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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2023

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In der Wirtschaft ist das einzig Stetige der Wandel

Die aktuelle Krise der weltweiten Finanzmärkte und der öffentliche Umgang damit erwecken nur allzu leicht den Eindruck, dass wir gegenwärtig Zeugen eines außergewöhnlichen Störfalls werden. Wolfgang Streeck, Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln und Professor für Soziologie an der Universität Köln ist das anderer Meinung. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung stellt er fest: "Nicht die Krise ist das große Rätsel des Kapitalismus, sondern die Fiktion der Stabilität." Streeck schärft den Blick dafür, dass Phasen des wirtschaftlichen Aufschwungs mit anschließenden Zeiten scheinbarer Stabilität eigentlich immer nur Intermezzi waren. Nach großen Krisen wie beispielsweise 1929 beruhigten sich die Märkte zwar immer wieder längerfristig, doch daraus zu schließen, dass der Kapitalismus eigentlich eine stabile Ordnung garantiert, ist für Streeck ein - allerdings allzu menschlicher - Fehlschluss: "Kapitalismus als soziale Ordnung ist durch und durch unwahrscheinlich: eine Ordnung, deren Wesen die unablässige Selbsttransformation ist. Für menschliche Wesen ist das schwer zu begreifen; sie wollen wissen, wohin sie gehören und wer sie bleiben können. Vielleicht ist das der Grund, weshalb wir auch in den modernen Kapitalismus eine vormoderne Stabilität hineinphantasieren, die er nicht zu bieten hat." Der Soziologe legt den Finger darüber hinaus in eine andere Wunde und zeigt, dass im Kern viele Menschen, die sich dessen nicht unbedingt bewusst sind, Anteil haben an der dem Kapitalismus inhärenten Dynamik der Zuspitzungen: "Als Investoren und Konsumenten setzen wir die Unternehmen unter Druck, die dann uns als Arbeitnehmer unter Druck und am Ende gar frei setzen." Ohne das kapitalistische Maximierungsdenken zu kritisieren, stellt Streeck nüchtern fest, dass genau dieses Paradigma es ist, das nicht nur Wachstum und Entwicklung ermöglicht, sondern eben auch immer wieder krisenhafte Phasen: "Maximierung verlangt Kreativität, nicht Routine. Kreativität zerstört. Zerstörung aber ist riskant, für den, der zerstört wird, aber auch für den der zerstört. Risiko, wie alles im Kapitalismus, ist ungleich verteilt." Brauchen wir also eine neue Diskussion des Ungleichheitsthemas? Fest steht eigentlich nur, dass Komplexität nicht mit einfachen Lösungen zu meistern ist.
"Lektion zum Kapitalismus", FAS 28.9.2008

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Buch-Tipps
Meine beiden Bücher, die ich mit Paul J. Kohtes geschrieben habe.

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