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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2022

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Reich? Ich doch nicht ...

In vielen Studien zeigt sich, dass ein großer Teil der Bevölkerung ein sehr scharfes Gerechtigkeitsempfinden hat, wenn es um die ungleiche Reichtumsverteilung in der Gesellschaft geht. Gerade in den Industrienationen ist vielen Menschen aber nicht klar, wie begütert sie selbst eigentlich sind. Wissenschaftler nennen dies den Unterschied zwischen der realen Einkommensverteilung und der gefühlten. Ein Single, der 2.600 Euro netto zur Verfügung hat, zählt in Deutschland bereits zur oberen Mittelschicht. Aber fühlt sich das auch so an? Jobs, die ein solches Einkommen bringen, findet man meist in Großstädten. Zieht man mal die - dort exorbitante - Miete ab, Fahrtkosten, Versicherungen, Altersvorsorge, schwindet das, was zur freien Verfügung steht - der gefühlte Bonus. Betrachtet man dann noch Faktoren wie Stress, all die Ausgaben für Essengehen, Reinigung und ähnliche Dienstleistungen, mit denen man sich Zeit erkauft, bleibt auf der finanziellen Habenseite immer weniger. Und dieser Rest reicht bei vielen Menschen nicht, um ein Gefühl der Fülle zu entwickeln. Hinzu kommt: In einer Zeit, in der jeder seinen Job leicht verlieren kann, ist dieser Status alles andere als sicher. So kommt es, dass in Studien meist große Mehrheiten für eine Umverteilung plädieren, aber zurückrudern, wenn ihnen bewusst wird, dass es dabei auch um ihr Geld geht. In meiner Wahrnehmung zeigt dieses Paradox, dass es nicht reicht, die gesellschaftliche Lage allein aus Sicht der Statistik zu betrachten. Geld ist im Kapitalismus eine zentrale Maßeinheit. Aber ist es wirklich das Geld, das wir wollen? Wollen wir nicht viel mehr eine grundlegende Versorgungssicherheit, gute zwischenmenschliche Kontakte, Lebensfreude? In einem System, das alles in Geld misst, schauen wir genau darauf. Und merken nicht, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht ...
Reich sind immer die anderen, Zeit online 6.10.16

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Meine beiden Bücher, die ich mit Paul J. Kohtes geschrieben habe.

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