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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2022

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Verhindert Empathie sozialen Wandel?

In der englischsprachigen Wissenschaftswelt ist ein Streit darüber entbrannt, ob mehr Empathie gesellschaftlich betrachtet einen positiven Unterschied machen könnte oder nicht vielleicht sogar konstruktiven Wandel bremst. Der US-Psychologe Paul Bloom etwa legte kürzlich ein Buch mit dem Titel "Against Empathy" vor. Er kritisiert, dass Empathie beispielsweise ungerecht sei. Menschen ließen sich von Einzelschicksalen besonders bewegen, versuchten diesen Menschen dann zu helfen, blendeten dabei aber alle anderen aus, die vielleicht ebenfalls Hilfe benötigten. Auch gehe das Mitgefühl mit einer Person oft mit Antipathien gegenüber anderen Menschen einher. So zeige eine Studie, in der Probanden mit Studenten in einem Wettbewerb mitfiebern sollten, dass die Versuchsteilnehmer dem Konkurrenten Unglück wünschten. Bloom plädiert dafür, dass bei politischen Entscheidungen zum gesellschaftlichen Zusammenleben solide Statistiken betrachtet werden sollten, anstatt auf das Mitfühlen mit einzelnen Personen zu setzen. Am Beispiel der US-amerikanischen Debatte über die Waffengesetze zeige sich ebenfalls ein Empathie-Dilemma - sollte man Mitgefühl haben mit Menschen, die unschuldig Opfer von Waffenmissbrauch werden oder mit jenen, die sich aufgrund von Ängsten glauben, mit einer Waffe besser schützen zu können? In den Augen des Psychologen wäre es sinnvoller, rational zu untersuchen, welche Effekte Veränderungen in der Gesetzgebung auf wie viele Menschen haben, um zu einer analytisch begründeten Entscheidung zu gelangen. Gegenwind bekommt Bloom von seinem britischen Kollegen Simon Baron-Cohen von der University of Cambridge. Baron-Cohen plädiert dafür, Empathie und Ratio nicht gegeneinander auszuspielen, sondern lieber bestehende Hemmnisse für Empathie zu beseitigen. Es gehe darum, auch mit Gegnern mitfühlen zu können, Misstrauen zu überwinden und sich immer wieder zu fragen, wie es "den anderen" gehe. Blooms Verständnis von Empathie scheint eines der individuellen und sozialen Fragmentierung zu sein - ein empathisches Ich steht hier eher für sich, so dass es größere Zusammenhänge, die über das einzelne Empathie-Gefühl hinaus wirksam sind, nicht wahrnimmt. Aber ist die Wahrnehmung von Menschen tatsächlich so isoliert? Baron-Cohen scheint indirekt in diese Richtung zu deuten, denn letztlich läuft seine Argumentation darauf hinaus, den Radius des Mitgefühls immer mehr auszuweiten. Dann ist Empathie nicht eine überschaubare Beziehung zwischen Fragmenten, sondern weitet zunehmend den Raum für ein Selbstverständnis, das Menschen sich immer mehr in ihrer Verbundenheit mit allem wahrnehmen lässt.
Die dunkle Seite der Empathie, Bild der Wissenschaft 4.1.17

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Buch-Tipps
Meine beiden Bücher, die ich mit Paul J. Kohtes geschrieben habe.

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