Vier simple Tricks für mehr Produktivität 
Mittwoch, 26. August 2020 - Psychologie, Arbeit
Gestern hatte ich darüber geschrieben, wie viele Menschen die Gedanken, die ihnen ständig durch den Kopf gehen, als stetige Herausforderung empfinden. Es scheint, als wäre das unser Normalzustand. Und selbst wenn wir beispielsweise regelmäßig meditieren, um unsere Aufmerksamkeit zu fokussieren, werden wir, zurück im "Alltagsmodus", doch immer wieder von diesen geistigen Unterbrechungen heimgesucht. Im Harvard Business Manager gibt der Produktivitätsforscher Chris Bailey einige Tipps, wie wir unsere mentale Inkontinenz austricksen können. Mir scheint, dass hinter seinen Ratschlägen vor allem eine Erkenntnis steckt, nämlich: Wenn wir uns selbst einen Fokus setzen, der klar genug formuliert ist, und uns Rahmenbedingungen schaffen, um ihn zu verfolgen, bringen uns störende Gedanken viel weniger aus der Ruhe, weil sie weniger Einflugschneisen finden. Seine Tipps sind leicht umzusetzen:
1. Eine Arbeitsumgebung schaffen, die ablenkungsfrei ist - Handy weg, Tablett weg, alles, was unsere Aufmerksamkeit eben auf sich ziehen könnte.
2. Drei Ziele pro Tag setzen, am besten auf einem Zettel notiert. Das kann man im Blick behalten und man verzettelt sich nicht, indem man über all die anderen möglichen To-Do's (die man gut auf einem separaten Zettel notieren kann, um sie nicht zu vergessen) nachdenkt.
3. Sich größere Ziele setzen - denn wenn man sich zu wenig vornimmt, kommt man leicht ins Bummeln.
4. Künstliche Deadline setzen - das spornt an, wirklich bei der Sache zu bleiben. Und oft merkt man, dass man in weniger Zeit das Gleiche schafft.
Ich bin ja eigentlich keine Freundin solcher Optimierungs-Tipps. Aber diese hier sind überschaubar und man ahnt unmittelbar, dass sie wirklich hilfreich sein könnten.
Lassen Sie sich nicht ablenken!, HBM 17.8.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Übermächtige Gedanken 
Dienstag, 25. August 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Wir bewegen sie den ganzen Tag - und doch empfinden wir sie oft als lästig. Die Rede ist von unseren Gedanken. Der Psychologe Andreas Mayer zeigt in einem Forschungsüberblick, dass viele Menschen ihre Gedanken als etwas wahrnehmen, dass von außen in sie sie eindringt, ohne dass sie sich dessen erwehren könnten. Das führe zu einem Gefühl von Kontrollverlust, weil viele Betroffene kaum eine Möglichkeit sehen, diese geistigen Geschehnisse einfach sein zu lassen. Im Gegenteil: Sie fühlen sich gedrängt, sich mit dem, was in ihrem Geiste vorgeht, ständig auseinanderzusetzen. Die Psychologie hat dieses Phänomen bisher vor allem mit psychischen Dysfunktionalitäten in Zusammenhang gebracht, doch scheinen auch viele augenscheinlich gesunde Menschen unter diesem Phänomen zu leiden. Vielleicht rückt es auch erst in der heutigen Zeit so sehr in unsere Aufmerksamkeit, weil wir mit so vielen Einflüssen konfrontiert sind, dass in unserem Kopf eigentlich ständig etwas los ist. Womöglich stoßen Meditation und Achtsamkeit heute auch deshalb auf ein solch großes Interesse, weil immer mehr Menschen spüren, dass sie diesen Gedankenimpulsen eben nicht hilflos ausgeliefert sind, ja dass es eine Stille gibt, die man spüren kann, selbst wenn es im Geiste noch rumort.
Gedanken, die in unseren Kopf eindringen, Psychologie heute 7.8.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditation: Einfach nur wacher oder mehr selbstbezogen? 
Montag, 24. August 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Wir leben in einer Zeit, in der Meditation auch dafür gelobt wird, dem teils krankhaften Individualismus und den damit verbundenen Egomotivationen entgegenzuwirken. Meditation macht wacher, aber nicht zwingend auch für die eigenen Unzulänglichkeiten. Im Gegenteil: Wer sich durch Achtsamkeitsübungen gestärkt fühlt, kann damit auch leicht sein Ego stärken. Die WiWo geht in einem Artikel genau diesem Phänomen nach. Eine niederländische Studie etwa zeigt, dass Achtsamkeit unerwünschterweise auch Selbstüberschätzung fördern kann. Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt eine deutsche Yoga-Studie. Auch hier führte die entspannende Wirkung der Übungen nicht zwingend auch zu einer Entspannung des Ego. Es scheint, als würde unser Persönlichkeitssystem alle Erfahrungen, die wir machen, zunächst einmal durch die uns gewohnten Muster interpretieren. In Kulturen mit überstarkem Ich-Gefühl liegt es da nur nahe, dass das Ich, wie es ist, sich alle positiven Erfahrungen einverleibt. Ich finde es spannend, dass in der letzten Zeit immer mehr Studien zu diesen Phänomenen gemacht werden. Ihre Ergebnisse deuten in meiner Wahrnehmung nicht auf eine Schwäche der Meditation selbst, sondern eher auf die Engpässe der Kontexte, in denen hierzulande praktiziert wird. In den klösterlichen Kulturen, aus denen diese Übungen stammen, war die Überwindung des Selbst immer ein zentrales Anliegen. Doch heutzutage wird Achtsamkeit häufig mit Blick auf persönliches Wohlbefinden gelehrt und dies oft in leicht verdaulichen Kursen. Wer schon einmal ein längeres Retreat gemacht und über mehrere Tage jeweils viele Stunden in Stille gesessen hat, ahnt den Unterschied. In solchen Settings geraten die altbewährten dermaßen unter Druck, dass so manches von unserem Selbstbild schlicht nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, man könnte auch sagen, es kollabiert. Für Menschen, die sich ein starkes Ich wünschen, erscheint dies vielleicht zunächst wie ein völlig unerwünschter Effekt. Erfahrungsgemäß ist allerdings das Gegenteil der Fall. Denn gerade die Schwächen, denen man in der Meditation wirklich begegnet, ungeschminkt wahrzunehmen und zu erfahren, dass man irgendwie immer noch "da" ist, kann eine wirkliche Befreiung sein.
Achtsame Egomanen, WiWo 25.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Akademischer Nachwuchs ist überrealistisch 
Freitag, 21. August 2020 - Studien, Arbeit
Der jungen Generation, die ins Berufsleben einsteigt, sagt man gerne nach, potenziellen Arbeitgebern eine hohe Anspruchshaltung entgegenzubringen. Eine Untersuchung des Personaldienstleisters Studitemps in Zusammenarbeit mit der Universität Maastricht, für die 300.000 Studierende nach ihren Vorstellungen zu ihrem künftigen Arbeitsleben befragt wurden, zeigt indes, dass eine große Mehrheit mit ihren Wünschen oder besser den Einschätzungen, was für sie möglich sein wird, sehr auf dem Boden bleibt. Wenn es ums Einkommen geht, kommt die Erhebung zu dem Schluss, dass viele Studierende sich unter Wert verkaufen. Höhere Erwartungen an das Einkommen sind laut Studie auch mit höheren Erwartungen an die eigene Zufriedenheit verbunden - sie zeigen sich vor allem beim Nachwuchs, der in Branchen wie Soft- und Hardware, Automobil, Chemie und im Bankwesen zu arbeiten gedenkt. Was die künftigen Arbeitszeiten angeht, machen sich viele keine Illusionen. 52 Prozent rechnen mit einer 40-Stunden-Woche, 12 Prozent glauben, künftig bis zu 50 Stunden zu arbeiten und 17 Prozent stellen sich bereits auf ein höheres Arbeitspensum ein. Home Office ist für die junge Generation anscheinend kaum ein Thema. Etwa drei Viertel bevorzugen einen festen Arbeitsplatz im Büro, nur jede*r Zehnte kann sich vorstellen, dauerhaft von zu Hause aus zu arbeiten.
So bescheiden sind junge Akademiker – mit Ausnahme der Juristen, FAZ 22.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Intensität des Alleinseins 
Donnerstag, 20. August 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Seit Meditation fast schon zu einem Volkssport und coolen Lifestyle geworden ist, schätze ich immer mehr, wenn ich darüber lese, wie Menschen abseits dieses neuen Mainstreams auch Angebote machen, um wirklich in die Tiefe zu gehen. Der Bayrische Rundfunk berichtete kürzlich über die Waldklause von Maria Eck im Chiemgau, eine Einsiedelei, in die man sich für eine Woche zurückziehen kann. "Der Sinn der Einsiedelei besteht darin, dass Menschen den inneren Schalter von 'machen und schaffen' auf 'empfangen und hören' umlegen. Und das ist sehr spannend. Die Einsiedler bekommen anfangs einfache Übungen: Sie sollen hören, riechen, nur da sein. Und möglichst nicht denken, sondern im Wahrnehmen bleiben. Und nach ein paar Tagen spürt man, wie sie immer mehr in die Stille kommen", erklärt Bruder Christian Schmidberger. Der Franziskaner Minorit begleitet die Einsiedler auf Zeit und ein tägliches Gespräch mit ihm ist einer der wenigen "Programmpunkte", die die Tage in Maria Eck haben. Er eröffnet den Menschen einen Weg in die Stille, die die konsumgerechten Versprechen vieler Achtsamkeitsangebote irgendwie in den Schatten stellt. "Es geht nicht darum, an einem Thema zu arbeiten. Sondern die Menschen sollen sich öffnen. Und meine Erfahrung zeigt: Wenn Menschen still werden und sich öffnen, geschieht etwas. Nicht durch nachdenken und analysieren. Sondern weil man offen ist und Gott wirken kann", sagt er.
Einsiedler auf Zeit: Auszeit für die Seele, BR 22.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Weniger Stress im Home Office 
Mittwoch, 19. August 2020 - Studien, Arbeit, Management
Dank Pandemie ist das Thema Home Office zu einem Dauerbrenner geworden. Eine Studie der Krankenversicherung DAK, für die 7.000 Versicherte vor und während der Pandemie befragt wurden, zeigt, dass viele die Arbeit zu Hause als entlastend erleben. Vor Corona fühlten sich 21 Prozent der Beschäftigten regelmäßig gestresst, während es während der Pandemie nur noch 15 Prozent waren. Gleichzeitig stieg der Anteil derer, die nie oder nur gelegentlich gestresst waren, von 48 auf 57 Prozent. 56 Prozent der Menschen, die inzwischen regelmäßig von daheim aus arbeiten, fühlen sich im Home Office auch produktiver als an ihrem Arbeitsplatz. Für zwei Drittel der Befragten ist der Zeitgewinn durch das entfallende Pendeln erfreulich und gleich viele Befragte finden auch, dass sie so Beruf und Familien besser unter einen Hut bringen.
Weniger Stress, mehr Produktivität, tagesschau.de 22.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Kreisläufe des Sich-Betäubens 
Dienstag, 18. August 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In den letzten Jahren hat die Opioid-Krise in den USA schon vielfach zu Schlagzeilen geführt. Einerseits ist sie ein gesundheitliches Phänomen, weil eben immer noch in mehr Fällen als wahrscheinlich nötig diese süchtig machenden Schmerzmittel von Ärzten verschrieben werden. Sie deutet aber auch auf ein kulturelles Problem. "Die Orte, die von der Überdosiskrise am stärksten betroffen sind, sind Orte, an denen Menschen hoffnungslos sind und keine Arbeit haben. Orte, an denen die Infrastruktur zusammengebrochen ist, vollkommen vernachlässigte Gegenden", sagt etwa der Bioethiker Travis Rieder, der nach einem schweren Unfall selbst in die Abhängigkeit geriet. Die einlullende Wirkung der Medikamente wirkt eben nicht nur bei Schmerzen mit körperlichen Auslösern, sondern lässt Menschen auch die Hoffnungslosigkeit der eigenen Situation weniger spüren. "Wenn man Opioide genommen hat, vergisst man die Welt um sich herum komplett, Entspannung, Ruhe und Wärme überschwemmen einen. Die Medikamente nehmen einem die Sorgen und für einen kurzen Moment ist die Welt gut", beschreibt Rieder seine eigenen Schmerzmittelerfahrungen. Er selbst schaffte mit einer Mischung aus Willenskraft, dem Mut des Verzweifelten und Unterstützung von Ärzten und Familie den Entzug - und musste auf seinem langen Leidensweg auch erfahren, wie überfordert viele Mediziner damit sind, Menschen zu begleiten, die keine Schmerzmittel mehr nehmen möchten. Für Menschen, die unter Bedingungen leben, die sie am liebsten vergessen möchten, ist ein Entzug jedoch wenig verlockend. Vielleicht erklärt das mit die hohen Todesraten in den USA durch Schmerzmittelmissbrauch. Und vielleicht sollten wir das Problem nicht nur als medizinisches betrachten, sondern auch nach Wegen suchen, für bessere Lebensumstände zu sorgen.
"Es fühlte sich so an, als würde mein Gehirn schmelzen", zeit.de 22.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wer Tyrannen als Anführer gut findet 
Montag, 17. August 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Management
Manchmal wundert man sich schon, warum Führer, ob in der Politik oder der Wirtschaft, die sich durch Egoismus, Herrschsucht oder Manipulation hervortun, dennoch Gefolgschaften finden. Eine wissenschaftliche Langzeitstudie zeigt nun, dass sich dies zumindest zum Teil erklären lässt durch Erfahrungen während der Zeit des Aufwachsens. Konkret belegt die Studie, dass Menschen, die in jungen Jahren in Umfeldern leben, die durch ein hohes Konfliktniveau bestimmt sind, in späteren Lebensjahren mit einer um 20 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit Leader bevorzugen, die dominant und fordernd oder auch unausstehlich sind. Vielleicht bedeutet das ja umgekehrt, dass Kulturen, in denen junge Menschen unter eher friedlichen Bedingungen heranwachsen können, sich leichter damit tun, auch "gute" Führer zu wollen.
Warum manche tyrannische Anführer anziehend finden, spektrum.de 13.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter