förderung von ökologischen Belangen und Nachhaltigkeit im Handeln steht für 78,7 Prozent der Befragten auf der deutschen Agenda weit vorne und die Stärkung des Zusammenhalts und des Miteinanders unter den Deutschen wird von 75,3 Prozent der Bevölkerung als besonders wichtig erachtet. Der einstige Stolz auf "Made in Germany" ist dagegen nicht mehr mehrheitsfähig. Nur noch 48,3 Prozent sind fest davon überzeugt, dass die Deutschen noch immer die besten Erfinder und Tüftler in der Welt sind. In den Augen von 90,8 Prozent der Befragten ist der/die typische Deutsche pflichtbewusst und leistungsorientiert und schätzt, so 89,7 Prozent, Regeln und Ordnung. Vielleicht müssen wir nur mal wieder richtig die Ärmel hochkrempeln, um der Krise ein Ende zu bereiten? Wäre zumindest naheliegend, denn das typisch deutsche Werkeln gehört für 81,8 Prozent immer noch zur Essenz des Deutsch-Seins.
Pressemitteilung der Identity Foundation vom 29.4.2009


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Banker und Politiker ernten höchstes Misstrauen 
Freitag, 8. Mai 2009 - Studien
In der Studie „European Trusted Brands 2009“ des Magazins "Reader's Digest" spiegelt sich ein enormer Vertrauensverlust gegenüber Politik und Wirtschaft wider. Im Rahmen der europaweiten Befragung wurden mehr als 1.800 Fragebögen ausgewertet. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise spiegelt sich in den Einschätzungen der Befragten zum Vertrauen, das sie verschiedenen Berufsgruppen entgegenbringen. Das größte Vertrauen genießen demnach Feuerwehrmänner (92 Prozent), Piloten (89 Prozent) und Apotheker (87 Prozent). Anwälten hingegen bringen nur 43 Prozent der Befragten Vertrauen entgegen, während ihnen 52 Prozent explizit misstrauen. Auch das Vertrauen in Gewerkschaftsführer hat gelitten. Ihnen vertrauen lediglich 22 Prozent, während 72 Prozent ihnen misstrauen. Demgegenüber kommen Bankberater etwas besser weg - 32 Prozent vertrauen ihnen, während 62 Prozent ihnen gegenüber Misstrauen hegen. Das Schlusslicht bilde die Politiker. Ihnen wird nur von 7 Prozent das Vertrauen ausgesprochen, während 89 Prozent ihnen in besonderem Maße misstrauen.
Download der Studie


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Vordenker für die Wirtschaftswende 
Donnerstag, 7. Mai 2009 - Management
Peter Spiegel, Gründer des Genisis Instituts für Social Entrepreneurship, mahnt an, dass es in der Wirtschaft an Think Tanks für Vordenker fehlt, die einen umfassenden Wandel propagieren "Wir haben keine wirklich starken Think-Tanks und keine wirklich starken Lobbies für eine wirklich zukunftssichernde Wende der Weltwirtschaft. Wir haben zwar durchaus sehr kluge Vordenker (im Sinne von 'Intellectual Entrepreneurs') und ebenso sehr visionäre und erfolgreiche "Unternehmer einer besseren Welt". Aber sie haben es bisher versäumt, sich zu so starken Think-Tanks und zu so starken Lobbies zu organisieren, dass sie Gehör finden zu der Stunde, in der sie so dringend gebraucht werden wie nie zuvor. Die vielleicht entscheidende Dimension in unserer gegenwärtigen Systemkrise ist die Krise in unserem System der Vordenk- und Lobby-Kultur." Spiegel geht es dabei nicht alleine um eine völlig neue Denk-Kultur in der Wirtschaft, sondern auch um das Verständnis, dass diese neuen Gedanken auch in der Praxis verankert sein müssen: "Wir brauchen heute Vordenker, deren Horizont nicht nur auf ökonomische Zusammenhänge und ökonomische Interessen beschränkt ist, sondern die willens und in der Lage sind, globalverantwortlich im umfassenden Wortsinne zu denken. Doch diese bedürfen vor allem noch der substanziellen Ergänzung um erfolgreiche, unternehmerische Praktiker dieses Denkens, denn die besten Vorbilder sind auch die besten Quellen des Vordenkens für eine Rahmenordnung, die Ökonomie, Ökologie und Soziales am intelligentesten zusammenspielen lässt. Ergo: Die besten ökosozialen Zukunfts-Unternehmer müssen sich zu einem starken Think-Tank zusammenschließen und diesen gemeinsam mit verantwortungsvollen Zukunfts-Denkern gestalten." Eine ökosoziale Marktwirtschaft könnte eine Wende einleiten: "Es gilt die leichte Abwandlung eines bekannten Einstein-Zitats: Die Experten, die ein Problem verursacht haben, können nicht zugleich auch die Experten sein, die zu dessen Lösung beitragen. Der Leitgedanke, den wir heute brauchen, dürfte nach dem Crash relativ unstrittig sein: eine globale ökosoziale Marktwirtschaft. Doch diese braucht dringlichst eine starke, überzeugende, beharrliche, kreative und unternehmerische Stimme."
"Nowendig: Ein Think-Tank der Zukunfts-Unternehmer", Forum Nachhaltig Wirtschaften, 28.4.2009

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Chaos in den Führungsköpfen 
Mittwoch, 6. Mai 2009 - Management
Das Manager Magazin hat den Executive Coach Georg Fischer dazu befragt, wie sich die Wirtschaftskrise auf Top-Manager auswirkt. Nach außen geben diese sich nach wie vor als Problemlöser, doch im vertraulichen Gespräch mit dem Coach offenbart sich immer öfter Ratlosigkeit: "Zum Beispiel anhand von bekannten psychosomatischen Symptomen, wie beispielsweise Appetitstörungen, Schlafstörungen, Libidostörungen. Wenn Kopf, Seele und Herz mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind, leidet der Alltagsrhythmus, was viele als sehr quälend empfinden. Das kann im Extremfall sogar zu depressiven Verstimmungen und zu Sinnkrisen führen. Kurzum: Die Welt steht für viele Kopf." Der Führungskräfteberater sieht eine Neigung dazu, das eigene Handlungsumfeld abzuschotten, so dass ein Hinterfragen der unternehmerischen Praxis immer schwieriger wird: "Bei sehr vielen entsteht das Selbstbild der Unfehlbarkeit. Das Selbstbild der unanfechtbaren Hochintelligenz, der unanfechtbaren kritischen Analysefähigkeit und der letztgültigen Entscheidungsmacht und Entscheidungsweisheit. Und wenn ich lange genug daran gearbeitet habe und die dazugehörige Persönlichkeit habe, entsteht ein System, das in sich wasserdicht ist und das keiner Hinterfragung bedarf und auch keine erträgt. Dann ist der Perspektivenwechsel eben nicht mehr möglich." Fischer rät Top-Managern, nicht nur Antworten parat zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen_ "Es geht in einem sehr hohen Maße um Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Um Vertrauen in die Führungsqualitäten der Führungskräfte, in die Strukturen des Systems, Vertrauen in das Unternehmen. Und wenn man Führung definiert als die Kunst, Menschen zu überzeugen und sie zur Gefolgschaft einzuladen, sodass sie freiwillig das tun, was ich für das Richtige halte für mein Unternehmen, dann muss ich genau darauf setzen und klar führen. Und zur klaren Führung gehört, nicht immer die passende Antwort parat zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen. Und zur glaubwürdigen Führung gehört bisweilen, gerade in diesen Tagen, auch zu sagen, wo ich keine Rezepte habe. Das ist immer noch viel mehr Führung als zu schweigen und gar nichts zu tun, oder aber so zu tun, als wüsste ich alles. Im Englischen würde man sagen, das ist kein Leadership, das ist Misleading."
"Die Welt steht für viele Kopf", Manager Magazin 20.4.2009


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Sich in den Dienst der Sache stellen 
Dienstag, 5. Mai 2009 - Management
In einem Interview mit dem Harvard Business Manager erklärt Führungs-Guru Ken Blanchard, warum eine reife Persönlichkeit für Führungskräfte so wichtig ist. "Manager müssen sich persönlich stärker einbringen. Statt ständig nach Anerkennung zu trachten, sollten sie sich mehr als Diener der Sache sehen. Statt sich immer wieder Gedanken über den eigenen Status zu machen, sollten Führungskräfte mehr Wert auf die Beziehungen zu ihren Mitarbeitern legen. Es ist nichts Falsches daran, Geld zu verdienen oder Beachtung zu finden. Der große Fehler ist nur, zu denken, dass es das ist, was die Persönlichkeit ausmacht. Materieller Erfolg führt nicht zu mehr Bedeutung, in Wirklichkeit ist es genau umgekehrt", sagt der Leadership-Experte - und obwohl das Gespräch bereits aus dem Jahr 2007 stammt, erweisen sich Blanchards Einschätzungen als aktueller denn je. Blanchard nennt sich "Chief Spiritual Officer" und lebt seine werteorientierten, spirituellen Ideen auch im eigenen Unternehmen: "Ich wende mich jeden Tag mit einer Voice-Mail an unsere Mitarbeiter. Diese Nachricht besteht aus drei Teilen. Wenn ich zum Beispiel weiß, Howards Mutter oder der Sohn von Alison ist verletzt worden oder irgendjemand hatte einen Herzinfarkt, dann bitte ich die Mitarbeiter in meiner Ansprache als Erstes, für diese Kollegen zu beten oder ihnen zu helfen. Eine Gemeinschaft kann sich gegenseitig sehr viel Kraft und Energie geben. Als Zweites lobe ich. Mitarbeiter sagen mir, wer Hervorragendes geleistet hat. Es ist wichtig, dass der Chef diese Anerkennung weiterträgt, denn gute Nachrichten verbreiten sich nun einmal schneller über die Hierarchie. Im dritten Teil schließe ich meist mit einer inspirierenden Botschaft. Diese Botschaften sollen wie Leuchttürme sein. Das heißt, sie sollen Zeichen sein, die die Mitarbeiter ständig daran erinnern, woran wir glauben und wofür wir stehen."
"Werte: Der Chief Spiritual Officer", Harvard Business Manager 3.2007


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