Unis: Quantität statt Qualität? 
Freitag, 25. November 2011 - Studien
Nicht nur die Studenten gehen an den Universitäten reihenweise in die Knie (wie am Dienstag berichtet), auch das Lehrpersonal gerät immer mehr unter Druck. Der Bamberger Soziologe Richard Münch spricht gar von einem "akademischen Kapitalismus", der Unis zunehmend zu Unternehmen in eigener Sache mache. Die Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes spricht gar von einer "autistischen Leistungsmaschine". Aufsätze am laufenden Band produzieren, Forschungsgelder einwerben, Leistungsbeurteilungen im Akkord erstellen - im Exzellenz-Rennen an den Unis scheint es nur noch um Masse zu gehen und nicht immer um Klasse. Der Wissenschaftsrat empfiehlt nun in einem Gutachten eine "Entschleunigung" des akademischen Betriebs, um der Raserei, die nachhaltiger Forschung letztlich im Wege stehe, wieder Einhalt zu gebieten.
Wie der akademische Betrieb wieder entschleunigt werden soll, SZ 11.11.11

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Muhammad Yunus: Klare Ansage an die Banken 
Donnerstag, 24. November 2011 - Management
Der Nobelpreisträger und Erfinder der Mikrokredite Muhammad Yunus plädiert in einem Interview mit dem Handelsblatt für eine klare Regulierung des Bankwesens: "Die Grundprinzipien des Bankgeschäfts müssen eingehalten werden, sonst endet die Branche im Casino. Dazu gehört dann etwa die klare Trennung zwischen Investmentbanken und den klassischen Häusern, die das gewöhnliche Einlagen- und Kreditgeschäft betreiben. Wir müssen zu dieser alten Aufteilung zurück." Yunus sieht gegenwärtig eine breite Unterstützung innerhalb der Bevölkerung, die den politischen Institutionen Schritte in diese Richtung erleichtern könnte. Die hohe Staatsverschuldung kreidet der Nobelpreisträger indirekt auch den Banken an, da diese schließlich die Gelder zur Verfügung gestellt hätten. In seinen Augen ist es "irgendwie lächerlich", dass nun Schwellenländer die reicheren Staaten unterstützen sollen, aber: "Das Prinzip ist grundsätzlich nicht neu." Auch bei Bankenzusammenbrüchen in einzelnen Ländern seien es bisher die Armen gewesen, die für die Bankenrettung mitaufkommen mussten.
"Banken sind schuld an der Euro-Krise", HB 15.11.11

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Innovationskultur? Oft Fehlanzeige ... 
Mittwoch, 23. November 2011 - Studien
Eine Studie des 2b AHEAD ThinkTank kommt zu dem Schluss, dass es um die Innovationskultur deutscher Unternehmen nicht zum besten steht. Von den in den Umfrage einbezogenen 200 Firmen haben nur 38 Prozent wirklich visionäre Ziele. Die Mehrheit hingegen versteht unter Innovation schlicht die Verbesserung des Bestehenden. In vielen Unternehmen gelte noch immer die Devise: "Wer Visionen hat, ist ein Spinner." Keimen dennoch gute Ideen auf, ziehen sich in 83 Prozent der Firmen die Entscheidungsprozesse in die Länge. Zwar meinen mehr als 50 Prozent der Befragten, sie würden Ideen fördern, aber nur 30 Prozent setzen auch konkrete Innovationsziele. Hinzu kommt, dass nur 34 Prozent der Befragten es sich nach eigener Einschätzung überhaupt erlauben können, sich für die Entwicklung neuer Ideen Zeit zu nehmen, um diese weiterzuverfolgen. Und sobald diese Ideen dann Geld kosten, treten 70 Prozent der Firmen auf die Bremse.
Download der Studie

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Die Lasten der "Bildungshetze" 
Dienstag, 22. November 2011 - Wissenschaft
Die Lage an den Universitäten ist alarmierend, denn mit der Einführung der Bachelor-Studiengänge wächst der Druck auf die Studenten. 20 Prozent der Studierenden scheinen mit dem neuen System gut zurecht zukommen, 40 bis 50 Prozent sind verunsichert und weitere 30 bis 40 Prozent haben bereits ernsthafte Schwierigkeiten, so das Ergebnis einer Studie des Bundesbildungsministeriums. "Menschen sind keine Lernmaschinen", meint der Diplom-Psychologe Hans-Werner Rückert, Leiter der psychologischen Beratungsstelle der Freien Universität Berlin. Den Studierenden rät er, sich aktiv mit dem empfundenen Druck auseinanderzusetzen: "Krisen fühlen sich unangenehm an, sind aber unvermeidlich und bieten Chancen. Als Selbstschutz vor psychischen Belastungen ist eine gute Work-Life-Balance unabdingbar. Und zwar schon im Studium, nicht erst im Beruf als Schutz vor dem Burn-out." Doch fordert er auch, die bestehenden Leistungsanforderungen zu überdenken, denn das momentane Setting begünstige "Bulimie-Lernen" und biete im Vergleich zu anderen Ländern zu wenig Freiräume.
"Menschen sind keine Lernmaschinen", SZ 10.11.11

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Die neue Lust am Denken 
Montag, 21. November 2011 - Studien
Die Identity Foundation, eine gemeinnützige Stiftung für Philosophie aus Düsseldorf, hat anlässlich des Welttags der Philosophie eine spannende Studie vorgelegt zur Bedeutung des Denkens in der heutigen Gesellschaft. "In Zeiten der Krise entwickelt für eine Mehrheit der Deutschen die Philosophie eine neue Leitbildfunktion. Zu den philosophischen Fragen, die für die Menschheit besonders wichtig sind, gehören für die Bevölkerung dabei: wie die Welt gerechter werden kann (76,7 Prozent), wie die Gesellschaft menschlicher gestaltet werden kann (74,6 Prozent), wie sich die Selbstachtung und Würde der Menschen schützen lassen (73,8 Prozent), wie man moralisch handeln kann (72,4 Prozent), wie man zu einer Politik finden kann, die den Menschen dient (67,2 Prozent) und wie man der heutigen Unsicherheit der Daseinsumstände besser begegnen kann (56,8 Prozent)", heißt es in der Pressemitteilung. Den alten Eliten versagt eine große Mehrheit der Befragten das Vertrauen. Nur gut 8 Prozent glauben, dass Politiker Weisheit besitzen, von den Wirtschaftseliten nehmen dies noch gut 16 Prozent an. "Das philosophische Interesse hat gute Gründe, denn eine überwältigende Mehrheit der Deutschen beobachtet eine wachsende Erosion innerhalb der Gesellschaft, aber auch ein Versagen in Politik und Wirtschaft. So beklagen 86 Prozent der Befragten eine vorherrschende Gier nach immer mehr. 84 Prozent werfen Politik und Wirtschaft fehlenden Anstand vor. 83,1 Prozent kritisieren einen Gegensatz von übermäßigem Reichtum auf der einen und wachsender Armut auf der anderen Seite. Ein überbordender Egoismus und Individualismus wird von 80,6 Prozent als gesellschaftliches Störfeuer erkannt. Infolgedessen bemängeln 77,2 Prozent, dass das Miteinander im Land durch Unfairness und Illoyalität geprägt sei. 76,6 Prozent der Befragten nehmen zu viel Eitelkeit und Selbstgefälligkeit in sozialen Beziehungen wahr. Und 73 Prozent bemängeln, dass materieller Besitz und Konsum übertrieben zur Schau gestellt werden", so die Veröffentlichung. Die Studie entwickelt noch viele weitere spannende Facetten zur bundesdeutschen Denkbefindlichkeit und stellt auch die jüngsten zivilgesellschaftlichen Bewegungen in ein neues Licht. Nach den Erkenntnissen der Universität Hohenheim, die die Erhebung ausgewertet hat, bekennen sich schon mehr als die Hälfte der Deutschen zu einer neuen Form der "Bypass"-Demokratie und engagieren sich selbst gesellschaftlich. Dabei ist es ihnen vor allem wichtig, die aktuellen Geschehnisse zu reflektieren und neue Gedanken für Lösungen zu entwickeln. Eine Tendenz, die Mut macht!
Download der Studie

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Gemeinschaft ist ein evolutionäres Erfolgskonzept 
Freitag, 18. November 2011 - Studien
Eine evolutionsbiologische Studie über Primaten der Universität Oxford zeigt, dass das Leben in sozialen Gemeinschaften ein evolutionäres Erfolgskonzept ist. Das Forscherteam hatte die Lebensweise und die Sozialformen von 217 Arten untersucht. Dabei zeigte sich, dass vor etwa 52 Millionen Jahren bereits erste Gruppenbildungen erfolgten. Heute leben hingegen nur wenige Primatenarten noch einzelgängerisch. Im Laufe der Evolution wurden die entwickelten Sozialstrukturen dabei immer komplexer, ebenso die wechselseitigen Verbindlichkeiten, die die Gruppenmitglieder eingehen. Eine Entwicklung, die, wenn man sie mit der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verfasstheit vergleicht, durchaus zum Nachdenken anregt. Ohne die Sozialstrukturen der Primaten glorifizieren zu wollen, stellt sich die Frage, warum in der heutigen Gesellschaft ein gesundes Miteinander immer mehr der Durchsetzung von Eigeninteressen weicht.
Den Wurzeln der Geselligkeit auf der Spur, wissenschaft.de 10.11.11

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Nachholbedarf der Kirchen bei fairem Handel 
Donnerstag, 17. November 2011 - Studien
Eine Studie der Hilfswerke "Brot für die Welt" und "Evangelischer Entwicklungsdienst" wirft ein ernüchterndes Licht auf das Beschaffungswesen der Kirchen und ihrer sozialen Einrichtungen. Nur zehn Prozent der in diesen Institutionen verwendeten Lebensmittel stammen aus ökologischem Anbau oder fairem Handel. Nach wie vor sei für viele Einrichtungen der Preis von Produkten das maßgebliche Entscheidungskriterium. "Der Ruf der Kirchen nach einer gerechten Wirtschaftsweise und einem nachhaltigen Lebensstil richtet sich nicht nur an andere, sondern zunächst an sie selbst. Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit und des klugen Einsatzes der eigenen Marktmacht", erklärte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin "Brot für die Welt". Allein die stationären Einrichtungen der Diakonie geben jährlich fast 766 Millionen Euro für Lebensmittel aus. Auch das unausgeschöpfte ökologische Potenzial ist enorm. So könnten der Studie zufolge beispielsweise neun Tonnen CO2 gespart werden, wenn alle in den diakonischen Einrichtungen stationär versorgten Menschen nur ein Mal außerhalb der Saison auf einen Tomatensalat verzichten würden und stattdessen heimisches Saisongemüse wie Blumenkohl essen würden. So einfach kann Nachhaltigkeit sein.
Nur wenige kirchliche Einrichtungen kaufen fair und ökologisch ein, CiW 8.11.11

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Die offensive Macht der Kapitalmärkte 
Mittwoch, 16. November 2011 - Studien
Eine Studie der Beratungsfirma FTI Consulting wirft ein Licht darauf, wie stark der Einfluss von Fondsmanagern und Analysten ist, wenn Unternehmen Personalwechsel in der Führungsetage vornehmen. Untersucht wurden 260 Führungswechsel von Konzernen in 37 Ländern über einen Zeitraum von vier Jahren. Für Portfolio-Manager macht die Frage, wer ein Unternehmen lenkt, 32 Prozent ihrer Investment-Entscheidung aus. Führungswechsel sind in den Augen der Anleger mit Risiken verbunden, so dass 39 Prozent ihre Papiere verkaufen, wenn in der Vorstandsetage ein neuer Chef Einzug hält. Allerdings ist für 15 Prozent der Führungswechsel auch ein Kaufsignal. Die Studie zeigt, wie ausgeliefert Unternehmen inzwischen den Reaktionen der Finanzmärkte sind.
Neue Firmenchefs haben sechs Monate Bewährung, HB 20.10.11

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