Die Selbstverteidigung des Gehirns vor Neuem 
Donnerstag, 30. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In schnelllebigen Zeiten ist es sehr wichtig, dass Menschen sich immer wieder an neue Lebensvoraussetzungen anpassen. In der Realität zeigt sich jedoch, dass wir Wandel mit einer gewissen Schwerfälligkeit begegnen. "Das unangenehme Gefühl, das uns bei vielem Neuen beschleicht und uns Veränderungen manchmal verweigern lässt, ist ein Schutzmechanismus unseres Gehirns. Weil Neues zu verarbeiten dem Stoffwechsel mehr von unserer begrenzten Energie abverlangt, löst unser Gehirn einen negativen Affekt aus, oder sagen wir der Einfachheit halber: ein schlechtes Gefühl", erklärt die Psychologin Friederike Bornträger im Deutschlandfunk. Negative Gefühle und innere Abwehr deuten zunächst einmal darauf, dass unser Körper-Geist-System versucht, uns mit möglichst wenig zusätzlichem Energieaufwand durchs Leben zu navigieren. Und die klugen Argumente, die für Veränderung sprechen, setzen sich im Gehirn langsamer durch als das spontane Gefühl von Abwehr. Laut Bornträger können nur Bewusstmachung und Ausprobieren aus dieser Blockade führen. Ihr Rat: "Machen wir uns bewusst, dass das Neue Energie kostet und Energieverbrauch eine Warnung auslöst, die sich schlecht anfühlt. ... Denken ist aber nicht genug. Sammeln wir Erfahrungen mit den neuen Dingen. Probieren wir [sie ]mal eine Weile aus. Dadurch generieren wir Erfahrungsdaten und die erleichtern uns den Umgang mit dem vormals Neuen. Energiewarnungen werden unnötig und die Vernunft, auf die wir zu Recht große Stücke halten, dringt zu uns durch."
Warum es uns schwerfällt, Neues zu denken, Deutschlandfunk Kultur 23.9.21

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Anstupser reichen nicht für eine völlige Kehrtwende 
Mittwoch, 29. September 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
Nudging, das sanfte Verändern von Verhaltensweisen durch gezielte Impulse, ist seit einiger Zeit ein nicht zu unterschätzendes Thema in der Politik. In der Kantine den Salat zugänglicher zu präsentieren als beispielsweise den eher ungesunden Nachtisch, kann bei manchen Menschen tatsächlich zu einer gesünderen Lebensweise führen. Doch diese sanften Anstubser sind kein Allheilmittel. Die - schon längst nicht mehr sanften - Bemühungen zur Erhöhung der Impfquote zeigen das deutlich. Und die Wissenschaft bestätigt das. In Versuchen zeigt sich immer wieder, dass durch ein sanftes Anstoßen vor allem Menschen erreicht werden, die die durch das Nudging intendierten Verhaltensweisen bereits von sich aus in Erwägung gezogen haben. Der äußere Anstoß wird dann zum Beschleuniger für die Umsetzung. Verhaltensweisen gegen die Wünsche und Meinungen von Menschen mit Nudges zu steuern, funktioniere hingegen so gut wie gar nicht.
Menschen lassen sich nicht zu etwas verleiten, was sie nicht wollen, spektrum.de 22.9.21

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Das menschliche Dilemma zwischen Wirtschaft und Konsum 
Dienstag, 28. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Durch Konsum - oder gar Nicht-Konsum - die Wirtschaft zu verändern, wurde in den vergangenen Jahren immer wieder zum Thema. Der wunde Punkt: Individuelle Konsumentscheidungen wirken nicht unbedingt auch auf die größeren strukturellen Zusammenhänge der Wirtschaft. Der kanadische Journalist James MacKinnon hat sich in einem neuen Buch diesen Wechselseitigkeiten gewidmet. In einem Interview mit der Zeit bringt er das vorherrschende Dilemma auf den Punkt: "Dass wir ein Wirtschaftssystem geschaffen haben, das komplett abhängig ist von ewigem Wachstum. Dass wir in einer Konsumgesellschaft leben, die uns dauerhaft auffordert, Dinge zu kaufen, weil das nötig ist, um Wachstum zu erzeugen. ... Wenn Menschen jetzt gerade die Entscheidung treffen, radikal weniger einzukaufen, bedrohen sie die Grundlagen unserer Weltwirtschaft." Er wünscht sich, dass die Wirtschaft öfter die Frage stellt, wie sie die wirklichen Bedürfnisse von Menschen erfüllen könne. "Wir müssen uns doch bloß mal fragen: Was soll diese Wirtschaft für uns als Gesellschaft tun? Welche Werte sind uns dabei wichtig?", so MacKinnon. In einer Abkehr vom einseitigen Wachstumszwang sieht der Journalist jedenfalls ein großes Momentum menschlicher Befreiung: "Wenn wir weniger konsumieren würden, müssten wir auch weniger Geld verdienen. Möglich ist, dass wir dann weniger Druck verspüren würden, Karriere zu machen und unser Gehalt zu steigern. Außerdem ist denkbar, dass uns ein Wirtschaftssystem ohne Wachstumsdogma mehr Freiheit bescheren würde. Zum Beispiel in der Frage, welchen Beruf wir uns aussuchen und wie wir arbeiten."
"Wer weniger konsumiert, muss auch weniger Geld verdienen", zeit.de 21.9.21

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Wirklich komplex - Achtsamkeit im Business 
Montag, 27. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Seit Achtsamkeit in der Arbeitswelt angekommen ist und immer mehr Unternehmen damit experimentieren, hat sich eine differenzierte Diskussion darüber entfaltet. Ist es gut, dass meditierende Mitarbeiter durch die Entspannung oft leistungsfähiger werden und sich dabei auch wohler fühlen? Ist das noch kluges Gesundheitsmanagement oder schon der Beginn zur Manipulation? Beraterinnen, die mit Achtsamkeit in Unternehmen unterwegs sind, machen die unterschiedlichsten Erfahrungen. Oft sind es begeisterte Führungskräfte, die das Thema in der Firma lancieren. Sie haben nicht unbedingt die Optimierung ihrer Belegschaft im Blick, sondern ein aufrichtiges Interesse an menschlicher Entfaltung. Gleichzeitig sind viele Businesskontexte aber auch durch Strukturen geprägt, in denen die Mitarbeitenden Zwängen ausgesetzt werden, auf die sie keinen Einfluss haben. Da wird ein verordnetes Achtsamkeitsprogramm dann leicht als Versuch verstanden, noch ein bisschen mehr aus den Angestellten herauszuholen. Die Gemengelage ist komplex und Königswege gibt es nicht. Wohl aber viele Fragen. Darunter auch die, wie viel Profanisierung das Meditieren eigentlich verträgt. Als Praxis aus einem spirituellen Kontext war sie im Buddhismus von einer Ethik gehalten. Im Unternehmenskontext müsste sich eine solche erst entwickeln. Ein Beitrag des Deutschlandfunk Kultur lässt viele Expertinnen zu Wort kommen und gibt Anhaltspunkte, welche Fragen einer näheren Betrachtung wert sind.
Schwierige Chefs lassen sich nicht wegatmen, Deutschlandfunk Kultur 12.9.21

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Freizeit? Wird immer mehr ein passives Konsumvergnügen 
Freitag, 24. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Wen wundert es - in der Pandemie haben sich Freizeitbeschäftigungen vor allem in die eigenen vier Wände verlagert. Das dokumentiert nun auch der Freizeit-Monitor 2021 der Stiftung für Zukunftsfragen (einer Initiative von British American Tobacco). Die Bildschirmnutzung daheim hat der Untersuchung zufolge deutlich zugenommen. Und Handys werden immer weniger zum Telefonieren genutzt, sondern kommen eher für die Mediennutzung, Online-Shopping oder andere Ablenkungen zum Einsatz. Auch die Faulenzer-Rate hat sich erhöht. Knapp zwei Drittel faulenzen einmal pro Woche, zwei Jahre zuvor war es nicht einmal jeder Zweite. Die gute Nachricht: Immerhin ist auch das Interesse an Spaziergängen, Sport und der Gesundheit dienenden Aktivitäten gewachsen. Doch insgesamt konstatieren die Forscher einen deutlichen Hang zu "Freizeitpassivitäten", die frühere Aktivitäten ersetzen.
"Freizeit findet hauptsächlich in den eigenen vier Wänden statt", zeit.de 16.9.21

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Apple-Produkte mit Achtsamkeit 
Donnerstag, 23. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart
Besitzer von Apple-Produkten konnten sich schon die ganze Zeit über ein Gimmick freuen - eine App, mit der sie beim bewussten Atmen unterstützt werden. Im September wurde die App nun erweitert und kann ab sofort auch Achtsamkeit. Als Teil von Apples Fitness+ sollen Übungen zur Reflektion und geführte Meditationen das Nutzungsergebnis abrunden. Ruhe, Dankbarkeit, Freundlichkeit - was will der Apple-User mehr? Amüsant ist auch die Funktion "Fokus". Dazu Apple: "Die Funktion Fokus hilft dir, dich ohne Ab­len­kung zu konzentrieren, und erlaubt nur Mitteilungen, die du er­halten möchtest." Echt jetzt? Mein iPhone schafft das ganz ohne zusätzliche Apps - einfach mal stummschalten oder besser gleich aus ... Das ist wirklicher Fokus ...
Neue Trainings und Meditation: Apple bringt Fitness Plus noch 2021 nach Deutschland, t3n 14.9.21

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Mit der Bedrohung steigt die Abgrenzung 
Mittwoch, 22. September 2021 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Im Angesicht von Bedrohungen rücken Menschen zusammen. Der Sozialpsychologie Immo Fritsche etwa untersucht dies im Hinblick auf den Klimawandel. Eine Erkenntnis seiner Untersuchung: "Unsere Untersuchungen zeigen, dass Menschen unter persönlicher Bedrohung kollektiver denken und handeln. Das heißt, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe gewinnt an Bedeutung. 2012 haben wir ein Experiment mit Studierenden in England und Deutschland durchgeführt. Dabei beobachteten wir, dass autoritäre Einstellungen zunehmen, wenn man Menschen an bedrohliche Klimafolgen für das eigene Land erinnert." In solchen Kontexten wachse die Überzeugung, dass vor allem die im eigenen Umfeld geltenden Normen die richtigen seien, die Bereitschaft zur Unterwerfung unter soziale Autoritäten erhöhe sich und es zeige sich eine "autoritäre Aggression", beispielsweise die Bereitschaft, Menschen zu bestrafen, die vom Konsens der eigenen Gruppe abweichen. Die Neigung, als systemgefährdend wahrgenommene Gruppen abzuwerten, erstrecke sich sogar auf solche Gruppen, die mit dem eigentlichen Thema gar nichts zu tun hätten. Als ich das Interview mit Immo Fritsche auf spektrum.de gelesen habe, ist mir mulmig geworden. Ersetzt man in den Beispielen das Thema Klimawandel durch Corona und Pandemie, erhält man nämlich leider ein ziemlich deutliches Bild von dem, was gerade gesellschaftlich vor sich geht. Besonders gruselig finde ich die Beispiele aus seiner Forschung, wo die Forscher mit experimenteller Manipulation arbeiteten. Sie spiegelten den Studienteilnehmenden je unterschiedliche Meinungen der Mehrheit ihrer Gruppe. Und - gleich welche Meinungen das waren - die Probanden pendelten sich auf diese Mehrheitsmeinung ein und übernahmen deren Argumentationsmuster. Das, was gegenwärtig im politischen Corona-Diskurs geschieht, und die Auswirkungen davon, erscheinen vor diesem Hintergrund in einem sehr fragwürdigen Licht.
»Bedrohung macht kollektiver«, spektrum.de 10.9.21

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Wie die Pandemie das Stadtleben verändert 
Dienstag, 21. September 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit
Während der diversen Lockdowns kam das Leben in den Innenstädten oft zum Erliegen - und aufgrund von Home Office ist auch in den entspannteren Phasen der Pandemien vom früheren Normalbetrieb noch lange keine Rede. Eine amerikanische Studie deutet nun darauf hin, dass dies so bleiben könnte. Die Untersuchung zeigt, wie sich die Bevölkerungsstruktur wandelt. Auf Basis von Arbeitsmarkt- und Immobiliendaten, Kreditkartenabrechnungen und der Bewegungsprofile bei den Mobilfunkanbietern fanden die Forscher heraus, dass in den dichtbesiedelsten Gebieten von Großstädten, in denen viele Angestellte mit Home-Office-tauglichen Jobs leben, wesentliche Veränderungen ergaben. Diese Stadtbezirke verloren nämlich in der letzten Zeit rund zehn Prozent ihrer Bevölkerung - während die am dünnsten besiedelten Stadtgebiet einen Bevölkerungszuwachs von etwa fünf Prozent verbuchten. Dass diese Verschiebung nicht nur eine Momentaufnahme zu sein scheint, illustrieren die laut Studie bereits gesunkenen Mieten in den Wegzugs-Regionen. Natürlich könnte diese Veränderung für Menschen, die sich bisher die hohen Mieten dort nicht leisten konnten, eine besondere Gelegenheit darstellen. Die Wissenschaftler weisen jedoch auch darauf hin, dass die Wegzugswelle nur der Anfang einer größeren Bewegung sein könnte. Denn wenn kein neuer Zuzug erfolgt, dürfte sich mittelfristig die innenstädtische Infrastruktur deutlich verändern. Weniger Büroleben und weniger Bewohner brauchen nämlich auch weniger Restaurants, Kneipen und andere Dienstleistungen. Ob das Zeichen eines Niedergangs sind oder ein Wandel, der vielleicht auch Verbesserungen mit sich bringt, wird sich erst zeigen.
Die Opfer der Homeoffice-Welt, WiWo 10.9.21

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