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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2023

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Care-Arbeit wird von der Wirtschaft ausgeblendet

Wie wichtig die fürsorgliche Tätigkeiten sind, wurde in der Pandemie mehr als deutlich. Vom System der Wirtschaft wird dieser Bereich jedoch nach wie vor gezielt ausgeklammert. Der Forscher Hans Rusinek, der an der Universität St. Gallen am Institut für Wirtschaftsethik zu Sinn und Arbeit promoviert, bezeichnet den vorherrschenden Wirtschaftsbegriff als "kryptonormativ", was so viel bedeutet wie: Er vermittelt Dinge, die als normal gelten, beispielsweise all die harten Fakten des Business, und blendet andere zum Teil völlig aus. Fürsorge, die durch Erziehung beispielsweise erst Menschen zu Arbeitenden werden lässt und dazu beiträgt, die Arbeitsfähigkeit aufrechtzuerhalten, kommt in vielen Wirtschaftslehren als normativer Faktor gar nicht vor. "So spielt Care-Arbeit dann auch in der Wirtschaftswissenschaft kaum eine Rolle. Die wenigen, die dazu forschen, wie sich Fürsorgearbeit in ökonomische Prognosen und Modelle integrieren lässt, sodass unser Wirtschaftsverständnis diesen riesigen blinden Fleck überwindet, müssen dies meist fernab universitärer Belohnungssysteme machen", so Rusinek. Das habe handfeste Folgen: "In einer ähnlichen Logik wie bei der Umwelt werden die Kosten von Care nicht beachtet und eben meist auch nicht in Rechnung gestellt. Care und Umwelt sind die zwei Systeme, die wir für Regeneration haben. Unser Wirtschaften ist auf beide angewiesen – und beutet beide aus." In der Schweiz, errechnete dort das Bundesamt für Statistik, beläuft sich der Gegenwert der Fürsorgearbeit auf 360 Milliarden Euro, ein Volumen, das höher ist als die Wirtschaftskraft der Banken oder der Pharmaindustrie. Man darf gespannt sein, ob die Lehren aus der Pandemie die blinden Flecken im System vielleicht neu beleuchten.Care-Arbeit darf nicht länger ignoriert werden, Deutschlandfunk Kultur 27.5.21

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Buch-Tipps
Meine beiden Bücher, die ich mit Paul J. Kohtes geschrieben habe.

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