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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2022

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Die unbewussten Chauvinismen in der Arbeitswelt

Die Schlussfolgerungen, die wir aus wissenschaftlichen Studien ziehen, zeigen häufig mehr über unsere Kultur als den eigentlichen Untersuchungsgegenstand. So berichtet der Journalist Ferdinand Knauß in der Wirtschaftswoche über eine amerikanische Studie, die die Stressreaktionen von Frauen und Männern, die an ischämischen Herzkrankheiten litten, also beispielsweise einen Herzinfarkt hinter sich hatten, untersuchte. Dabei zeigte sich, dass die Männer unter Stress weniger emotionale Reaktionen zeigten als die Frauen und sich lediglich bei 41 Prozent der Blutzufluss zum Herzen verringerte (was gesundheitlich bedrohlich werden kann), während dies bei 57 Prozent der Frauen der Fall war. Stress setzt den Frauen also mehr zu als den Männern. Knauß' Deutung der Ergebnisse: "Und die politisch-gesellschaftlichen Implikationen? Nun, man könnte auf die naheliegende Idee kommen, dass die Überrepräsentanz von Männern in jenen gesellschaftlichen Bereichen, die besonders stark von Stress geprägt sind, möglicherweise nicht nur mit kulturellen, historisch überkommenen Prägungen, sondern mit biologischen Voraussetzungen zu tun hat. Dass mit anderen Worten das biologische Geschlecht (sex) und das gesellschaftlich konstruierte (Gender) eben doch nicht so klar zu trennen sind, wie das Kultur- und Sozialwissenschaftler behaupten." Ist das der Backlash zur immer noch gärenden Diskussion über Frauenquoten für Führungspositionen? Sollten Frauen also besser zurück an den Herd, um ihr Herz zu schonen? Oder sollten wir vielleicht lieber einmal darüber nachdenken, wie wir Gesundheitsgefährdungen in der Arbeitswelt insgesamt verringern können? Anstatt mit unterschwelligen Chauvinismen zu suggerieren, dass Frauen besser ihrer Biologie gerecht werden (wie auch immer), indem sie keine Führungsposition anstreben, um nicht vorzeitig an einem Herzinfarkt zu sterben.
Frauenherzen leiden stärker unter Stress, WiWo 15.10.14

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